CD-REVIEWS:
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LIBITINA
"The Shadowline" CD (Libation Records)
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Venus Libitina, mit diesem Beinamen wird die liebliche
Venus, Göttin der Liebe und Lust zu ihrem schwarzen Zwilling, der
Todesgöttin. Liebe und Tod - zwei Grundmotive menschlichen Seins, die
Ausgangspunkt für die Texte und die Musik der gleichnamigen englischen
Gothic-Dark-Wave Band LIBITINA sind.
Mit "The Shadowline"
präsentieren sie uns ihr drittes Album, welches nach dem recht
unspektakulären Intro mit den ersten Liedern sehr vielversprechend
beginnt. Dunkle Keybardflächen, monotoner Drumcomputer, tiefes
Baßspiel, eine dezent eingesetzte Gitarre und ein etwas eintöniger,
aber dann plötzlich sehr emotionaler Gesang finden sich zusammen und
bringen eingängige Dark Wave-Songs hervor.
"Mea Culpa"
überzeugt besonders durch den eindringlichen Gesang, der Leidenschaft und
Verzweiflung ausdrückt und den eingängigen Refrain, welcher begleitet
von weiblichen Backgroundvocals schon fast choral anmutet. Die Lieder der
Platte wechseln von verträumt und balladesk wie das wunderschöne
"All that I have ever lost" zu schnelleren und tanzbaren Stücken
wie "Mutual Faith" oder "Diomedean Exchange", die elegisch poppig
oder fast aggressiv klingen.
Die Texte verdienen das Prädikat
"beachtenswert". Das Thema "Liebe" wird mal jenseits der üblichen
Parameter "Ich peitsch dich mit Wattebällchen bis du blutest" und "Ohne
Dich kann ich nicht Leben" aufgegriffen. Es fallen religiöse Bezüge
schon in den Titeln der Lieder auf: Sei es das bereits genannte "Mea
culpa" aus dem katholischen Schuldbekenntnis oder "Shibboleth", das
Losungswort der Ephraimiter (Richter 12,6). Diese sind jedoch nur Anspielungen
oder Motive, die im weiteren wieder aufgegriffen werden (sehr schön die
Anspielung auf das Ertrinken in "Shibboleth"), aber nicht auf eine
Auseinandersetzungen mit dem Thema Religion im allgemeinen oder Gott
hinauslaufen. Sie werden vielmehr in den Kontext von verlorener Liebe,
Verzweifelung und Hoffnungslosigkeit gestellt, so daß man sich fast
schämt, zweisam und glücklich zu sein.
Insgesamt handelt es
sich um ein gelungenes Dark Wave Album, dem es vielleicht gut getan hätte,
den Drumcomputer ein wenig mehr im Hintergrund abzumischen und die "richtigen"
Instrumente in den Vordergrund zu stellen, dessen einzelne Songs aber trotzdem
eine besondere Atmosphäre erschaffen. Meiner Meinung nach besitzen
LIBITINA mehr Potential, als sie es auf "The Shadowline"
umgesetzt haben. Dennoch ist es ein empfehlenswertes Album, das einige
Höhepunkte aufzuweisen hat, nicht zuletzt in textlicher Hinsicht. Freunde
dunklen und elektronischen Waves sollten auf alle Fälle mal
reinhören.
Silvio
Wolff für GOTHICWORLD
Tracklist:
01. Matins
02. Dirt I Cannot Wash 03. Mea Culpa 04. Shibboleth 05. Colours
Revealed 06. All That I Have Ever Lost 07. Mutual Faith 08. A
Higher Unity 09. Diomedean Exchange 10. Lux Fiat 11. Valediction
12. Vespers
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