interview:

ESCAPE WITH ROMEO
"Ab und an wünschte ich mir, dass manche Dinge im normalen Leben auch so reibungslos ablaufen würden, wie auf Tour..."

Escape With RomeoAlso wenn wir schon eine Tour präsentieren, ist ein Konzertbesuch natürlich Pflicht und im Falle von ESCAPE WITH ROMEO ergab sich obendrein sogar ein Interview mit Mastermind Thomas Elbern.

GW: Ihr habt euch 1989 gegründet und blickt jetzt somit schon auf mittlerweile 15 Jahre Bandgeschichte zurück. Gab es irgendwann mal einen Zeitpunkt, wo Du keine Lust mehr hattest und vielleicht ans Aufhören gedacht hast?

Thomas: Ja, mehrere sogar. Die gibt es auch immer wieder, diese Momente. Aber eigentlich ist das auch ganz gut, denn es ist ein gewisser Aspekt der Selbstbestimmung. Man muss sich immer wieder fragen, was ist mir die Musik eigentlich wert und was bin ich bereit dafür zu geben? Wir haben von der Musik nie großartig leben können, aber auf der anderen Seite hat man sich auch eine Art Familie aufgebaut. Die Musik verbindet uns, das ist der Hauptaspekt und auf Tour sind wir ein eingespieltes Team. Das ist eine Sache die einen auch im persönlichen Leben weiter bringt, weil man weiß, dass man sich auf den Anderen 100%ig verlassen kann. Ab und an wünschte ich mir, dass manche Dinge im normalen Leben auch so reibungslos ablaufen würden, wie auf Tour. Ich habe wirklich schon oft ans Aufhören gedacht, denn es gab einige Momente wo wir einfach nicht erfolgreich genug gewesen sind oder man musikalisch stagnierte und man sich zwangsläufig gefragt hat, ob sich die ganze Arbeit überhaupt noch lohnt. Alles in allem gab es viele wirklich schwierige Zeiten, aber wir haben überlebt.

GW: Was war für dich das größte Highlight in den 15 Jahren mit EWR?

Thomas: Das größte Highlight steht uns eigentlich noch bevor, denn wir planen irgendwann eine große Tour durch Südamerika, speziell durch Mexiko. Ansonsten waren die Konzerte in Spanien immer wieder ein besonderes Highlight. Unser DVD- Konzert in Köln Anfang Dezember letzten Jahres zähle ich auch definitiv dazu, denn da hat wirklich alles von vorne bis hinten gestimmt.

Escape With RomeoGW: Und das negativste Erlebnis?

Thomas: Kein spezielles. Aber es gab Zeiten, da haben wir vor zehn Zuschauern gespielt oder einmal sogar nur vor zwei. Das ist alles schon passiert, oder man ist auf Tour und die Hälfte der Band wird auf einmal krank. Die ersten Konzerte im Osten waren absolut desillusionierend. Die Leute standen da wie Salzsäulen und haben sich nicht bewegt, das war schon frustrierend. Dann hatte ich ein Erlebnis auf meiner ELBERN- Tour, wo wir in Hamburg gespielt haben. Da waren insgesamt fünf zahlende Gäste da, von denen drei zur späteren Stunde besoffen auf der Bühne standen und Autogramme haben wollten. Das war der Hammer. Ganz am Anfang unserer Karriere sind viele gekommen und haben zu mir gesagt: "Ey, du bist doch der Thomas Elbern von Grafitti!" Unheimlich viele von den älteren Leuten assoziieren mich immer noch mit der Radiosendung "Grafitti", obwohl es die schon lange nicht mehr gibt. Einige kamen nur wegen dem singenden Radiomoderator zu unseren Konzerten. Also das sind so Sachen, die einen immer tierisch genervt haben.

GW: Euer neues Album ist jetzt seit gut einem Monat auf dem Markt. Gewidmet ist es Tigger, der ein sehr guter Freund von dir gewesen ist und letztes Jahr gestorben ist. Dann hattest du noch einen sehr schweren Verkehrsunfall im letzten Jahr, bei dem dir zum Glück nichts passiert ist. Daher wahrscheinlich der Titel "Psalms Of Survival" für das Album?

