special:

1. MITHRAS GARDEN - Festival
mit AELDABORN, SIEBEN, HEKATE, HOWDEN/WAKEFORD

15. November 2003 - Koblenz, Suppkultur

Denk ich an Deutschland in der Nacht…

Die Band HEKATE feiert ihr 10jähriges Jubiläum - Grund genug für die Veranstaltung eines zünftigen Geburtstagsfestes und zugleich Beginn einer Festival-Reihe, die sich Mithras-Garden-Festival nennt. Zur Erstausgabe des Festivals lockten mich hauptsächlich SIEBEN und die Anwesenheit von TONY WAKEFORD (SOL INVICTUS) aus Berlin nach Koblenz.

Das "Suppkultur" ist eine sympathische Fabrikhalle mit viel Platz und angenehmer Raumaufteilung. Leider kam das eigentlich typische und schöne Rahmenprogramm von Festivals in Form von Verkaufsständen etwas zu kurz, aber das war wohl der In-door-Veranstaltung geschuldet. Neben dem üblichen Merchandising der auftretenden Bands gab es nur noch einen Stand mit allerdings reichhaltigem Angebot an Spielzeug für den jungen Heiden.


AeldabornDas Publikum war bunt gemischt, nicht wenige der Gäste waren um die 40. Wie für "neufolkloristische Veranstaltungen" dieser Art üblich - und genauso unnötig - gaben sich auch Leute die Ehre, die sich in SA- und BDM-Uniformen wohl fühlen und dabei oft genug die Grenze des guten Geschmacks überschritten. Was als Provokation in den 80ern vielleicht noch ankam, ist bloß noch die Bestätigung von Vorurteilen gegenüber Freunden des Neofolks und Inhalten der Musik.

Der Reigen begann dann relativ pünktlich mit dem Auftritt der jungen Formation AELDABORN. Ihr Auftritt war so kurz wie bemerkenswert. Fünf Herren verteilten sich abwechselnd auf drei Schlagwerke (Kesselpauken, Trommeln), ein Keyboard und ein bis zwei Gitarren. Lautstark und sehr trommellastig sorgten sie für entsprechende Aufmerksamkeit. Das vordergründige Bauen auf die Wucht der Trommeln nahm der Band allerdings jegliche Möglichkeit der musikalischen Variation, und so stumpfte man recht schnell ab. Einem der Sänger, der optisch wie der jüngere Bruder von Charles Manson daherkam, ist ein durchaus guter Gesang zu bescheinigen, dicht an der Tonlage von Dies Natalis und mit - leider - genauso schlechtem Englisch. Da half dann auch alle Inbrunst nichts mehr. Ein Achtungszeichen allemal setzten AELDABORN mit der Interpretation von Heinrich Heines "Lied der Schlesischen Weber" (Deutschland, wir weben dein Leichentuch…) - bei der Art des Vortrages dürfte sich der sinnenfrohe Dichter allerdings im Grab aufgesetzt haben. Nach sechs oder sieben Stücken war der Anfang gemacht und mit SIEBEN kam der erste Höhepunkt des Abends.

Matt HowdenMatt Howden, das Talent an der Geige und alleiniger Macher von SIEBEN, zeigte, dass gute Musik nicht allein von der Wucht und Größe der Trommeln abhängt. Sein Geigenspiel war genial, seine Stimme warm und sehr intensiv. In Erstaunen setzt den unbedarften Zuschauer immer wieder die Gabe, mittels aneinander gereihter Loops komplette und vielschichtige Songs zu fabrizieren. Ob Staunen oder Andacht der Grund für die atemlose Stille im Publikum waren, vermag ich nicht zu sagen, auf jeden Fall war es ein sehr würdiges Konzert. Professionell überspielte er kleine Fehler, arbeitete mit den Fans, flocht kleine Scherze ein und ermöglichte so eine Verbindung von Künstler und Publikum, die selten ist. Eine Geige mit dem Kinn zu spielen, bringt tatsächlich ganz angenehme Töne zustande. Matt Howden lieferte einen guten Überblick über das musikalische Werk seines Projektes SIEBEN ab und bot interessante Einblicke in das aktuelle Werk "Sex an Wildflowers", das im September erschien.

