interview:

LEAVE'S EYES
"Den Kummer in Liebe ertränken ..."

Leave’s Eyes„Lovelorn“, der Name des Debüts von Liv Kristines neuer Band Leave’s Eyes klingt wie Poesie, doch vor Liebeskummer zu vergehen ist ein emotioneller Zustand, den jeder von uns schon einmal durcherlebt und durchlitten hat und der wenig wirklich Poetisches in sich trägt. Ganz im Gegensatz zur Musik von Leave’s Eyes, die, verglichen mit dem letzten Album Theatre of Tragedys, das elektronisch unterkühlt und distanziert klang, tiefgreifende Emotionen und tragische Elemente in sich trägt und eine Rückkehr zu den Gothic Metal Tagen der Norwegerin markiert.

Leave’s EyesTragik und Glück liegen bei „Lovelorn“, einem Konzeptalbum – dazu später mehr im Verlauf des Interviews - dicht beieinander. Doch ein Wechslbad der Gefühle hat auch Liv Kristine in den letzten zwölf Monaten erleben müssen, denn dem Rausschmiss bei Theatre of Tragedy unter merkwürdigen und für Liv nach wie vor ungeklärten Umständen folgte das private Glück, zunächst in Gestalt der Hochzeit mit Atrocity Frontmann Alex Krull und wenige Monate später in Form der Geburt ihres Sohnes Leon, zu der auch an dieser Stelle von uns noch einmal herzlich gratuliert sei. Neben der Verantwortung für das eigene Leben kommt nun die Verantwortung für die Familie und den eigenen Nachwuchs hinzu, der zumeist einen tiefen Einschnitt in das Leben darstellt und vor allem einem viel beschäftigten Musikerehepaar wie Alex Krull und Liv Espenaes-Krull neue Prioritäten aufzeigt, wobei das junge Familienglück in der seltenen Lage ist, sich gemeinsam rund um die Uhr um den Nachwuchs zu kümmern, so dass dieser Einschnitt gar nicht als so hart empfunden wird.


Leave’s EyesLiv: Wir machen weiter so wie früher.
beantwortet Liv diese Frage dann auch gleich offen und ehrlich.

Liv: Ich kann halt tagsüber nicht mehr soviel erledigen. Früher bin ich morgens um sieben aufgestanden und um zwölf ins Bett, halt das volle Programm eben, aber jetzt muss ich mich nach Leon richten. Ich muss sehen wann er Hunger hat und dass er seinen Spass hat. Es macht einen Riesenspass und das Schöne ist, dass wir tagsüber zu dritt sein dürfen. Das können die meisten Familen nicht. Der Kleine sieht beide Eltern den ganzen Tag über und ich bin echt froh, dass wir uns so arrangieren.

GW: Was sich hoffentlich auch zukünftig nicht ändern wird, ist das Leben eines Musikers doch zumeist unstet und gerade finanziell nicht eben wirklich abgesichert.

Liv: Das ist richtig. Hoffen wir, dass es weiter so läuft.


GW: Um ein Thema kommt man bei einem Interview mit Liv Kristine nicht herum, die plötzliche und für alle unerwartete Trennung Theatre of Tragedys von ihrer ehemaligen Sängerin, die vor allem für letztere vollkommen unvermittelt kam und deren wahre Beweggründe von Seiten ihrer ex-Musiker Liv bis heute nicht mitgeteilt wurden. Liv, liest man ihre bisherigen Aussagen zu diesem Thema, scheint hier um eine neutrale Darstellung bemüht. Hat sich diese Trennung aber nicht doch in irgendeiner Form angedeutet?

