special: ENID "Gradwanderer" Studio-Prelistening Tidal Wave Studio,
Karlsruhe
So am Zahn der Zeit, daß nicht einmal die ganze Band das
neue Album zuvor im Komplettdurchlauf gehört hat, sind wir bislang auch
noch nicht in den Genuß eines Pre-Listenings gekommen wie im Falle
"Gradwanderer", dem neuen Werk von ENID (VÖ Februar 2004).
Noch in der Nacht zuvor wurden den letzten Gesangsspuren von
ENID-Sänger Martin Wiese und Produzent Patrick Damiani der letzte Schliff
verpasst. Entsprechend feierlich war es, mit einer Handvoll geladener
Gäste dem jungfräulichen Werk zu lauschen. Und es war einfach
überwältigend, was uns da im Karlsruher TIDAL WAVE-Studio aus den
Boxen entgegen dröhnte.
Wer ENIDs
Vorgänger "Seelenspiegel" kennt, wird vielleicht gehofft haben,
daß die Band es endlich schafft, mit besseren Klangqualitäten und
gezielteren Songstrukturen dem durchaus zu erkennenden Potential mehr Ausdruck
geben zu können. Und das haben ENID mit "Gradwanderer" nun
ohrenscheinlich gemeistert. Brachiale Orchesterklänge, Chöre,
wirklich fette Metalgitarren, höllengewaltiges Schlagzeuggewitter und
dazwischen die leisen, klagenden Momente, die das Klanguniversum von
ENID schon immer ausgemacht haben, aber noch nie so überzeugend wie
gerade gehört. Die Band-Chefdenker Martin und Florian waren schon immer
"Gradwanderer", nicht nur zwischen den Stilen, so lassen sie eigentlich
mittelalterliche Gesangslinien in derben Blackmetal schweißen, nun legt
die Truppe in punkto Sound- und Songwriter-Qualitäten und mit unheimlichen
Ambient-Elementen der Dramaturgie noch eins drauf.
Schwierig eigenlich
nach einmaligen Hören die ganze Dynamik des neuen Werkes von ENID
wiederzugeben. Da gibt es von treibenden Doublebassdrums und gewaltigen
Gitarrenbrettern geprägte Smasher, wie der Opener "Chimera" oder
das Titelstück "Gradwanderer", die aber auch wiederum in
vielfältigen Stimmungswechseln sich befinden und zum Glück ohne
Growls zu überzeugen wissen. Und dann solch himmlische Balladen, wie
"Silent Stage", ein Song bei dem die Zeit entrückt und das Herz
stehen bleibt (oder umgekehrt), oder der über 16-minütigen Geschichte
"Die Seelensteine". Aus süßesten Träumen wird man mit
dem letzten Stück unmittelbar und im wahrsten Sinne des Wortes in die
Realität zurückversetzt und erlebt seinen Blues bei "The Burning
Of The Sea".
Anbetracht der Tatsache,
daß Martin und Florian sich für Gitarre und Drums abermals
Studiomusiker verpflichtet haben hat es sich für das Album definitiv
gelohnt, für die Liveumsetzung in der eigentlichen ENID-Besetzung
ist die Meßlatte allerdings hoch. Mal sehen wie die Jungs das meistern.
Nun gehts erstmal an die Ausarbeitung des gebührenden
Cover-Artworks.
Erscheinen soll der "Gradwanderer" im Februar
2004 im Digipack. Es soll auch noch ein Bonustrack (neu eingespieltes
"Herbststurm" vom Album "Abschiedsreigen") und einen CD-ROM-Track
mit Bildern, Videos und Infos geben.
Ein Album, daß sicherlich
nichts ist für Geknüppel-Puristen, viel zu schön und erhaben die
Momente dazwischen, in dem es viel zu entdecken gibt für alle, die sich
ins ENID-Universum begeben.
Sir Ritchie für
GOTHICWORLD
Vorläufige Tracklist:
01. Chimera 02. Ode To The Forlorn 03. Silent Stage 04.
Gradwanderer 05. Die Seelensteine 06. When The Last Glow Flies 07.
Exemption 08. The Burning Of The Sea
Review zu
ENID
"Seelenspiegel"
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