HekateDas kann man von der quasi gastgebenden Band HEKATE nicht sagen. War die Bühne bisher ein sanftes Meer aus grünem, rotem und blauem Licht, setzte mit Beginn des HEKATE-Auftritts eine unnötige Lichtshow ein, die bunt, grell, unruhig und albern wirkte. Albern, wie eigentlich der ganze Auftritt. Dankenswerterweise verzichteten HEKATE auf ihre altbekannte Uniformierung und gaben sich ganz zivil - dabei strahlten sie den Charme einer Schülerband aus. Nach beinahe jedem Song wurden auf der Bühne die Positionen gewechselt, es entstand eine Unruhe, die sich auf das Publikum übertrug. In harten, viel zu lauten Keyboardklängen ging der fade Gesang der schlechten Sängerin gnadenlos unter. Wirklich dankbar beklatscht wurden eigentlich nur die Songs aus der Sonnentanz-Phase, hier schimmerte das eigentliche Können der Musiker durch. Gefallen hat mir neben dem 93er Titel "Burning terror" noch "Dos Kelbl" und "Fatherland". Bei ihrem Reißer "Die Sonne im Geiste" boten HEKATE an Licht, Lautstärke, Gesang, Trommeln weit mehr als notwendig auf und so wurde der Song eher zu einer Karikatur seiner selbst. Eigentlich wurde das ganze Konzept hinter dem Auftritt nicht klar: weder war es ein ausgewogener Überblick über ihre Historie noch passten die Songs aneinander. Das mittelalterlich inspirierte "Mithras Garden" lag sehr dicht an dem musikalischen Tiefpunkt des Abends, einer Technonummer namens "Life unlimited". Als HEKATEs "Beitrag zur Spaßgesellschaft" angekündigt, war die Nummer ein Lacher ohnegleichen im Stil besserer VNV-Nation-Sachen. Ironie wird zum Eigentor, wenn sie augenscheinlich niemand versteht. Deutlich verwirrt blieb ein Publikum zurück, dass sich auf den krönenden Abschluss des Abends freute.

Tony WakefordHOWDEN / WAKEFORD bildeten den Abschluss eines durchwachsenen Abends, und ihr Auftritt selbst war es ebenso. Während Matt Howden vor seinem zweiten Auftritt des Tages alles selbst einstöpselte und in der gesamten Umbaupause Kontakt zum Publikum hielt, machte sich die Stimme des Abends rar, bis die Lichter ausgingen. Als langjähriger Sol Invictus-Fan freute ich mich besonders auf Tony Wakeford und hoffte auf wenigstens ein Stück selbiger Band, in der schließlich beide herausragende Positionen einnahmen. Nichts. HOWDEN und WAKEFORD spielten ausschließlich Songs ihres gemeinsamen Projekts und enttäuschten damit sichtlich einen Großteil der Anwesenden. Was sie jedoch boten, war herausragend. Die Virtuosität an der Geige gepaart mit dem genialen Gesang des sehr beleibten Klangkörpers Tony Wakeford ergab eine Mischung, die tief ins Herz drang. Sie spielten die komplette letzte CD "Wormwood" herunter, in Perfektion und ohne überflüssige Worte. Einiges erinnerte stark an Sol Invictus, letztlich war es aber doch nicht dasselbe. "The star is wormwood" und "The wormwood tree" - die eindeutig emotionalsten Songs des Abends. Nach zwei Titeln als Zugabe verabschiedete man sich mit einem knappen "Thank you!" und verschwand.

Im Gehen hörte ich noch, wie sich der HEKATE-Frontmann bei allen Anwesenden bedankte und das 2. Mithras-Garden-Festival für Anfang März ankündigte. Mit sehr gemischten Gefühlen fuhren wir nach Hause - Musik und Publikum boten in der Nachbetrachtung noch genug Potenzial zur Aufarbeitung.


Daniel "Bela" Bartsch für GothicWorld


www.mithras-garden.de
www.hekate-web.de
www.matthowden.com
www.tursa.com