interview:

The Vision BleakTHE VISION BLEAK
Meister des Horrors

Wenn man ehrlich ist, muss man sagen, dass die Verbindung aus Horror und HM ja nicht wirklich neu ist. Erinnert sei nur an Alice Cooper, Death SS, Notre Dame oder auch an Vasaria, die ja nach nur einem Album bei Century Media leider vollkommen in Vergessenheit geraten sind. Was also ist das neue und ungewöhnliche an THE VISION BLEAK, der Band, in der der ehemalige Empyrium-Mastermind Ulf Theodor Schwandorf sein neues und aufregendes Betätigungsfeld gefunden hat und sich zusammen mit seinem Mitstreiter Allen B.Konstanz ausschliesslich den zeitlosen Klassikern des Horror-Genres musikalisch annähert, um ihnen mit einer faszinierenden musikalischen Mischung aus Gothic, Dark Metal und in standesgemässer Atmosphäre – THE VISION BLEAK selbst bezeichnen „The Deathship Has A New Captain“ als Horror Rock - die ihnen gebührende Aufmerksamkeit zu widmen?

The Vision BleakUlf: Viele der von Dir genannten Bands spielen mit dem Grauen als bloßes Image, verwenden Motive des Horros lediglich in ihrem Erscheinungsbild, wobei die Musik, Alice Cooper, leider zum Teil auch Death SS, dem nichts entgegenzusetzen hat. Bei The Vision Bleak geht es vorrangig um die Musik, die sich dem Geist des Horrors widmet und Stimmungen aus Horrorfilm, Literatur und Schauerromantik in die Köpfe der Zuhörer projeziert, das Erscheinungsbild der Band dient lediglich die Stimmungen der Musik zu festigen.

GW: Was macht für euch die Faszination in der Kombination aus HM und Horror aus, zumal ihr ruch mit The Vision Bleak ja in erster Linie den Klassikern des Horror Genres zuwendet?

Ulf: Wir lieben und verehren Horrorfilme und Literatur. Wir lieben guten, dunklen Metal, vor allem der alten schwedischen Schule (Entombed, Carnage...). Wir lieben Horrorsoundtracks speziell alter Universal oder Hammer Filme oder die kongenialen Stimmungen die John Carpenter in seinen Soundtracks erzeugt. Das alles verbinden wir und leben es mit The Vision Bleak aus.

GW: Was gab den Ausschlag sich nach Emyprium mit The Vision Bleak einer neuen musikalischen Herausforderung zu stellen? Die musikalischere Vielseitigkeit, der ihr euch mit The Vision Bleak zugewandt habt, oder die konzeptionelle Arbeitsweise sich dem Thema Horror aus verschiedenen Blickwinkeln anzunähern?

Ulf: Ich war schon immer ein Vertreter und Verehrer konzeptioneller Kunst und Musik. Das wird sich wohl auch solange ich Musik mache, nicht ändern. Es ging mir primär darum ein neues musikalisches Tätigkeitsfeld zu finden, Musik zu machen, wie ich sie vorher noch nicht gemacht habe, die gute alte E-Gitarre wieder umzuschnallen und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Mit Konstanz fand ich dann schließlich den geeigneten Mann neue musikalische wie textliche Konzepte auszuloten.

The Vision BleakGW: The Vision Bleak besitzen – zumindest vorerst – ein Image, das Metal unweigerlich mit Horror verbindet. Besteht dadurch nicht auch die Gefahr, dass ihr euch für die Zukunft selbst beschränkt und auf ein bestimmtes Genre und Image festgelegt seid?

Ulf: Wie gesagt, wir vertreten konzeptionelles Vorgehen und brauchen vielleicht auch diese Beschränkung um das auszudrücken, was wir wirklich ausdrücken wollen. Zudem ist The Vision Bleak keine Image Band, auch wenn das auf den ersten Blick so aussehen mag, sondern mehr ein Gesamtkunstwerk, in dem kein noch so kleiner Aspekt der das Konzept stören könnte, außer acht gelassen wird.

GW: Murnau, Romero und Schreck sind legendäre Namen von Regisseuren des Horror-Genres, denen ihr mit The Vision Bleak Respekt zollt. Wie oben bereits erwähnt Klassiker des Genres. Gibt es auf der anderen Seite auch einen Faible für Splatter- und Gore-Filme wie z.B. „Braindead“?

Ulf: Eher nicht. Ich kann mir „Braindead“ beispielsweise, ein- zweimal anschauen und mich dabei auch amüsieren, aber unsere wirkliche Leidenschaft gilt den stimmungsvollen, dramatischen und theatralischen Horrorfilmen wie z.B. „Wolfman“, „The Plague of the Zombies“, „The Fog“ oder um auch einmal ein modernes Beispiel zu nennen „Sleepy Hollow“...

GW: Der klassiche Horror hat neben dem reinen Horror immer auch ein Augenzwinkern und einen Sinn für’s Humoreske gehabt. Auch diese Tradition scheint ihr mit The Vision Bleak aufzugreifen, wenn ich mir das Presseinfo so ansehe („Das alles ist Grössenwahn“). Wie wichtig ist dieser Aspekt in eurer Arbeit, ohne dabei die Ernsthaftigkeit The Vision Bleaks in Zweifel ziehen zu wollen?

