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ATROCITY
"Atlantis" - Listening Session, 13.02.2004

Atrocity"We are the Gods of Nations".

Wahrlich, der deutsche Metal- Zeus, welcher nach den Gesetzen herrscht und solches wohl zu erkennen vermag, beschloss, als er ein treffliches Geschlecht schmählich herunterkommen sah, ihnen Strafe dafür aufzuerlegen, damit sie, durch dieselbe zur Besinnung gebracht, zu einer edleren Lebensweise zurückkehrten.

Er berief daher alle Götter in ihren ehrwürdigsten Wohnsitzen zusammen, welcher in der Mitte des Weltalls liegt und eine Überschau aller Dinge gewährt, welche je des Werdens teilhaftig wurden, und nachdem er sie zusammengerufen hatte, growlte er sein Urteil über Atlantis & die Verschiebung der Pole brach hörbar über sie herein!


So trug es sich, frei nach Plato, an einem Freitag den 13ten unweit der schwäbischen Metropole zu. Schreiberlinge aller namenhaften Magazine zogen gen Fellbach ins "Mastersound Studio" um den letzten Wehen des nunmehr 11ten Silberlings der Grausamkeit beizuwohnen. Die Hausherren präsentierten an den Wänden, der stylish eingerichteten 400qm, ihre bisherigen Greueltaten & die all ihrer Schützlinge. Bei der Begrüßung äußerte Alex Krull auch gleich sein Wohlgefallen über die Platzierungen seiner Liechtensteiner Vasallen ‚ELIS' in unseren GW-Charts, die mit ihm gerade hier an einem neuen Album werkeln. Ein ruhiger, gemütlicher & nicht mehr ganz schlanker Mittdreißiger, der nur zu froh über den ganzen Rummel in seinem Regieraum ist. Im normalen Leben mehr ein viel beschäftigter Producer und frischgebackener Papa der viel lieber auf Familie macht, statt auf exzessiven Metal-Star.

AtrocityIn einer Zeit wo Metallica dem Nu-Metal hinterherschrammelt & Sepultura ewig die gleiche Klampfe schlägt wagte man sich wieder an ein Konzeptalbum mit dem sagenumwobenen Thema "Atlantis". Herzstück dessen ist aber "not just the blabla stuff" sondern die philosophische Aufarbeitung des Untergangs und seiner Parallelen im jetzt & hier… damit das Mysterium nicht zu arg narkotisiert, wird es nicht nur erstmals in der Musikgeschichte so umfassend sondern auch gleich im Nackenbrecher-Takt abgehandelt! Was treibt eine Band zu solchem Konzept-Aufwand? Ist hierfür ein Urlaub in der Ägäis verantwortlich… adäquat zur Transsilvanienreise fürs ‚Blut'-Album? Die Quelle der Inspiration lag viel näher.

Gattin Liv Kristin ist Wassermann, Basser Matze Röderer studiert Geschichte, Chris Lukhaup schrieb, neben seinen Parts für ATROCITY & LEAVES' EYES, das weltweit erste Buch über nahezu alle bekannten Flusskrebs-Arten & im Studio steht ein Piranha-Becken… das Webproject atlantia.de sorgte für die Basis der Lyrics & wurde in Anbetracht der kommenden CD tatkräftig bei der Übersetzung ins Englische unterstützt & sorgte für den profunden Background der Listening-Handouts.

Alex KrullDoch nun ging's ans Eingemachte,
gleich Track 1 ‚Reich of Phenomena' macht unerbittlich klar die Begeisterung fürs Thema schlägt sich in feinstem technischen Death-Metal nieder. Der kommt wie ein fetter Asteroideneinschlag und macht klar, nach den vergangenen drei Jahren ist kein Platz mehr für den ‚Sound of Silence'!

‚Superior Race' bestätigt im Anschluss ebenso brachial den Abgesang an ‚Neue Deutsche Werke'. ATROCITY war schon immer eine Erscheinung, die sich jeder Berechenbarkeit entzog und sich in keine Ecke drängen ließ.

Die Suche nach "Atlantis" hat unser aller Verständnis antiker Kulturen revolutioniert und brachte auf jeden Fall etwas Verschwundenes zum Vorschein, Leistungen und Wissen längst verschwundener Völker & eine Ausnahme-Band zurück zu ihren Wurzeln! Die hier besungenen Übermenschen wurden auf Gottes Geheiß ausgelöscht… Dank dieser göttlichen Fügung wird man wohl nicht neuerlich ein riesiges Hakenkreuz auf offener Bühne zertrümmern müssen um gelegentliche Missverständnisse auszuräumen.

Mit dem dritten Akt beweisen sie, dass sie nie in einer kreativen Sackgasse parken würden. ‚Gods of Nations' klingt vielschichtig arrangiert, sehr melodisch & aufgrund des Chorus gerade zu hymnisch. Ein Mitgröhlhit par excellence!!! Bei ‚Ichior' wird das Ohr zuerst mit der fast fühlbaren Imposanz der prachtvollen Städte und Häfen, der goldverbrämten Paläste und dem unendlichem Reichtum der Insel verwöhnt um dann mit Drums in Rammlermanier & Death Grunts an die Opfersäule geführt zu werden!