Thomas: Definitiv! Es ist auch noch viel mehr passiert. Die Produktion des Albums fiel auch gerade in eine Zeit wo gar nichts mehr ging. Ich konnte nicht mehr schreiben und komponieren. Als dann endlich der Knoten platzte, war es wie eine Befreiung für mich. So entstand mehr oder weniger die Beschreibung der Situation in der ich mich befand. Der Song, der diese Phase am meisten dokumentiert ist "Chaos And You". Es ist eine Liebesgeschichte, die sehr extrem ist und die vielen Höhen und Tiefen widerspiegelt, die ich auch erlebt habe. Das Hauptmotiv auf dem Cover ist diese riesige Welle und das Dorf symbolisiert eigentlich den Menschen. Diese riesige Welle knallt auf das Dorf und nichts wird hinterher so sein, wie es einmal war. Der Song zu der Welle ist "Overcome". Es war wirklich eine sehr schwierige Zeit für mich und das drückt sich natürlich auch über die Musik aus.

Escape With RomeoGW: Das hört man auf jeden Fall und ich denke, dass "Psalms Of Survival" das bis jetzt emotionalste und melancholischste Album von EWR geworden ist. Es ist zwar immer noch typisch EWR, doch irgendwie auch anders als die Alben davor.

Thomas: Ja, das stimmt und hoffentlich mache ich nicht noch einmal so ein Album, denn das würde ich nicht überleben.

GW: Seit einiger Zeit macht Ihr komplett alles selber, eigenes Studio, Produktion, Vertrieb etc. und habt Euch in der Hinsicht auch sehr unabhängig gemacht. Was war der Auslöser hierfür zu sagen, wir nehmen das alles selbst in die Hand?

Thomas: Der Hauptgrund war, dass der damalige Vertrag mit der Plattenfirma auslief. Wir hatten Lust weiter Musik zu machen, wollten aber diese blöden Typen aus der Musikbranche nicht mehr um uns haben. Die meisten Leute, die in dem Bereich tätig sind bieten Services an, die man auch selber machen kann. Es gibt einige Sachen, die ich mir nach wie vor vom Hals halte, z.b. das Booking. Aber ich sage es ganz ehrlich, ich hasse diese Situation wenn das Album fertig ist. Du hast dein ganzes Herzblut da rein gelegt und dann ist das Artwork fertig und man hat die CD in der Hand. Dann geht nämlich der Andere Aspekt los und wenn du selber Plattenfirma bist, dann hast du auf einmal die ganzen Magazine am Telefon. Heutzutage läuft da meistens nur noch Anzeige gegen Artikel und das hasse ich. Da wird mittlerweile mit ganz harten Bandagen gekämpft. Das ist die sehr unschöne Seite des Business, die man so natürlich zwangsläufig hautnah mitbekommt.

Escape With RomeoGW: : Ihr habt ja auch alle noch einen Beruf. Deiner hat sowieso mit Musik zu tun, denn du arbeitest schon seit Jahren beim Radio. Potti ist Arzt. Wie bekommt man Beruf und Musik unter einen Hut, z. B. wenn man auf Tour geht? Brauch man da nicht einen sehr flexiblen und toleranten Arbeitgeber?

Thomas: Das ist schon sehr schwierig. Unser Bassist und unser Schlagzeuger kommen beide aus München. Potti ist Kinderarzt und hat bald eine eigene Praxis. Das heißt, jeder musste sich was die Tour betrifft eigentlich selber vorbereiten und das erste Mal richtig zusammen gespielt haben wir daher erst beim Soundcheck für unseren ersten Gig. Man braucht schon einen sehr flexiblen Arbeitgeber und man muss sehr an die Sache denken und glauben, denn man investiert schon eine Menge Zeit. Andererseits wirst du natürlich auch dafür belohnt. Es gibt so Gigs wie letztens in Essen, wo wir mit Sicherheit auch noch in zehn Jahren spielen können und die Leute glücklich machen. Die gehen dann nach dem Konzert nach Hause und schreiben sofort in unser Gästebuch, dass Sie den schönsten Tag des Jahres erlebt haben.

