CD-REVIEWS:
 |
|
SYRIA:
"Driving Music" Maxi-CD (Black October Records)
|
Es
ist schon eine ganz besondere Art von Schwermut, die einen erfasst, wenn man
etwas Wunderbares entdeckt und weiß, dass es nicht mehr lange ist,
vergeht, aufhört zu sein
Dieses Gefühl also, das einen packt,
wenn man eine schöne Herbstblume entdeckt und weiß, dass der erste
Nachtfrost unerbittlich ist.
SYRIA, namentlich CHRISTIAN
DÖRGE, legt mit der Maxi-CD "Driving Music" sein letztes
musikalisches Werk vor. Zum 1. Dezember 2003 wird SYRIA aufgelöst,
ein musikalisches Nachfolgeprojekt wird es nicht geben. Und was da aus den
Boxen kommt, lässt mich verwundert fragen, warum ich noch nie etwas von
Herrn DÖRGE gehört habe: sanft, bezaubernd, kunstvoll, wertvoll und
voller Phantasie.
Die gewählte Auskopplung "Driving Music",
hier im Ocean Drive-Mix, besticht durch eine selten gehörte Leichtigkeit
gepaart mit Melancholie und sehr eingängigen Elektro-Pop. "Your
Ghost", ein Rework des Duetts von Kristen Hersh und Michael Stipe (REM) aus
dem Jahr 1994, gefällt mir besser als das Original und das war schon
genial. Der Kill The-Remix von "Driving Music", eingespielt vom Berliner
TIMOTHY MOLDREY, hat seinen ganz eigenen Reiz, der besonders durch die
minimalistische Verwendung von Drumsamples zur Geltung kommt. "Anymore"
ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: sägende Gitarren
unterstützen hier das elektronische Klanggerüst ausgezeichnet, man
sehnt sich nach einer Tanzfläche und man fragt sich, was man einnehmen
muss, um so einen Text zu schreiben. Beispiel: "You got a small mind in a small
town And I´m better off with you, sorry!"
Die Zugaben erweitern
die Maxi dann endgültig zu einer eigentlichen EP. "Sculptures, Fruits
And Tea-Partys" weckt musikalische Assoziationen an Diary of Dreams,
traumhaft die Stimme von Nicole Pai. Das Klavierstück "Untitled
1964" habe ich so fest in mein Herz geschlossen, dass es einmal mein
Sterben begleiten soll - ergreifender kann Musik nicht sein.
Allein
"Das Blut von Wien" trübt die Freude über diese CD ein wenig,
aber das kann man verschmerzen. Das bekannte "Neverland Things" in der
Version 2.0 beendet mit über sieben Minuten Dauer das Werk furios und
fesselnd. Ganz ist noch nicht aller Tage Abend: Quasi als Nachruf erscheint von
SYRIA am 15. Dezember ein Live-Album mit dem Titel "Friday Night In
The Old Absinthe House - Live"
. und ich melde mich schon jetzt
für die Rezension an.
Daniel "Bela" Bartsch für
GOTHICWORLD
Tracklist: 01. Driving Music
(Ocean Drive-Remix) 02. Your Ghost (Radiophonic Rework) 03. Driving
Music (Kill The Remix) 04. Somewhere in England (Live) 05. Anymore
(Extended Club-Mix) 06. Zerbrechlich (Live) Bonus: 07.
Sculptures, Fruits And Tea-Partys, Part 1 (Remix) 08. Untitled 1964 (Bar
Conscience-Version) 09. Das Blut von Wien (M1-Mix) 10. Sculptures,
Fruits And Tea-Partys, Part 2 (Remix) 11. Neverland Things 2.0
www.radioetienne.de |