Ulf: Humoresk ist vielleicht der falsche Ausdruck, und mich würde interessieren an welche Filme Du dabei gedacht hast. Natürlich gab es in den späten 60gern recht obskur-humoreske Lee Dracula’s wie „Dracula jagt Minimädchen“, aber die spielen für uns wirklich keine Rolle. Ich verstehe aber, worauf Du hinaus willst und der Ausdruck „Augenzwinkern“ gefällt mir da besser. Es ist das „Augenzwinker“ eines Großvaters der gerade seinem Enkel ein schauriges Märchen vorgelesen hat und auf die Frage des Enkels, ob es denn das alles wirklich gibt, mit einem „Augenzwinkern“ antwortet. Ich denke man spürt auf „The Deathship...“ unsere Begeisterung für die Materie, diese spürbare Euphorie für Tod, Untergang und Grauen birgt natürlich eine gewisse Selbstdistanz zu unseren künstlerischen Alter Egos, die uns zur Ironie befähigt. Auch wenn ich nachdrücklich noch mal unterstreichen möchte das die Ernsthaftigkeit unseres Ausdrucks in keinem Falle davon überschattet wird, denn ich mag wirklich überhaupt keine Spaß Bands. Die bringen immer sehr viel Anbiederung und Opportunismus rüber, was wir überhaupt nicht nötig haben.

The Vision BleakGW: Welche Funktion erfüllen die Passagen, die vom Synchron-Sprecher Christoper Lees eingesprochen werden und auf der mir vorliegenden Promo CD leider noch nicht enthalten waren?

Ulf: Er leitet auf unnachahmliche Art und Weise das Album ein und aus. Die gesprochenen Parts verstärken nochmals nachdrücklich die Stimmung des Albums, zumal man ja mit dieser Stimme sofort Dunkelheit und Horror verbindet.....Du solltest es hören, es ist wirklich großartig geworden!

GW: Zum ersten Mal in Berührung gekommen bin ich mit The Vision Bleak auf dem Wave Gotik Treffen 2002. Warum hat es dann noch fast zwei Jahre gedauert, bis mit „The Deathship…“ nun das erste vollständige Album erscheint?

Ulf: Wir gaben dem Material einfach die Zeit zum Reifen die es verdient. Wir haben seit drei Jahren immer wieder Songs komponiert und aufgenommen, alles wieder verworfen und von neuem begonnen....unzählige Demoversionen der Songs aufgenommen und lange an den Details getüftelt – nur so konnte „The Deathship...“ das große Horror Theater werden, dass es nun in Vollendung ist.

GW: Für eine damals vollkommen unbekannte Band war dieses Konzert in Leipzig ein beachtlicher Erfolg, der sicher unerwartet kam und dazu führte, dass ihr einzelne Songs nochmal spielen musstet. Wie sind eure Erwartungen jetzt, wo Prophecy, euer Label, ja vehement die Werbetrommel rührt und das Debüt gleich in drei verschiedenen Formaten veröffentlicht?

Ulf: Natürlich erwarten wir jetzt, wo wir erst richtig ernst machen, auch gute Resonanzen. Die Presse hat das Album ja überschwänglich angenommen. Wir hoffen den selben Effekt auch bei den Zuhörern, sei es auf CD oder Live auf der Bühne, erzielen zu können. Wir sind allerdings nicht abhängig von den Resonanzen, da wir unsere Sache so oder so durchziehen. Aber es ist schon sehr spannend zu sehen wie die Reaktionen auf ein Album sind wenn man so viel Zeit, Arbeit und Energie hineingesteckt hat.

GW: Wie unterscheiden sich diese drei Veröffentlichungen voneinander? Gibt es, von den Songs mit einem Streichquartett abgesehen, zusätzliche Bonustracks und Unterschiede zwischen CD und Vinyl?

Ulf: Also, die normale Edition wird das ganz normale Album im Jewel Case sein. Die Luxus CD Edition ein wunderbar gestalteter Digi-Pak mit einer Bonus CD, die fünf der auf dem Album enthalten Stücke in klassischen Versionen enthält. Diese Versionen wurden von einem sehr guten Streicherensemble eingespielt und neu interpretiert. Wirklich sehr atmosphärischer Stoff, alt und antiquiert klingend, in der Tradition alter Universal und Hammer Soundtracks. Die Doppel LP enthält das gleich Material wie die CD Luxus Edition, wird aber als Gatefold Sleeve mit schweren Vinyl Platten veröfffentlicht.

The Vision BleakGW: Habt ihr bereits Pläne für eine Live-Show? Das Konzept der Band schreit ja förmlich nach einer exzessiven und dem Image der Band angepassten Live-Show mit Videosequenzen, Theater- und Rollenspiel auf der Bühne.

Ulf: Natürlich gibt es viele Pläne, die meisten scheitern jedoch noch am Budget. Trotzdem bieten wir bereits jetzt dem Publikum mehr als eine normale „Metal – Show“. Es wird viel Nebel geben, der Atmosphäre des Albums angepasste Bühnen Outfits und hoffentlich auch den ein oder anderen Pyro Effekt, was auf den kleinen Bühnen in den Clubs der bald stattfindenden Tour (Ende Februar mit Eisheilig und Elis) allerdings problematisch werden wird. Wir werden definitiv in Zukunft viel an einer aufwendigen, sehr atmosphärischen Live Show arbeiten.


Michael Kuhlen (OBLIVEON) für GothicWorld


THE VISION BLEAK "The Deathship Has A New Captain" - Review

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