special:

1. MIROQUE–Mittelalter-Festival
08.02.2004 - Duisburg, Pulp

Eine bessere Location hätte man für das erstmalig stattfindende „Miroque“-Festival kaum vorstellen können, bot das Event-Schloss im Herzen Duisburgs doch die passende Kulisse für dieses mittelalterliches Spektakel.

Grob behauene lange Tafeln, schwere Eichenstühle und das rustikale Ambiente eines Schlossgemäuers liessen schnell vergessen, dass das „Pulp“ ein ehemaliges Bahnhofsgebäude war. Basierend auf der Sampler-Reihe, die bereits lange vor dem grossen Mittelalterboom Bands der Mittelalterszene ein Forum bot, bot das Festival neben den musikalischen Darbietungen von CORNIX MALEDICTUM, CULTUS FEROX und SCHELMISCH eine Vielzahl von Verkaufsständen. Neben Met, Räucherwaren oder Trinkhörnern konnte man auch mittelalterliche Gewandungen oder Schwerter erstehen, wobei die Stände den ganzen Abend von stilecht gekleideten Mittelalterfans, Rollenspielern oder Goths umlagert. Doch auch das „normale“ Publikum war zahlreich vertreten und feierte zusammen mit den ca. 750 Zuschauern ein rauschendes Spektakulum, das nach diesem grossen Erfolg im nächsten Jahr seine Wiederholung finden soll.


Den musikalische Auftakt machten CORNIX MALEDICTUM, die als Trio mit ihrer archaischen und brachialen Variante traditionellen Liedguts schnell die Menge auf ihrer Seite hatten. Blickfang und unumschränkter Frauenschwarm der ebenfalls bei Corvus Corax in Lohn und Brot stehende Ardor vom Venushügel, dessen stattliche Sammlung an BHs an Dudelsack und in der Bühnendekoration Zeugnis über seine wohl vielfältigen amorösen Liebesabenteuer ablegten. „Man sagt, wo wir spielen trauern die Engel, indes der Teufel jubelt“ heisst es auf der Homepage der Band. Demzufolge war die Hölle zum Betriebsausflug im „Pulp“ versammelt, um gemeinsam mit CORNIX MALEDICTUM „Ska-tjuscha“ zu tanzen.

CULTUS FEROX selbst bezeichnen sich als die Punks des Mittelalters, und wenn man die vom Heiligen St. Brandanarius, ehemals Corvus Corax und Tanzwut, angeführte Vagandentruppe so agieren sah, liess sich diese Aussage auch kaum wiederlegen. Mit Urgewalt und mächigem Schlagwerk zogen CULTUS FEROX mächtig einem vom Leder, wobei vor allem die Ansagen zwischen den einzelnen Liedern erst des Spielmanns Salz in der Suppe waren. Verwegen nicht nur das Aussehen der Spielmannsleute, verwegen auch der Tanz des Derwischs in Gestalt von Briantanus dem Einsiedler, angefeuert von der lautstark agierenden Menge vor der Bühne. Das Herz ging vollends auf, als zwei exotisch anmutende Schönheiten zu den Klängen CULTUS FEROX ihren Schleiertanz inszenierten. Jede Wette, dass die beiden Schönheiten bei der leider nicht stattgefundenen Jungfrauenversteigerung Höchstpreise erzielt hätten. Vielleicht beim nächsten Mal?


Den musikalischen Reigen beendeten die Rheinländer von SCHELMISCH, die mit der geballten Kraft von fünf Dudelsäcken den Besuchern im wahrsten Sinne die Flötentöne beibrachten. Als besondere Gäste hatten sich SCHELMISCH die Unterstützung des Letzten Einhorns, Sänger von In Extremo, sowie Flex dem Biegsamen (Subway to Sally) gesichert, die zusammen mit den Mannen von SCHELMISCH dem originären Klang des Mittelalters vortrefflich zu interpretieren wussten und neben allerlei derben Sprüchen mit einer zum Schreien komischen RAP-Parodie oder der Strip-Einlage von Luzi, dem L. das „Pulp“ schier zum Ausrasten brachten. Im Gegensatz zu CORNIX MALEDICTUM und CULTUS FEROX ist die Interpretation SCHELMISCHs wahrscheinlich die authentischste des Abends gewesen, wie auch Das Letzte Einhorn anerkennend beipflichten musste. Auch SCHELMISCH liessen es sich nicht nehmen, die anwesende Mannenschar mit dem Tänzchen einer holden Magd zu beglücken und nicht wenige wähnten sich daraufhin wohl bereits im siebten Himmel.

Nach diesem stimmungsvollen Abend ist es schwer sich einzugestehen, dass es ein ganzes Jahr dauern wird, bis sich die fahrenden Spielmannsgesellen wieder im „Pulp“ einfinden werden, um die Duisburger in Tanzwut zu versetzen. Ein toller Abend.


Bericht + Fotos: Michael Kuhlen (OBLIVEON) für GOTHICWORLD