CD-REVIEWS:

Divinity    ALTARIA "Divinity"
CD (Metal Heaven)

AltariaIch bin ja bekanntlich bekennender Anhänger des finnischen Liedergutes und somit freut es mich auch immer wieder, wenn ich ein neues Werk aus dem Land der Sagen und Legenden auf den Tisch bekomme. Wenn man dabei bedenkt, dass Finnland ein Land mit niedriger Bevölkerungsdichte ist und gleichzeitig aber eine sehr hohe Selbstmordrate vorzuweisen hat, bekommt man das Gefühl, dass einen dort entweder nur die Musik oder der Alkohol am Leben erhält.

ALTARIA wurde im Jahre 2000 von den ehemaligen BLINDSIDE- Mitgliedern Tony Smedjebacka (Bass) und Marko Pukkila (Drums) gegründet und ihr 2003 veröffentlichtes Debüt "Invitation" schlug in ihrem Heimatland ein wie eine Bombe. Mit "Divinity" versucht die mittlerweile zum Quartett geschrumpfte Combo nun am Erfolg des Vorgängers anzuknüpfen. Nach dem Ausstieg von Sänger Jouni Nikula übernimmt seitdem Taage Laiho (Ex- KILPI) den Part am Mikro. Auch der zweite Gitarrist Emppu Vuorinen verabschiedete sich, um sich mehr um seine Hauptband NIGHTWISH zu kümmern.

Auf Ihrem neuen Werk präsentieren die Finnen klangvollen Melodic Metal, der teilweise schon etwas poppig gestaltet ist und ab und an fühle ich mich ein klein bisschen an EUROPE erinnert. Insgesamt ist der Sound ziemlich charttauglich gehalten und tendiert in die Richtung "King Of Fools" von EDGUY oder bekommt bei den flotteren Stücken auch mal einen Touch von STRATOVARIUS. Der Opener "Unchain The Rain" entpuppt sich schnell als Ohrwurm, mit eingängigem Refrain und ordentlich treibenden Gitarrenlines, während der zweite "Will To Live" eher im Mid- Tempo gehalten ist, wie eigentlich die meisten Stücke auf dem Album. Was bei den nachfolgenden Songs immer wieder ins Gehör fällt sind die etwas nostalgischen, fast kitschigen Keyboardeinlagen und Mitsingrefrains, die einfach diesen 80er Jahre Heavy Rock Pop Charakter unterstreichen. Wenn man auch zugeben muss, dass die Stimme von Taage Laiho sehr kraftvoll rüberkommt und das Ganze mit den gekonnten Gitarrensolos dadurch doch ziemlich hörbar und eingängig macht. "Darkened Highlights" fängt ähnlich an wie ein MEGADEATH- Klassiker, allerdings nur für ungefähr 25 Sekunden, danach bekommt man wieder poppiges Keyboard auf die Ohren und so manches Mal wünscht man sich ALTARIA würden nicht ständig den Fuß vom Gaspedal nehmen, sondern einfach weiter ordentlich in die Saiten hauen. Irgendwie fehlt mir hier hin und wieder das Tüpfelchen auf dem "I", welches mich dazu bringen würde, vom Sofa zu springen und mir die Klamotten vom Leib zu reißen. "Falling Again" ist zum Beispiel so ein Song, der einen wachrüttelt und auch "Divine" bringt die nötige Portion Power mit, die einen aufhorchen lässt. Man fühlt sich versucht zu rufen "Ja Jungs, macht weiter so". Stattdessen wird man danach mit einer Ballade in der Machart AXEL RUDI PELL zum mitsummen eingeladen oder mit Synthies à la "The Final Countdown" ausgebremst. Alles in allem ja nun auch wirklich nicht schlecht, nur wenn die Jungs einfach öfter dieses Terrain verlassen würden und lieber wie bei "Stain On The Switchblade" ordentlich die Schwarte krachen lassen, wäre ich auch bereit in die dazugehörige Ekstase zu geraten, so aber sind es nur ein paar entzückte Seufzer.

Die Platte hat definitiv ihre Momente, keine Frage! Wer also mehr den klassischen melodischen Metal mit all seinen Brandbreiten bevorzugt und es auch schlicht weg einfach mal softiger mag, wird seine Freude an diesem Album haben. Man muss ja auch nicht ständig die Matte kreisen lassen, sondern kann sich zwischendurch auch mal entspannt zurücklehnen und relaxen. Finnland: 8 Points!


Mariska Krüssel für GOTHICWORLD


Tracks:
01 - Unchain The Rain
02 - Will To Live
03 - Prophet Of Pestilence
04 - Darkened Highlight
05 - Discovery
06 - Falling Again
07 - Divine
08 - Haven
09 - Try To Remember
10 - Stain On The Switchblade
11 - Enemy
12 - Final Warning


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