Liv: Ich habe überhaupt nichts von den Jungs gehört, dass sie mit irgendwas unzufrieden gewesen wären. Ich bin eines Abends auf die Homepage gegangen und habe dort gelesen, dass sie sich von mir getrennt hätten. Und das war’s dann. Seitdem habe ich nichts gehört. Es gab keine Vorwarnungen, und danach auch keine Gespräche. Es ist einfach ganz schnell passiert. Ichwar am Anfang natürlich sehr enttäuscht, vor allem darüber, dass sie es in der Form gemacht haben. Wir kennen und arbeiten seit zehn Jahren zusammen und ich denke, wenn sie mit mir unzufrieden gewesen wären, hätten sie es mir auch sagen können. Ich hätte das bestimmt ändern können, aber da kam einfach nichts und deswegen war ich sehr überrascht und natürlich enttäuscht. Das hat sich aber schnell gelegt. Wenn man das Positive daraus zieht, dann habe ich jetzt mehr Zeit für die Familie und ich kann jetzt mit Leave’s Eyes weitermachen. Leave’s Eyes war ja so eine Idee, die ich schon seit längerer Zeit hatte, die ich aber nicht so richtig durchführen konnte, weil Theatre seit zehn Jahren halt die erste Stelle in meinem völlig verplanten Zeitplan einnahmen. Also dachte ich „steh auf Mädchen, dann machst du halt mit Leave’s Eyes weiter“.

Leave’s EyesGW: Die menschliche Enttäuschung ob der zerbrochenen Freundschaften und all der gemeinsamen Erfolge, die man während dieser langen Zeit feiern konnte, wiegt dennoch schwer, vor allem, weil die Gründe bis zum heutigen Tage nicht offen ausgesprchen wurden und immer noch ungeklärt im Raum stehen.

Liv: Ja, ich weiss auch nicht. Das wäre so, als ob Nightwish sich von Tarja trennen würden. Vielleicht möchten sie in eine ganz andere Richtung gehen, wo sie mich nicht mehr brauchen. Das kann auch sein. Ich weiss wirklich nicht den Grund, warum sie sich von mir getrennt haben.

GW: Nicht selten verwandelt sich solch eine herbe Enttäuschung nach einer ersten Zeit der Trauer in Wut und eine Trotzhaltung, um es – bewusst oder unbewusst - den ex-Musikern noch einmal zu zeigen.

Liv: Irgendwann kommt die Trotzhaltung, ja das stimmt. Es hat so eine Woche gedauert. Am ersten Abend flossen schon die Tränen und ich dachte „das kann doch nicht wahr sein“. Für mich war ja auch die Freundschaft sehr wichtig, und deswegen kann ich es einfach nicht nachvollziehen, warum sie es von ihrer Seite aus einfach so hingeschmissen haben. Aber gut, das war ihre Entscheidung und so nach einer Woche dachte ich „steh auf, es geht weiter“.

GW: Musikalisch, und da mag vielleicht auch einer der Gründe und die Ursache für die Trennung liegen, bewegt Liv sich mit Leave’s Eyes wieder zurück zu ihren musikalischen Wurzeln. So klingt Leave’s Eyes Debüt „Lovelorn“ sehr nach dem Album, das die Fans vielleicht als Nachfolger von „ Aegis“ erwartet hätten.

Liv: Als sich die Band entschieden hat, mit „Musique“ in eine neue musikalische Richtung zu gehen, da war das für mich völlig okay. Ich fand es gut, dass die Band sich entwickelt hat. Ich persönlich bin mit Metal aufgewachsen und diese Musik liegt mir mehr am Herzen, als elektronischer Metal. Linkin Park, die ja auch elektronische Elemente in ihrer Musik haben, gehören zwar jetzt auch zu meinen Lieblingsbands, aber ich bin mit Black Sabbath aufgewachsen, die klassische Elemente in ihrer Musik gehabt haben und die für mich eine besondere Bedeutung haben. Ich wusste, dass die Jungs von Atrocity in der Lage sind, Musik in diese Richtung zu machen, also war das der erste Gedanke zu fragen, ob sie nicht mit mir zusammen eine Band gründen wollten. Die Chemie zwischen uns stimmt auf jeden Fall, und ich denke, es hat gut geklappt. Da wird nicht viel gesprochen, sondern einfach komponiert und produziert, und das funktioniert einfach.

GW: Dennoch muss es im ersten Moment doch eine ungewohnte Situation gewesen sein nun mit neuen Musikern zu arbeiten und neue Songs zu schreiben.