GW: Wie funktioniert dann Eure Zusammenarbeit bei einem neuen Album?

Thomas: Sehr viel über das Internet. Wir tauschen Files über E-Mail aus und was die Produktion eines Albums betrifft, treffen wir uns dann in München. Ansonsten wie gesagt läuft alles übers Netz und Telefon. Wir sind halt nicht die klassische Band, die ständig aufeinander hockt. Obwohl ich mir so kurz vor einer Tour doch manchmal wünschen würde, dass man zumindest mal eine Woche vorher zusammen proben könnte.

GW: Du hast gerade schon mal die Radiosendung "Grafitti" angesprochen, die Du jahrelang moderiert hast. Für mich war das immer so ein Highlight der Woche, denn es gab damals ja nicht viele Independentsendungen, sei es im Radio oder im TV. Wie siehst du deine Arbeit beim Radio heute? Bist Du jetzt mehr eingeengt?

Thomas: Ich weiß was es heißt Vorgaben zu haben, weil ich die Arbeit bei "Eins Live" kenne. Bei meiner Arbeit beim "Deutschland Radio" habe ich mir persönlich wieder so eine Insel ergattert, wo ich sehr frei Musik zusammenstellen kann. Das Problem ist aber heute eigentlich nicht mehr das freie Musik zusammenstellen, sondern das Besorgen der CDs. Denn du verschwindest ganz schnell wieder von den Promolisten der Plattenfirmen, wenn die den Sender nicht kennen oder Ihn als nicht erfolgreich genug einstufen. Du hast heutzutage nicht mehr die Wahnsinns Auswahl zwischen den großen Produktionen von WARNER, BMG, EMI, sondern heute hast du zur Auswahl eine Ska Band aus Süddeutschland, eine Independent Band aus New York, eine Gitarrenband aus Kroatien und eine Rapband aus Köln- Kalk. Aus dem Material baut man sich dann halt eine Sendung zusammen. Früher war das noch anders, da hatte man noch eine riesige Auswahl, aber in dem Moment wo man für die Plattenfirmen nicht mehr als interessant genug eingestuft wird, bekommst du halt auch keine Platten mehr und musst dich dann praktisch selber auf die Suche machen, was ich persönlich aber auch ganz gut finde.

GW: Ihr habt ja vor ein paar Tagen in Leeds auf einem Festival gespielt und gleichzeitig war es auch da erste Mal, dass ihr überhaupt in England aufgetreten seid. Wie war für Euch das Festival insbesondere die Resonanz der Bands und des Publikums?

Thomas: Sehr anstrengend. Leider hatte mich genau zu dem Zeitpunkt ein Virus erwischt, so dass ich zeitweise flach lag. Ansonsten war es ein sehr interessantes Festival, mit vielen englischen und amerikanischen Bands, die alle aus dem Gothic Bereich waren. Dazu muss man sagen, das in England der Gothic Bereich ein vollkommen anderer, wie in Deutschland ist. Wenn der Veranstalter" DJ De´Ath" abends bei der Clubnacht auflegt, dann spielt der BAUHAUS oder irgendwelche Punkstücke und nicht wie hier nur Future Pop, womit ich jetzt nicht sagen will, dass die Musik schlecht ist. Es gibt in dem Bereich auch gute Stücke, aber mich nervt diese Art von Musik mittlerweile ganz schön an. Das Festival an sich war jetzt noch nicht so, wie das WGT in Leipzig. Dazu hätten einfach noch mehr Leute da sein müssen und insgesamt müsste die Organisation einfach noch besser werden. Toll war das Verhältnis der Bands untereinander, denn es gab überhaupt kein Konkurenzdenken. Zu unserem Auftritt kann ich nur sagen, dass wir an dem Abend einfach nicht besonders gut gewesen sind und daher auch nicht zufrieden waren.

GW: Werdet Ihr dieses Jahr auch noch Konzerte in Spanien geben? Ihr habt sehr viele Fans dort, woran liegt das?

