CD-REVIEWS:

Grabsteinland    UNTOTEN: "Grabsteinland"
CD (Sonic Malade)

UntotenNein, nein, nein - ich mache diesen Hype um die UNTOTEN nicht mit!
Wenn im folgenden Vergleiche zu bereits lange verstorbenen Frauen gezogen werden, sollte zu Beginn ein verstorbener Mann das Wort bekommen: "Musik wird störend oft empfunden, zumal sie mit Geräusch verbunden!" (Wilhelm Busch)

Die UNTOTEN haben seit kurzem mit "Grabsteinland" ihr aktuelles Werk in den Läden, der Titel ist passend gewählt, ist doch beinah jeder Titel ein trauriger Stein auf dem Friedhof der Musiklandschaft. Mögen die Kompositionen und Arrangements von David A. Line (SOKO FRIEDHOF, Autor, ua. "Schwarze Messe") noch im Bereich des Machbaren liegen und manchmal durchaus helle und schöne musikalische Momente erkennen lassen, so ist der Gesang von Greta Csatlós ("Blutprinzessin, der schwarze Engel der Goten, wie sie auch von ihren Anhängern genannt wird…", Zitat Presseinfo) ein blankes Trauma an Unsicherheit, Blässe ("Du hast mir ein Haus erbaut") und unfreiwilliger Komik. Die Stimme schwankt zwischen herrisch, emotionslos ("Siehst du es denn nicht"), flehend bis weinerlich ("Rabenlied"), geknödelt ("Mit den Augen der Nacht") und nasal ("Alexanderplatz") - dabei soll sie wohl an große Vorbilder erinnern (das stark gerollte R) erreicht jedoch nur sehr, sehr selten das Markante einer Marlene Dietrich, Lale Andersen oder Zarah Leander.

UntotenWirklich gelungene Verbindungen gehen Musik und Stimme nur bei "Grabsteinland" mit seinen sympathischen Trommeleinlagen und dem Remix von "Willst Du?" ein. Letzterer übrigens der kräftigste und vielschichtigste Song mit hohem Tanzpotenzial. Sonst überwiegen langsame, getragene Melodien, die einen an russische Schwermut erinnern und zu sanftem Schunkeln einladen - im Ernst, es schunkelt sich erstaunlich leicht mit.

Ein Riesenlob ist allerdings die Gestaltung des 24seitigen Booklets wert. Hier zeigt Greta Csatlós was sie wirklich kann: Fotos und Grafiken sind ausnahmslos gelungen. Mit ihrer düster, erotischen Spannung fangen sie die Schmunzler beim Lesen der Texte auf. Ach, die Texte… Höhepunkt pubertär-lyrischer Verquasung ist im Titel "Never" die Zeile: "Wie Milch auf Wäldern liegt die Einsamkeit…" Solche Vergleiche finden sich sonst nur in den Kontaktanzeigen im ZILLO. Es bleibt mir letztlich ein Rätsel, warum so ein riesiger Wirbel um diese unterdurchschnittliche Kost gemacht wird. Meine Vermutung: der enorme Marketingaufwand - von der Kohle hätte man sicher einige gute Alben von Nachwuchsbands mit Potenzial aufnehmen können. Aber ach…

PS.: Als passionierter Gothic-Spieler werde ich mich in Berliner Clubs nur noch mit der Spruchrolle "Untote vernichten" bewegen…


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:

01 - Wie klein diese Welt… (Overtüre)
02 - Mit den Augen der Nacht
03 - Grabsteinland (Wach auf)
04 - Rabenlied
05 - Cynthia
06 - Du hast mir ein Haus erbaut
07 - Alexanderplatz
08 - Siehst du es denn nicht (ach du)
09 - NibelungenTreue
10 - Kristallwald
11 - Willst Du? (Remix)
12 - Never
13 - Land im Nebel (Outro)


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