Liv: Das ging wirklich sofort reibungslos. Ich war zu der Zeit gerade dabei meine Magisterarbeit in Anglistik abzuschliessen und habe dann so überlegt, was ich nun mit meinem ganzen Wissen mache. Ich schreibe sehr gerne und dann dachte, dass ich mal versuche ein Konzept zu schreiben. Ich habe die Geschichte dann den Jungs gezeigt, die das auch sehr schön fanden und sich dann sofort hingesetzt haben Musik zu schreiben. Mir war sehr wichtig, dass die Emotionen, die im Konzept zu finden sind, auch durch die Musik reflektiert werden, dass der Hörer das Emotionale mitbekommt, und das haben die Jungs sofort begriffen. Wir hatten zum Schluss fünfzehn Lieder, von denen jetzt zehn auf der Platte und eins auf der Maxi sind. Die anderen sind vielleicht auf der nächsten Platte, wenn wir sie dann immer noch so gut finden. Wir werden sie dann mit neuen Songs für die nächste Platte vergleichen, für die wir bereits auch schon fast fünf neue Songs fertig haben.

Leave’s EyesGW: Doch jetzt steht zunächst die Veröffentlichung von „Lovelorn“ und die ersten Auftritte in dieser neuen Bandkonstellation auf dem Programm, denen Liv bereits freudig entgegenfiebert und die aufgrund der neuen Arbeitsweise den Schmerz über den Rausschmiss bei Theatre of Tragedy vergessen lassen.

Liv: Wenn mir irgendwas Spass macht, dann geht’s schnell, und so geht es den Jungs auch. Wir haben wirklich Spass an der Arbeit und für mich ist es sehr schön, bei der ganzen Produktion von A-Z dabei zu sein. Mit Theatre war es ja anders. Da wurden mp3’s hin und her geschickt, was eigentlich gut funktioniert hat. Nachdem die Demos dann fertig waren, haben wir uns irgendwo in der Welt in einem Studio getroffen und das ganze eingespielt. Das hat auch funktioniert, aber es ist doch schön, immer dabei sein zu dürfen. Man kann halt doch mehr Einfluss nehmen.

GW: „Lovelorn“ ist ein Konzeptalbum, basierend auf der Geschichte eines jungen Mannes, der seine Freundin durch Ertrinken im Meer verloren hat und nun, getrieben von Liebe, Sehnsucht und Verzweiflung, den Lockungen einer Meerjungfrau nicht widerstehen kann und ebenfalls den Freitod in den eisigen Fluten des Meeres sucht. Ein tragischer oder doch eher ein glücklicher Ausgang dieser Geschichte?

Liv: Ich habe mich da noch nicht entscheiden können, ob es traurig oder gut ist. Es gibt beide Möglichkeiten. Die Idee für diese Geschichte kommt auf jeden Fall aus der norwegischen Natur und der norwegischen Küstenlandschaft. Welche Märchenfigur passt zum Meer? Das Meer ist für mich wie eine grosse Liebe, also bin ich auf die Meerjungfrau gekommen. Vielleicht wäre ich selbst gern so frei, einfach so im tiefen Meer schwimmen zu können. Das ist für mich, wenn man das so sagen kann, wie ein Traum, der natürlich nicht in Erfüllung gehen kann. Manchmal wünscht man sich aber von dem ganzen Stress im Alltag weg und da wäre so was vielleicht ideal. Wenn man so was buchen könnte … aber wir leben in der Nähe von Stuttgart, da geht mit Meer gar nix. (lacht).

GW: Das Konzept ist sehr bestimmt vom Meer und von der rauen und ursprünglichen Natur ihrer Heimat Norwegen, fast so, als ob sich dieses Konzept auch mit dem Gefühl von Heimweh verbindet.

Liv: Ja, sicher. Ich habe ja die Möglichkeit, zwei-, dreimal im Jahr nach Hause zu gehen und da bleibe ich dann meist auch drei bis vier Wochen um Kraft zu tanken. Wenn ich ein halbes Jahr nicht oben gewesen bin, dann bekomme ich richtig Heimweh. Ich habe dann das Gefühl, weil hier kein Meer in der Nähe ist, dass es keinen Ausweg gibt. Die Luft ist anders, aber hier im Süden ist es auch wunderschön. Wir wohnen in einem Haus direkt am Wald und das ist fantastisch. Hier fühlt sich auch ein Landei wohl. (lacht) Ich fühle mich aber sehr, sehr wohl, und ich kann mich immer noch nicht entscheiden, welches Zuhause nun mehr mein Zuhause ist. Beides ist für mich gleich.