Thomas: Auf jeden Fall, wahrscheinlich im September, der Termin steht aber noch nicht hundertprozentig fest. Der Trend geht eindeutig mehr in Richtung Ausland bei uns. 1993 haben wir das erste Mal durch Spanien getourt. Unsere damalige Plattenfirma hatte die Idee Platten von uns auch in Spanien zu veröffentlichen und das hat eingeschlagen wie eine Bombe. Man muss dazu sagen, das diese Art von Musik die wir machen, in Spanien unheimlich angesagt ist. "Somebody" war seinerzeit in Spanien ein Hit wie hier im Vergleich "Temple Of Love" von SISTERS OF MERCY", also schon so was wie ein Mega Hit.

GW: Was mich wundert ist, dass Ihr dieses Jahr nicht auf dem WGT in Leipzig vertreten seid. Die letzten Jahre habt ihr jedes Mal dort gespielt.

Thomas: Dieses Jahr werden wir dort nicht mit EWR auftreten. Nicht weil wir nicht wollen, sondern einfach weil die Festivalleitung uns dies Jahr nicht gefragt hat. Wahrscheinlich genau aus dem Grund, weil wir die letzten Jahre immer dabei waren. Es ist sowieso sehr schwierig geworden mit den Festivals, obwohl ich sagen muss, beim WGT geht es noch. Aber gerade andere Festivals legen halt mehr Wert auf große Namen und da ist mittlerweile eine richtige Politik im Gange. Kleine und unbekannte Bands bleiben da immer öfter auf der Strecke. Jede Band, so wie wir auch, möchte natürlich auf solchen Festivals spielen, aber es wird immer schwieriger.

GW: Stimmt es eigentlich, dass gerade die kleineren Bands für ihre Auftritte zahlen müssen. Wir hatten diese Diskussion letztens noch im Forum unserer Seite, gerade im Bezug auf das WGT?

Thomas: Ich persönlich habe es noch nicht gehört, aber ich halte das für durchaus denkbar. In Amerika zahlst du als kleine und unbekannte Band generell auf solchen Festivals. Insofern würde mich das hier auch nicht wundern, wenn die Bands auf dem eigentlich wichtigsten Festival der Szene auch dafür zahlen müssen, aber ich glaube, dass das Geld in dem Fall auch nicht unbedingt schlecht angelegt wäre. Ich habe zum Beispiel zugesehen, dass wir zumindest auf dem Sampler immer vertreten waren, denn der geht in alle möglichen Länder und ich möchte gerne das die Leute in Kroatien, Litauen, Chile oder Peru zumindest einen Track von uns kennen und zu Hause haben.

GW: Im letzten Jahr bist du dort auch erstmals wieder mit Pink Turns Blue aufgetreten, von denen Du Dich ja vor 15 Jahren getrennt hattest. Im Mai wird es ein Konzert in Bochum geben, auf dem MERA LUNA und WGT werdet Ihr auch dabei sein und ein neues Album ist in Planung. Warum auf einmal "Back to the Roots"?

Thomas: Also die eigentliche Geschichte war, der Geschäftsfrüher vom WGT hat mich angerufen und sagte: "Mensch, Ihr gehört zu meinen Lieblingsbands und ich hätte ich Euch gerne wieder zusammen auf dem WGT". Das ist dann so ähnlich, wie als ob Johannes Rau anruft, denn der Thomas Görnert hat schon einen gewissen Namen in der Szene. Das Problem war für mich eigentlich immer der Mic, der Sänger von PINK TURNS BLUE. Aber der ist ja nun auch älter geworden und hat mittlerweile seinen Job in der Musikindustrie bei SONY MUSIC. Wir haben uns dann einfach mal zusammengesetzt und ich muss auch dazu sagen, dass ich die Stücke von PTB immer sehr gemocht habe, auch als ich schon nicht mehr dabei war. Aber ich hatte immer im Hinterkopf, da fehlt einfach was, nämlich meine Gitarre. Mic kann zwar gut Gitarre spielen, aber ich spiele einfach besser, he he. Ich habe damals ein bisschen darunter gelitten, als im mich von der Band getrennt hatte und die dann auch richtig erfolgreich wurden. Für mich ist das jetzt wirklich schön, noch einmal die alten Songs von PTB zu spielen, mit der Art von Gitarre, die dort eigentlich immer gefehlt hat. Das ist jetzt erst mal der Ausgangspunkt. Wie sich das jetzt weiterhin entwickelt und wie neue Songs aussehen werden, dass muss man erst mal sehen. Meine Hauptband wird auf jeden Fall immer EWR bleiben.

