CD-REVIEWS:

Holy    IN STRICT CONFIDENCE "Holy"
CD (Minuswelt / Sony)

Holy ArtworkHoly shit, was für eine "Tontafel"!
Den Breuberger Tempelturm verließ ein Longplayer der in punkto Opulenz seinesgleichen sucht & restlos alle Sinne beansprucht. Ich höre nur die ersten Töne des Openers ‚Eye Of Heaven' und fühle mich versetzt in düstere kalte Cryogenix-Tage, doch jeder Track ist anders, facettenreich & für sich ein Hit, welche schon durch meist unheilschwangere Titel und gewohnt ausgefeilte Lyrics bestechen. Obschon sehr lebhaft sämtliche Genre der Electro-Welt von Dennis, Jörg und Stefan durchflutet werden ist keine Tendenz zum Massengeschmack erkennbar. Das Dreigestirn hat es mit Produzent Olaf Wollschläger wieder einmal geschafft sich mit ausgesprochen anspruchsvollen & ausgereiften Songs die nebenher noch tanzbar und eingängig sind, abzuheben.

In Strict ConfidenceMit Songs wie ‚Seven Lies' (mit Ion Javelyn von Moskva TV), ‚Closing Eyes' (fulminantes Duett mit Nadine Stelzer!) und auch dem sehr krachigen (Gitarren bei ISC!!!) ‚Another Night' dürften die DJ's in nächster Zeit in echte Verlegenheit kommen, mit welchem Track sie denn jetzt für Bewegung im geneigten Publikum sorgen sollen. Auch die sphärischen, fein arrangierten Titel ohne die charismatische Stimme von Dennis stehen dem in nichts nach. Die Tempeldienerinnen Antje Schulz (Chandeen) und Nadine Stelzer geben in ‚Sleepless' und ‚Emergency' mehr als nur ein Gastspiel, vielmehr sind diese Songs eigenständig und dennoch in das unverwechselbare Soundkonzept von ISC eingebettet. Letzterer erinnert in seiner stilistischen Vielfalt sogar irgendwie an L'ame Immortelle oder gar X-Perience. Machte die Maxi ‚Babylon' (hier noch kompakter & atmosphärischer) schon neugierig und lieferte auch den ersten Hit, so kann das fertige Album ohne Skip-Versuchung & Längen in diesem neuen Stil voll und ganz überzeugen. Ebenso ist das mit 13.23 Minuten gewaltige Outro ‚Alpha Centauri' eine intensive, vielschichtige Instrumental-Ode an unsere Nachbarsonne. Ob Gottes Reich bis dorthin erweitert wird ist noch unklar, eine wiederholte Platzierung in den Media Control Charts jedoch so sicher wie die allgegenwärtige Missachtung der 10 Gebote.

Holy ArtworkGebote, Holy… auch wenn die Lyrics nicht klerikalisch korrekt sein dürften und inhaltlich nicht die Bibel oder das Gilgamesch reflektieren, so kommt man um einen Crashkurs in Historie und Theologie beim Artwork nicht umhin. Monozelle-Römling verband barbusig betende Karmeliterinnen mit Tokens in babylonischer Keilschrift und Schwärmen von Schmetterlingen. Die kleinen Falter stehen in der biblischen Symbolik für die Auferstehung. Das irdische Leben (Raupe) muss vergehen, damit ein neues, schöneres Leben (Schmetterling) folgen kann. Die Keilschrift erwähnt die Bibel allerdings erst von Moses Zeiten an. "Moses zeichnete die Gebote des Herrn auf", heißt es darin. Und die Schrift erschien den Menschen noch wie ein Wunder, die Schrift war die Schrift Gottes. Niemand zweifelt heute mehr daran, dass der Auszug der Juden aus Ägypten sowie ihre Rückkehr nach Palästina tatsächlich stattgefunden hatte und die Grundsatzungen ihrer Religion vermutlich um 1200 v. Chr. niedergelegt wurden. Man schrieb schon seit Jahrhunderten in Keilschrift, und daher entstand die Ansicht, dass die Keilschrift die Schrift der Zehn Gebote gewesen sei. Aus dieser Schrift entwickelte sich die althebräische Schrift der späteren Königszeit. Die Sprache der Spätzeit des jüdischen Reiches war Aramäisch, in der die letzten Bücher der Bibel geschrieben sind. Sie war auch die Sprache Palästinas in der Zeit Jesus. Aus der Schrift dieser Epoche entstand die heutige hebräische Druckschrift. Über das Meer kam dann die Buchstabenschrift nach Griechenland. Das altgriechische Alphabet ist durch semitische Namen gekennzeichnet, die im Griechischen keinen Sinn ergeben. Aus dem palästinensischen Alef (Ochse) wurde Alpha, aus Bet (Haus) wurde Beta, und nach diesen ersten Buchstaben heißt noch heute unser Alphabet. Auch die ursprüngliche Reihe der Buchstaben wurde von den Griechen beibehalten.

Holy ArtworkOb von diesem Buchstabensalat der Titel des Bonustracks ‚Alpha Omega' erzählen soll, oder ob es die Offenbarung des letzten Buches der Bibel "Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende" ist wissen nur Dennis und seine Glaubensbrüder. So wie diese beiden Buchstaben das griechische Alphabet einrahmen, so umfasst Jesus Christus das Leben der Menschen vom Anfang bis zum Ende… Amen & teuflisch schöne Aufmachung dieser limitierten, teilmetalisierten CD welche mit edlen Stickern und Postkarten der Inlay-Motive komplett zur Sammler-Reliquie mutiert!


Ivo Klassmann für GOTHICWORLD


Tracklist:
01. Eye Of Heaven
02. Seven Lives
03. Babylon
04. Closing Eyes
05. Heal Me
06. Emergency
07. Another Night
08. No Love Will Heal
09. The Darkest Corridors
10. Sleepless
11. Alpha Centauri

Bonus CD:
01. Alpha Omega


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