special:

BLACK EASTER FESTIVAL
Minory, Twilight, Last Lament

10. April 2004, Berlin, Kulturfabrik "Factory"

Im Zillo-Magazin war der als Record-Release Party für das aktuelle LAST LAMENT-Album "Private Hell" gedachte Abend vollmundig als Festival angekündigt worden - wer, wie ich, die Lokalität seit 13 Jahren kennt, wusste jedoch, worauf er sich einließ.

Im ebenerdigen Geschoss der Kulturfabrik gehen der Charme des frühen Industriezeitalters und die düstere Romantik eine nahezu perfekte Symbiose ein. Minimalbeleuchtung, viel Nebel und Überreste alter, verrosteter Rohre bürgen für ein stets gruftiges Ambiente. Eintritt und die Preise für alkoholische Nahrungsergänzungsmittel verdienen das Prädikat sozialverträglich. Neben den drei Berliner Bands wohl der ausschlaggebende Grund für die angenehme Fülle am Ostersamstag. Etwa 130 dunkelbunte Gestalten warteten auf die drei Eier im schwarzen Osterkörbchen.

MinoryMINORY waren mir bis dato absolut kein Begriff und werden meinen Bregen auch nicht allzu lange beschäftigen. Der offensichtlich schon stark angetrunkene Keyboarder der Band gab sich große Mühe mit absolut witz- und geistlosen Bemerkungen das Publikum zu fesseln, bevor er überhaupt die Bühne betreten hatte. Als die sechs Leute von MINORY dann loslegten, zeigte sich, dass seine Stärken nicht im Reden lagen, sein Tastenspiel beherrschte er wirklich virtuos. Als einzige Band des Abends hatten MINORY ein Schlagwerk dabei, die Konzentration lag jedoch auf den beiden Frontmännern, Keyboarder und Sänger. Geboten wurde, nicht weltbewegend aber handwerklich sauber, ein Rundumschlag durch die frühen Achtziger des Gothrocks. Die Stimme des Sängers schaffte es zuweilen deutlich nach Peter Murphy zu klingen. Einzig wirklich geil war dann auch nur die an das Bauhaus-Cover des David Bowie-Klassikers "Ziggy Stardust" erinnernde Version des Gitarre spielenden Ziggy. Hätten die debilen Kommentare zwischen den Songs der Atmosphäre nicht so starken Abbruch getan, hätte es mir vielleicht sogar gefallen können.

TwilightBeinah schon typisch für Konzerte von LAST LAMENT die durchaus gleichberechtigte "Vorband" TWILIGHT. Das Gedränge auf der kleinen Bühne war vorbei, die drei Herren hatten genug Platz sich zu entfalten. Zwei Gitarren, Drums aus dem Rechner und ein Sänger, der seinen Part als aktiver, bewegungsbereiter und charismatischer Frontmann voll ausfüllte. Geboten wurde schöner Goth-Pop, wobei sich die Waagschale oft recht deutlich in Richtung Goth verschob. Beinah durchweg schöne Stücke, denen es an Wiedererkennungswert nicht mangelt. Stimmlich in der Nähe von Dave Gahan bot sich das Cover eines DeMo-Klassikers geradezu an. Das die Gitarren manchmal die elektronischen Klänge dominierten, ist aus meiner Sicht nur von Vorteil. Die Titel waren ohne Ausnahme tanzbar dennoch wurde mehr applaudiert als getanzt. Insgesamt aber auf jeden Fall ein schönes Konzert.

Last LamentNach kurzer Umbaupause deuteten fette Nebelwolken den nahenden Auftritt des "Headliners" LAST LAMENT an. In die graue Suppe hinein die ersten Klänge der Prelude ( just another word for: Intro). Langsam bestiegen Torsten (Gitarre, Gesang), André (Gesang) und Anne (Gitarre, Gesang) die Bühne und nahmen ihre Plätze ein. LAST LAMENT zeigten, wie groß ihre musikalische Bandbreite ist: Zwischen schnellem, tanzbaren Gothrock, gern auch mal vom Drumcomputer bestimmt über düster-poppige Nummern bis zu wunderschönen Anleihen im Neo-Folk. Beeindruckend dabei immer wieder das stimmliche Zusammenspiel von Andrés tiefem Gesang und der sinnlich-traumhaften Stimme von Anne. Sie nehmen sich nichts weg, sie ergänzen einander und geben sich genug Raum ihre jeweiligen Stärken auszuspielen. Wenn in den Gesang die sägend zerrende Gitarre von Torsten fährt ist die Dichte der Musik regelrecht körperlich spürbar. Die Samples vom Band sind immer sorgfältig gewählt und was einem Rechner an Spontanität fehlt wird durch verspielte Sequenzen ausgeglichen: mal klingt leise ein Glöckchen, mal passt ein Sprachsample ("Beginnen wir mit dem Exorzismus!") ideal. LAST LAMENTs Set umfasste 18 Stücke und bot einen guten Querschnitt aus ihrem bisherigen Schaffen. Besonders beeindruckend das "Tears of god"-Solo von Anne, das folkig schöne "Iceflowers" und die Wucht von "Burning", vom aktuellen Album.

Da sich die Bands wohl abgesprochen hatten jeweils eine Coverversion zum Besten zu geben, ließen sich auch LAST LAMENT nicht lumpen. Immer wieder gern gehört ihre Version des Sisters of Mercy-Klassikers "Alice". Gesanglich und musikalisch führten LAST LAMENT die Zuhörer mit dem letzten Titel der zweiten Zugabe "Train to nowhere" noch einmal zum Gipfel des Genusses. Und wie immer, wenn es am Schönsten ist, wird aufgehört. LAST LAMENT haben erneut gezeigt, dass sie aufgrund ihrer musikalischen Bandbreite und der feinen Abstimmung untereinander weit abwechslungsreicher und interessanter sind als viele andere Gruppen. Unbestritten waren sie an diesem Abend die beste Band.

Nach einem kleinen Plausch mit der Band und gut gefüllt mit Osterwasser ging es dann heim, schließlich stand am Ostersonntag ein Mittelaltermarkt mit CORNIX MALEDICTUM an.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Playlist (Last Lament)
Pharmadise
Age of Light
Secret Garden
Alone
Tears of God
Pain
Iceflowers
Frozen Body
Poison
Burning
Nothing but Living
Autumn
Lament
Fallen Angel 03
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Weihnachtslied
Alice
Phoenix
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Train

Review "Private Hell"


www.last-lament.com