GW: Man bekommt so das Gefühl, das Du ein totaler Workaholic bist. Du hattest ja schon mehrere Sideprojekts, wie "Close Encounters" und auch dein Soloprojekt "Elbern". Eine Band alleine scheint Dir ja nicht zu reichen.

Thomas: CLOSE ENCOUNTERS habe ich damals eigentlich nur gemacht um Stella zu puschen. Ich arbeite einfach gerne mit Ihr zusammen. Sie ist eine klasse Sängerin und ich greife immer wieder auf sie zurück, wenn es um die Backing- Vocals für unsere CDs geht. Ich konnte die Arbeit für CLOSE ENCOUNTERS damals perfekt mit EWR verbinden und es gibt nichts was ich lieber tue und auch nichts was ich besser kann, als Musik zu machen.

Escape With RomeoGW: Dein Soloalbum "Kalt und Elektrisch" war das bis jetzt einzige deutschsprachige Projekt von dir. Wird es in der Richtung noch mal etwas Neues von Dir geben?

Thomas: Ich überlege schon länger ein zweites Soloalbum herauszubringen. Aber das wird nicht genau wie "Kalt und Elektrisch" werden, sondern viel minimalistischer und ich würde gerne so richtig abgefahrene Texte machen. Zurzeit höre ich sehr viel Campus Radio in Köln und da kommen dann plötzlich so Sachen wie VERANDA MUCIC, die so ein altes Hamburger Mundartstück neu Interpretieren. Oder manche Rapstücke, wo ich denke, das ist schon wieder so schräg, dass es geil ist. Das gilt es dann erst mal wieder zu Toppen. Ich habe eigentlich schon viel Material zusammen, viele deutsche Texte, die ich dunklen Stunden niedergekritzelt habe, die nur darauf warten auf vertont zu werden.

GW: Auf der "Kalt und Elektrisch" gab es den Song "Schnitterlied" der ja heute noch viel in Clubs gespielt wird und auch ein Cover eines ZARAH LEANDER Songs " Der Wind hat mir ein Lied erzählt" zu dem du auch ein Video gedreht hast in einer Kölner Transvestitenbar. Wurde es eigentlich jemals im TV ausgestrahlt?

Thomas: Vielleicht wird es ja irgendwann einmal bei "Schattenreich TV" gesendet, wenn meine angebetete Medusa es mal spielt, he he. Die war übrigens gestern auch bei unserem Konzert und ich mag sie wirklich gerne. Wenn es überhaupt einmal im Fernsehen laufen sollte, dann wohl dort, denn die haben mittlerweile ihr eigenes Format, allerdings jetzt ja erst mal auf Eis gelegt. ONXY-TV gibt es ja auch bald nicht mehr.

GW: einzige Video das ich von EWR kenne, ist "Somebody". Sonst habt ihr wohl nicht so viel Wert auf Videos gelegt, oder?

Thomas: Ehrlich gesagt hatte ich nie große Lust ein Video zu drehen, einmal wegen der Kosten und dann muss ich zugeben, ist mir auch nie was Passendes eingefallen. Wir haben jetzt aber jemanden, der die ganze DVD Geschichte betreut und da muss ich sagen, ist wirklich tolles Material entstanden.

GW: DVD wird ja Ende des Jahres auf den Markt kommen. Was wird da speziell drauf enthalten sein?

Thomas: Der Hauptteil wird wie schon gesagt das Konzert in Köln sein. Die anderen Menüpunkte werden wahrscheinlich Backstage Material sein und wir planen vielleicht noch ein gefilmtes Interview. Zusätzlich überlegen wir noch so was in der Art wie "Ein Tag mit Elbern" zu machen und natürlich wird das legendäre Video von "Somebody" auch drauf sein.

