special:
AND ONE / STATEMACHINE "AGGRESSOR-TOUR 2004" - 21.04.2004 KUZ, Mainz
Devoted people, want you the total Entertainment? Mit dieser
Strategiefrage zogen Steve Naghavi & seine Krieger in Richtung Rhein. Die
Chancen für einen Blitzkrieg standen furchtbar schlecht, hatte sich die
Offensive doch aus Verletzungsgründen um ganze 3 Monate verzögert.
Auch die letzte Sammlung elektronischer Schlachtrufe fand nicht den rechten
Anklang bei den Verbündeten
Pünktlich 21 Uhr startete der Angriff mit leichtem
Kriegsgerät & Kundschaftern aus Schweden. STATEMACHINE, in
Deutschland bisher bestens getarnt, betraten die Bühne & zogen nur
spärlich Aufmerksamkeit auf sich. Die proppevolle Arena war noch mit dem
auffüllen von Vorräten für den Hauptschlag beschäftigt
& hatte in der Mehrzahl die Hoheitszeichen von AND ONE auf der
Brust. Die Zurückhaltung legte sich aber bereits nach den ersten 2 Songs,
hörte man doch dass diese 3 sehr smarten Aufklärer ihr Handwerk aufs
Beste verstanden & sich locker an Electro-Pop Acts wie Mesh &
Camouflage messen lassen können. Schnelle, leichte Beute machte
Sänger Mårten Kellerman beim hohen Amazonen-Anteil im Publikum durch
die ständige Signalisierung sich diesem zu ergeben. Kein Wunder das sie
reihenweise Ehrungen wie gerade den Scandinavian Alternative Music Award am
einheimsen
& gerade wollten sie uns noch bittersüß
The last legal drug' andrehen, da änderten sie die Marschrichtung
und eroberten mit der rockigen Stones-Cover-Nummer Paint it black' auch
den letzten Rest vom Saal. Negative feedback' war der letzte Song ihrer
Attacke & selbiges bekamen sie keineswegs zurück! Short and
explosive' trifft die knappen 40 Minuten inhaltlich ganz genau.
Die halbe
Bühne immer noch schwarz verhangen & von 2 fiesen gelben Strahlern
sowie peinlichem Liedgut von Rick Astley & Co. gequält, erwartete das
Publikum über eine halbe Stunde seinen Feldherren. Nichts deutete auf
einen Umbau oder gar das Erscheinen der Pop-Armee hin, Unmut wurde hör-
& spürbar
da gingen plötzlich die letzten Lichter aus &
Gerhard Schröder himself übte sich in einer knapp 5 Minuten lange
Rede ans Volk in seiner neue Rolle als Feldmarschall & Vaterlandsverheizer!
Für Kriegsverletzte, Ausgeblutete & gar tote Kinder sorgen unsere
Soldaten
natürlich wollen wir in diesen Krieg & werden alles in
unserer Macht stehende dafür leisten! Nein, hier imitierte nicht der
Steuersong-Clown
Originalton Wolfs(burg)schanze! Ob es sich um die erste
Fassung einer Bundestagsrede oder um ein gekonntes Sampling handelte war dem
teilweise pikierten Publikum schnell einerlei - der Vorhang fiel!
Schneeweiße Bühne, Plexiglas-Rampe in der Mitte & als
Hintergrund die Insignien der Berliner Brigade in 6 überdimensionalen
plastischen Lettern. Steve sagte in charismatischer Pose nur "vor 4 Jahren habe
ich versprochen das wir wiederkommen & hier sind wir"
dazu eine
äußerst perfekte Beleuchtung & frenetischer Applaus beim Opener
Krieger'. So muss es aussehen wenn eines Tages der NATO-Sandkasten in
einem Casino von Las Vegas aufgestellt wird oder legendäre alte Depeche
Mode Konzerte vom DVD-Player aus die Magie von Gestern vermitteln
simpel
hammergeile Einnahmetaktik!
Neben dem
Reservisten Chris Ruiz stand an der 2ten Stalinorgel der neu zum Dienst
verpflichtete Gio van Oli bereit. Von den Partisanen in den Bergen muss sich
Steve wohl seine Art von Nahkampf-Taktik abgeschaut haben
es war ein
ständiger Wechsel zwischen alten & neuen Songs, Synthiepop & EBM.
Das tanzwütige & sehr textsichere Publikum lies sich davon nicht
verwirren. Steve schlug mit dem Metalhammer' auf den neuen
Fernsehapparat' & jeder im Saal meinte dennoch Uns geht's
gut'
geriet gar angesichts der coolen Showeinlagen in Ekstase &
wollte sich auf der Bühne entblößen. Doch selbst blitzschnelle
Security & Midtempo-Nummern wie Driving with my Darling' &
Sternradio' sorgten nicht für Abkühlung. In Recover you'
wurde auch den alten Helden DAF besondere Ehre durchs einmixen von Der
Räuber & der Prinz' erwiesen & fast jeder im Saal dachte wohl bei
"ich liebe diesen Prinz" nur an Steve. Der versprühte Charme mit typisch
schwul -soldatisch Witz, feuerte die Meute immer wieder heftig an &
hinterließ nur noch Tote Tulpen'. Mit einer Fly on the
windscreen' ist der Spähwagen auch bei voller Fahrt noch Steuerbar'
& süffisant wurde hinterher festgestellt: Sind wir nicht alle ein
bisschen Depeche Mode?!
Die Antwort lautete einstimmig JA & als Wasted' konnte man
ihre erneute Huldigung an Depeche Mode nicht bezeichnen
als
Personal Jesus' schien sich der kleine Bühnendiktator schon seit
längerem zu fühlen. Das sollte es für den geplanten Erstschlag
auch schon gewesen sein
Aufgrund der notwendigen 10 Minuten lautstarker
Zugabe-Hilferufe nehme ich arge Erschöpfungserscheinungen nach der langen
Bühneabstinenz bei der Band an. Sie ließen sich dennoch erweichen,
starteten mit Strafbomber' erneut in die heiße Phase & von
jetzt ab lautete die Parole Take some more'! Alle ein bisschen Get
you closer' & dann Schluss mit lustig & "jetzt reicht's mit
Weiber-Electro, harte Männer brauchen harte Rhythmen
"
verkündete ein 'Techno-Man' & lies den Panzermensch' als letzte
Waffen gegen das Publikum wieder auferstehen. Der wurde pogend (kein Scherz)
& unter langem Applaus angenommen & läutete die Kapitulation ein.
Steve bescheinigte dankend dem Mainzer Publikum eins
der geilsten Konzerte überhaupt & beim Gehen bleibt dann nur noch
diese eine Frage: Warum habt ihr dieses Konzert nicht für eine Live-CD
mitgeschnitten??? Na ja, vielleicht haben wir ja Glück & die Herren
aus Pullach/Berlin sind immer noch aktiv hinter Steve her. Bootleg-CD's against
Staatsschuldenberg
;)
Bericht + Fotos:
Ivo Klassmann für
GOTHICWORLD
AND ONE Labelpage STATEMACHINE www.statemachine.com
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