CD-REVIEWS:

Unter Knochen    TOTENMOND "Unter Knochen"
CD (Massacre Records)

TotenmondWürden Psychologen heutzutage mehr von angenervten Menschen verstehen, könnte diesen ohne Medikamente viel besser geholfen werden. Schizophrene & Metaler sind gut zu handeln solange man ihnen keine Widerworte gibt. Metal wird das neue Prozac & ist inzwischen auch wieder Zeitgeist. Anders lässt sich wohl auch angestaute Wut nicht wirklich gradlinig gegen die Wand fahren. Wenn irgendwas Ventilfunktion hat, dann diese erbarmungslose Scheibe.

TOTENMOND hatten vor 10 Jahren angefangen mit Punk&Doom-Crossover gegen alle musikalischen Schubladen zu treten. Der Spaß an Punk, Oi & Ska ist inzwischen auf dem Weg von 'Auf dem Mond ein Feuer' bis hierher, schier rausgeknüppelt worden…

Ein wahrlich schauriges ‚Intro'… Lagerfeuer, knackende Holzscheite & sirenenartige Stimmen, nichts für einen abendlichen Waldspaziergang im Vollmond. ‚Unter Knochen' nimmt dieses Thema für 2 Minuten in Slayer-Manier auf & die dann einsetzenden diabolischen Töne schlagen voll in die Magengrube, der Bass drückt mich in den Sitz, man ist nur noch ausgeliefert! Hier sägen die Gitarrensaiten, Metaphern brüllen einem mitten ins Gesicht, es teilt sich die Erde, Glut & Asche quillt mir entgegen bis alles plötzlich anfängt granatenartig los zu dreschen. Bangvergnügen bis es im Nacken knackt liefert ‚Permafrost' & wirft die Frage auf, was schlägt in 4 langen Jahren lustigen Schwabenländlern so viel Grund zum Hass in die Bomberjacke?! Egal, Gastfreundschaft gibt's nicht nur bei bereits Verblichenen & die Ode an das Fleckchen Heimat ‚Hirdraußaischheimad' fällt melodischer, mit einem leicht romantischem Touch aus, ist also auch für das angeblich schwächere Geschlecht geeignet. Ständige Tempiwechsel, aggressives Metalcore-Gehämmer wie Abrissbirnen & ruhigere, fast rockige Passagen erhalten die aufgebaute Spannung über die ganze Scheibe, ja machen 'Eiswalzer' sogar zum feinsten Splitter des Gerippes. Nach getaner Arbeit an der Dampframme gönnen sich die Brüder Pazzer zu ‚Kreuz oder Kopf' einen hörbar kräftigen Schluck aus der Flasche & die letzten kannibalischen Essensreste werden schmatzend heruntergewürgt… doch ja, da ist er wieder,,, Puuuuuunk!!! Als hidden Track kommt nach knapp 13 Minuten Outro ein genüsslich abgefahrenes BAD BRAINS Cover zum Vorschein.

Wer immer noch Schaum vorm Mund & Darmverschlingungen von geschlucktem Frust hat, investiere jetzt Praxis+Rezeptgebühr + 61 Minuten Wartezimmer in diese Therapieform.


Ivo Klassmann für GOTHICWORLD


Tracklist:
01.Intro
02.Unter Knochen
03.Permafrost
04.Zu Gast bei den Toten
05.Hirdraußaischheimad
06.Menschenfresser
07.Leuchtquell
08.Finster Mammut
09.Unkraut
10.Eiswalzer
11.Der Ich-Parasit
12.Kreuz oder Kopf


www.totenmond.de