Escape With RomeoGW: Schön. Gibt es eigentlich etwas was du unbedingt noch mal machen möchtest, irgendwelche Träume, wie z. B. ein bestimmter Ort, wo du mal spielen möchtest, oder ein bestimmter Musiker mit dem du gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Thomas: Traum wäre im "Angkor Wat" in Kambodscha zu spielen, das ist der Wahnsinn. Das habe ich mir angeguckt als ich dort Urlaub gemacht habe. Musiker mit denen ich gerne zusammenarbeiten würde, gibt es eigentlich viele, hauptsächlich Vokalisten. Einige englische Bands, die ich immer schon mochte oder auch neue interessante Bands aus England mit denen ich was zusammen machen möchte. Eigentlich findet vieles meiner Träume in England statt, weil ich da auch ziemlich sozialisiert bin, was die englische Musik angeht.

GW: Und welche Bands haben dich speziell damals musikalisch beeinflusst?

Thomas: BAUHAUS, KILLING JOKE, JOY DIVISION, später dann PIXIES oder auch irgendwelche Trance Acts, meist eher unbekannte Bands aus den USA, die nur eine Platte herausgebracht haben oder so ganz düsteres und morbides Zeug wie G.G.F.H..

GW: Und zum Abschluss noch die Frage: Was hörst du so zurzeit? Welche CD läuft bei dir im Player?

Thomas: Im Moment gerade BOY ROBOT "Glamorizing Corporate Lifestyle". Glaub mal nicht, dass du zu Hause bei mir auch nur eine Gothic CD im Regal findest. Ich höre fast gar nichts aus dem Bereich, weil vieles ermüdend und langweilig für mich ist. Am liebsten höre ich stimmungsvolle Electronic und Trip Hop, das ist für mich eigentlich der neue Gothic.

GW: , Ihr müsste gleich auf die Bühne, vielen Dank für das Interview und viel Glück für den Rest der Tour. Noch irgendwelche letzten Worte?

Thomas: Hmmm, ähm, nö. Besser nicht. Wählt grün nicht schwarz, oder so! Kleiner Scherz! Tschüß!

Mariska Krüssel für GothicWorld


ESCAPE WITH ROMEO / BOYSOX
17.04.04 - Schüttorf "Komplex"

BoysoxWo immer auch ESCAPE WITH ROMEO im Emsland oder in der Grafschaft auftreten, sind auch meist die vier Jungs von BOYSOX nicht weit. Da die beiden Bands nun schon eine langjährige Freundschaft verbindet, fungieren unsere Lokal Matadore aus Lingen immer wieder gerne als Support für EWR, wenn diese in deren heimatlichen Gefilden zu Gast sind. BOYSOX feierten vor zwei Jahren Ihr zwanzigjähriges Jubiläum und konnten somit an diesem Abend Ihre besten Songs aus zwei Jahrzehnten Ihres Daseins dem Publikum präsentieren. Musikalisch passen die beiden Bands auch wie Faust aufs Auge, da Ihre Wurzeln unumstritten im Wave Bereich anzusiedeln sind und so hatte der Abend zeitweise etwas Nostalgisches an sich. Da ich noch einen Interviewtermin mit Thomas Elbern hatte, konnte ich Ihren Auftritt nicht von Anfang an verfolgen. Aber sie brachten Songs wie "Waiting" und "Wasting My Time" und hatten sogar noch einen neuen Titel im Gepäck.