Leave’s EyesGW: Wie definiert Liv dann für sich den Begriff der Heimat? Vor allem dann, wenn man gerade eine eigene Familie gegründet hat, treten die Wurzeln und familiären Bindungen an das eigene Elternhaus und die eigene Herkunft in den Hintergrund und man definiert den Begriff der Heimat doch ganz anders.

Liv: Man sieht das dann anders, das ist richtig. Ich habe zwei Heimate, aber ich muss ab und zu nach Norwegen fliegen und frische Luft tanken. Nach drei, vier Wochen möchte ich dann aber auch wieder nach Süddeutschland zurück. Ich werde aber auf jeden Fall versuchen unserem Sohn auch den Norden zu zeigen, damit er weiss, da er auch dort seine Wurzeln hat.

GW: Deutschen wird häufig Fremdenfeindlichkeit nachgesagt. Nun lebt Liv schon seit Jahren als Ausländer in Deutschland, wo sich die positive Erlebnisse im täglich Erlebten leider auch mit den negativen Erfahrungen vermischen und den Vorwurf eines latenten Hang zur Fremdenfeindlichkeit nicht wirklich zu entkräften vermögen.

Liv:
Wenn ich beim Ausländeramt anrufe und sage, dass mein Namen Espenaes ist, dann dauert es immer lange, bis ich die richtige Person erreiche. Wenn ich aber Frau Krull sage, dann gibt es überhaupt keine Probleme und alles geht zack zack. Da gibt es schon einen Unterschied. Ich habe es auch an der Uni Stuttgart zu spüren bekommen. Beim Examen wurde mir dann gesagt, dass ich überhaupt froh sein könne, zum Examen zugelassen zu werden, weil die meisten Ausländer es ohnehin nicht schaffen würden. Das hat sich für mich so angehört, dass man in Germanistik keine Eins bekommen kann, wenn man Ausländer ist. Aber die Uni Stuttgart ist dafür bekannt, dass sie etwas konservativer ist. Im täglichen Umgang mit den Menschen gab es nie Probleme, und ich muss ehrlich sagen, dass ich, weil ich aus Skandinavien komme, auch viele Vorteile habe. Viele Deutsche machen dort gerne Urlaub und es ist ein schönes Gefühl, wenn man in der S-Bahn gefragt wird, wo man denn dort am besten hinfahren kann, nachdem die Leute während eines Gesprächs mit meiner Schwester registriert haben, wo ich herkomme.

GW: Geboren in Norwegen und mit einem Wohnsitz in Deutschland, aufgrund der Tourneen viele fremde Länder bereist und fremde Kulturen kennengelernt: Liv Kristine kann von sich mit Fug und Recht behaupten, ein internationales Leben zu führen, für den die Frage der Nationalität sicher zweitrangig ist, so dass sie sich, wenn überhaupt, wohl am ehesten als Europäerin fühlen müsste.

Liv: Schwer zu sagen. Ich habe ja auch noch dänisches Blut von meiner Mütter mütterlicherseits. Es hängt von der Situation ab. Wenn ich in Norwegen bin, denke ich immer „Gott, bin ich deutsch geworden“, und wenn ich hier bin denke ich manchmal, dass die Norweger es halt alles etwas anders machen.

GW: Das geht allerdings noch nicht so weit, dass Livs Freundeskreis irgendwelche Veränderungen in Richtung den uns Deutschen so häufig nachgesagten Tugenden festgestellt hätten, sobald sie in Norwegen zu Besuch ist.

Liv: Nein, das denke ich nicht. Die ersten zwei, drei Tage wird etwas gemeckert, weil ich da so komisch rede, was ich natürlich nicht so empfinde, aber nach einer Woche beherrsche ich den Dialekt dann wieder perfekt und das war’s dann.

