CD-REVIEWS:

Schlaraffenland    ADARO "Schlaraffenland"
CD (Tempus Fugit / SPV)

AdaroEinst stellten die Barden fest, dass man die brachialen Elemente mittelalterlicher Musik hervorragend mit den Attitüden moderner Rockklänge mischen kann. So verließen sie mit ihren authentischen, selbstgebastelten Instrumenten die Mittelaltermärkte und Volksfeste und hielten Einzug in Plattenstudios, auf Tanzflächen und Clubbühnen.

Seit dem sind viele Jahre ins Land gegangen, die Namen derer die einst diesen Trend lostraten sind viele und wie so oft, endet die Geschichte (leider) recht inflationär. Denn inzwischen bekommt jeder Depp der halbwegs gleichzeitig einen Dudelsack, eine E-Gitarre und einen Synthesizer halten und dann noch spielen kann, einen Plattenvertrag. Innovation vermisst man auf diesem Weg schon lange. Kaum einer schafft es den Geist der frühen Tage noch einmal herauf zu beschwören, weil es eben nicht mehr besonders originell ist, die garantiert, echten Mittelalterklänge mit Rockgitarren oder Synthies aufzubrezeln.

Was mich am neuesten Output aus dieser musikalischen Flut aber am meisten stört ist nicht das schon "tausendmal gehört" Syndrom. Es ist die Attitüde die mich verdammt an alte und gleichermaßen unselige DDR Zeiten erinnert. Hier versucht man dem drohenden Wiederholungs- und damit verbundenen Ermüdungseffekt dergestalt auszuweichen, in dem man dem ganzen eine gehörige Portion Liedermacher, Progrock ja fast schon Artrock, aufsetzt. Und das klingt verdammt nach der angestrengten Litanei eines OKTOBERKLUBS, oder dem seltsamen Gehabe von Liedermachern, die jedem ihre Gesangsausbildung zertifiziert unter die Nase halten müssen und jetzt eben mal einen auf Rocker machen wollen. Verkrampft, angestrengt und durch die Inflation bedingt verdammt wenig originell erscheint das "Schlaraffenland" der Mädels und Buben um ADARO.

Mühe gegeben haben sie sich ja, mit den Erklärungen zu den einzelnen, natürlich originalen, Texten und ihr Handwerk verstehen sie mit Sicherheit auch. Ich aber möchte ausrufen: "Herr erbarme dich meiner und verschone mich mit einer weiteren ganz aufgeregt neuen CD die ach so kreativ Mittelalter mit Rock/Pop kombiniert." Oder besser noch, ein Burgherr sein, der immerhin die Alternative hatte, die Barden nicht nur nicht zu entlohnen, sondern ihnen bei Missfallen einfach nur die Rübe abschlagen zu lassen. Tut mir leid. Ich verschließe meine Ohren. Und hört auf den armen Fisch zu erwürgen!

Thomas Sabottka für THE GOTHICWORLD


Tracklist:
01 - Schlaraffenland
02 - Wer alten Weibern traut
03 - Nu ruh mit Sorgen
04 - Lieg still
05 - Herr, wer hat sie begossen (mit der Milche und dem Blute?)
06 - Es ist ein Schnee gefallen
07 - Minne ist ein süßer Nam
08 - Komm her zu mir
09 - Der Edelfalk (Es ist nit alle Liebe verloren)
10- Wohl dem Leibe
11 - Frau, du sollst unvergessen sein
12 - Psalm XIII


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