Spätestens hier bin ich der Meinung, dies ist eine gekonnt überholte Version der zweiten ‚Non-Plus-Ultra' Scheibe. Doch kein ‚Fatal Step' & keine ‚Hallucinations'… alles knackiger & klarer, auch Alex zeigt erneut wie variabel seine Stimme ist. In der Vergangenheit gab's gelegentlich Schelte fürs Organ, hier klingt es wohltuend clean oder growlt was die alten Bänder so hergeben. Der nächste Streich bringt uns dass Geheimnis der Insel mit einem balladesken Intro 'rüber… dann weibliche Vocalparts (Frau oder Schwester?) & ein satter Refrain mit euphorisch gehauchtem ‚Enigma'. Kurze Pause für Zwischenfragen aus dem Auditorium & Zeit für jede Menge Bourbon um ein sichtbar geschocktes schwedisches Hirn zu kühlen ;) Treffend dazu Track 6 ‚Morbid Mind' wartet mit Drumstakkato und wahrhaft morbiden dahergebrachten Vocals auf. Das Urteil der Götter wird verkündet, hier endet Platos Niederschrift abrupt & auch die bisherige Linie im Album. ‚Omen' wirkt als Break nachhaltig, sehr getragen & mehrstimmigem Vocalintro. Hör ich hier gar Streicher? Ein guter Übergang zur ersten (und garantiert nicht letzten!) Single-Auskopplung ‚Cold Black Days'. Was für eine kraftvolle clubtaugliche Hymne mit prägendem Klavierintro & durchweg klaren Vocals, kindliche Abzählreime mit Gitarren unterlegt sind ab jetzt Charts-Historie! Hinterher der Single-Bonustrack ‚Antediluvian World' der neben einem ‚DAS ICH'-Remix ab 15.03.04 die geneigten Hörer ergötzen wird. Der für die Single versprochene Multimedia-Part war bereits als Screensaver überall zu bestaunen.

‚Atlantean Empire' gab's noch nicht im "mehr als nur roughmix" zu hören, schlicht um die Wartezeit aufs Album unter Hochspannung zu halten. Mächtig und kriegerisch reihte sich ‚Clash of the Titans' in die Perlenkette. Fanfaren, Schalmeien, Gongschläge & spannungsgeladene Drums bringen dass Ganze wieder in die Richtung der ersten 3 Tracks. Aggressivität in Musik und Kriegsgeschrei zeichnen diesen Track aus. Man ist hier schließlich bei den "Kings of the Darkness" zu Gast! Die wissen nur zu gut wie man ‚Apocalypse' spielt bevor man über das ‚Lost Eden' lamentiert. Doch dies ist nur ein sphärischer kurzer Übergang zu ‚The Sunken Paradise' meinem definitiven Favoriten dieses Albums!!! Akustikgitarre, Geplätscher & ein hitverdächtiger andachtsvoller Refrain; der Track vereint alle Stärken dieser Band!

Hörst du das?Freitag der 13te… Aberglaube war gestern!
Inzwischen bei Track 14 angelangt, sollte nun noch der Refrain für ‚Aeon' produziert werden. Mit niemand anders als den Pre-Listening Gästen, was für eine hinterhältig gelungene Überraschung! Wer noch kurz an Marketing und Schiedsrichterbestechung glaubte wurde von Alex kurz inhaltlich eingewiesen. Es sind die letzten echten Helden der Historie, die ihr vermeintliches Wissen in die Welt als Boten der Götter einbrachten & sie wurden überall in der Welt verstreut… Grund genug um mit Gruppen von jeweils 3 in den Recording-Raum zugehen und den Refrain in verschieden colourierten Dialekten unter Angstschweiß einzugröhlen! Was für ein Gemetzel und Blankorezept für den HNO-Arzt. Angesichts der Kommentare aus der Regiekanzel fiel schon mal der böse Name "Herr Bohlen" & richtig, außer Donovan hatten sich ja auch ‚Mordund Totschlag' mal per SOS mit dem Thema Atlantis ins moderne Gespräch gebracht ;) Richtig clever wäre natürlich einer neuerliche auf 666 Exemplare limitierte Version mit den Sessionpics der Chorknaben von Sonic Seducer, Orkus, Legacy, Rockhard, Zillo und und und… ‚Ein Volk' bereitete dem Treiben ein fulminantes Ende & es wurde zur Uraufführung des frisch abgedrehten Videos für ‚Cold Black Days' gebeten.

Alex KrullWer jetzt nach den allseits beliebten Fetish-Girls in knappem Lack & Stahl lechzte wurde eines Besseren belehrt, Nippelgate-Auswirkungen im Schwabenland! War ja auch nicht notwendig, angesichts der liebreizenden Promoterin Iris & Eva, dem Rohdiamanten aus der Eisenerz-Grube. Auf dem Bildschirm lief ein MTVIVA tauglicher Phantasie-Clip dessen Schauplätze ein Schloss, Gewölbe & ein Wasserturm sind. Immer wieder hat das junge Mädchen eine Karte von Atlantis zur Hand & begibt sich auf die Suche… gedreht wurde mit einem 30 Mann starkem Team in und um Mönchen-Gladbach.

Wer so früh an Valentin nicht das Bad von schwedischen Ergüssen reinigen musste und auch sonst noch nicht genug hatte ging zur Aftershow in die Ludwigsburger Rockfabrik, dem Stammlokal der inzwischen arg gebeutelten Entdeckungsreisenden. Nach einem unwiederbringlich geilem Tag durfte ich noch am frühen Morgen lernen, das echte Vampire nur bei Elvis entspannen können & mit Putzfrauen verheiratet sind, Frühlingserwachen hier von Laserpointern belichtet wird, Stuttgarter Bordsteinschwalben ihr morgendliches Chill-Out beim Kaffee in der Kneipe gegenüber betreiben… tja & nur energiereiche Valentinstaggeschenke werden von Geschöpfen des Garden Eden ohne Widerrede entgegengenommen!

Ivo Klassmann für GOTHICWORLD

Bandpage: www.atrocity.de
Video-Special: www.napalmrecords.com/atrocityvideo
Das Projekt:www.atlantia.de
Das Studio: www.mastersoundstudio.de