Escape With RomeoDas Schüttorfer Jugendzentrum war leider nicht besonders gut besucht an diesem Tag und als ESCAPE WITH ROMEO die Bühne betraten, tummelten sich vielleicht 80 - 100 Zuschauer im Saal. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch und als die ersten Klänge von "Rattle In Our Cages" erschallten, wusste man, hier sind wahre Fans anwesend. So wurde bei den nachfolgenden Stücken "Black River" und "It´s Lonliness" der Platz vor der Bühne zum Tanzen ausgenutzt. Das Widerrum nahmen dann gleich drei Mädchen, die nicht mehr Herr ihrer eigenen Sinne waren, zum Anlass sich kreischend vor Thomas zu positionieren, was von ihm grinsend kommentiert wurde. Leider hielt deren Ausdauer nur ein paar Songs an. Danach verschwanden die Drei, um sich wahrscheinlich draußen an der frischen Luft einen Wettbewerb im Übergeben zu liefern. Tja Mädels, lieber Finger weg von Alko- Pops und anderen Drogen. "Somebody" kam an diesem Abend schon erstaunlich früh, wurde aber dafür auch in einer zehnminütigen Variation dargeboten. Wer bis dato noch nicht von Thomas Elberns fingerfertigen Qualitäten am Saiteninstrument wusste, bekam hier die Möglichkeit sich eindrucksvoll davon zu überzeugen. Der Mann spielt auch mit dem Rücken auf dem Boden liegend und so wurde der Song eigentlich mehr zur Session ausgedehnt, an der wirklich alle Ihren Spaß hatten.

Escape With RomeoDanach wurde es mit der Akustikversion von "Refuge" ruhig und stimmungsvoll. Insgesamt zwei EP´s mit Akustikversionen Ihrer Songs haben EWR bereits veröffentlicht und vor zwei Jahren kam ich schon mal in den Genuss eines solchen Auftrittes von Thomas und Potti, bei dem Sie nur diese Songs spielten. Wirklich sehens- und hörenswert, kann ich dazu nur sagen. Wer ESCAPE WITH ROMEO noch nicht live erlebt hat, sollte dies schnellstens nachholen. Denn wer mal einem Konzert beiwohnen möchte, wo nicht nur stumpf die Songs wie auf CD runtergespielt werden, der ist hier genau richtig. An diesem Abend wurde ein guter Mix aus 15 Jahren Bandgeschichte und 8 Alben dargeboten, wobei man natürlich das eine oder andere Lied noch gerne gehört hätte, aber dann hätten Sie wohl die ganze Nacht spielen müssen. Nach "Anteroom For Your Love" und dem melancholischem "Teargas Baby" kam dann auch der Song, auf den ich schon den ganzen Abend gewartet hatte, nämlich "White Room". Neben "Somebody" und "Helicopters In The Falling Rain", (der heute Abend leider nicht gespielt wurde), einer der ersten Songs von EWR und somit ein Klassiker, ja man könnte schon fast Oldie sagen.

Escape With RomeoIch habe nicht auf die Uhr geschaut, aber ich denke es war eine fast 15- minütige Version, mit vielen Gitarreneinlagen. Einfach schön, was soll man mehr sagen und als danach die Jungs die Bühne verließen, war der Beifall groß und berechtigt. Den lauten Rufen nach Zugabe wurde natürlich nachgekommen. Aber auch mit "Godz Look Down On Us" und dem Coverstück "Skeletons" von THE SOUND gaben sich die Fans nicht zufrieden und somit musste das Quartett erneut auf die Bühne und noch zwei Songs zum Besten geben.

Nach fast zwei Stunden Spielzeit war dann endgültig Schluss und auch wenn Thomas mit dem Auftritt nicht ganz so zufrieden war, muss ich doch sagen, es war ein gelungenes Konzert, auch wenn ein paar mehr Zuschauer nicht geschadet hätten. Auf meine Frage warum Sie nie "Music Is Dead" live spielen, antwortete Thomas nur ganz trocken: "Den können wir nicht bringen, der hat einfach eine zu finale Aussage." Tja, so werde ich wohl nie in den Genuss einer Live Interpretation dieses Stückes kommen. Schade eigentlich!


Mariska Krüssel für GothicWorld


Setlist:
Rattle In Our Cages
Black River
It´s Lonliness
If Seeing Is Believing
Darknesstaker
Chemical Peace
Somebody
Refuge
Dance With A Stranger
Alaska
Prince In The Shell
Anteroom For Your Love
Teargas Baby
White Room
---------------------------
Godz Look Down On Us
Skeletons
+
Escape With Romeo
Addiction


Zum CD-Review "Psalms Of Survival"

www.escapewithromeo.de