GW: Mit der zehnjährigen Erfahrung als Musiker mit all seinen Höhen und Tiefen, all seinen Erfolgen und Schattenseiten, stellt sich die Frage, ob Liv ihrem Sprössling Leon zu einer Karriere als Musiker raten würde.

Liv: Er soll seinen Weg alleine finden. Wir werden ihn auch nicht taufen, denn ich denke, das soll er selbst entscheiden. Alex und ich sind Vegetarier und wenn er mal nach Hause kommt und gerne ein Schnitzel essen möchte, dann darf er natürlich auch ein Schnitzel essen. So lange ich aber noch für seine Ernährung verantwortlich bin gibt’s bei uns kein Fleisch.

GW: Zurückkommend auf „Lovelorn“, so wurde das Album unter dem Eindruck von Livs Schwangerschaft geschrieben und produziert, und hört man sich das Ergebnis intensiv an, so scheint es, als ob diese ganz deutlich ihre Spuren auf dem Album hinterlassen hat.

Liv: Auf jeden Fall. Es geht nicht alles nur durch die Ohren, sondern auch durch den Bauch (lacht). Man nimmt alles viel stärker wahr und man wird viel sensibler. Es war eine sehr, sehr schöne Schwangerschaft und ich hatte überhaupt keine Probleme, nicht mal Übelkeit. Ich habe erst im dritten Monat gemerkt, dass ich schwanger bin, als der Bauch ganz einfach gewachsen ist. Ich konnte die Produktion von „Lovelorn“ somit richtig geniessen und habe mit dem Gesang gewartet, bis ich im neunten Monat war, weil ich mich sehr fit gefühlt habe und bis bis zwei Stunden vor der Geburt noch den letzten Ton eingesungen. Dann ging es geschwind nach Hause, die Tasche packen und ab ins Krankenhaus. Ich hatte das Gefühl, ich hätte zwei Kinder bekommen: die Platte und Leon.

GW: Zur Single „Into Your Light“ wurde im Düsseldorfer Apollo-Theater ein Video gedreht, in dem Liv sich in drei verschiedenen Rollen präsentiert. Alles Facetten ihrer Persönlichkeit, oder reine Dramaturgie?

Liv: Man sieht mich als Vamp, als Diva und als verträumter Engel. Und da sehe ich mich eigentlich auch. Gedreht haben wir in Düsseldorf aufgrund der schönen Atmosphäre. Wir wollten unbedingt etwas in Rot haben. Zuerst wollten wir vielleicht nach Norwegen fliegen und dort an einem Fjord drehen, aber das wäre zu kalt und zu teuer geworden. Also haben wir nach einer Indoor-Location gesucht und sind dann in Düsseldorf gelandet.

GW: Der erste Live-Auftritt von Leave’s Eyes findet im Rahmen des Wave Gotik Treffens in Leipzig statt, doch trotz des grossen Forums, auf dem sich die Band hier zum ersten Mal präsentieren wird, ist von Nervosität nichts zu spüren. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Liv: Das Wave Gotik Treffen ist unser Livedebüt, und ich glaube die Freude, mit Leave’s Eyes zum ersten Mal vor solch einem grossen Publikum aufzutreten ist grösser, als die Nervosität. Meine Nervosität habe ich eigentlich nach der ersten Tour mit Theatre so richtig in den Griff bekommen. Ich denke nicht, dass Nervosität etwas schlechtes ist, aber es kann manchmal einfach zu viel werden und dann leidet die Show darunter. Das passiert bei mir nicht mehr. Ich freue mich einfach nur noch.

Leave’s EyesGW: Theatre of Tragedy waren, zusammen mit The Gathering oder The 3rd and the Mortal eine der ersten Bands, die Gothic Metal mit Frauengesang vermischt und danach unzählige Nachahmer gefunden hat. Sieht Liv sich hier in einer Position, die Bands wie Nightwish oder Within Temptation und deren immensen Erfolge überhaupt erst möglich gemacht hat?

Liv: Ja, ich denke schon. Der Grundgedannke bei Theatre of Tragedy war eigentlich der, dass ich als Backgroundsängerin antrete. Die Leute bei den Plattenfirmen haben dann gefragt, warum ich nicht mehr singe, weil das doch etwas besonderes wäre. Das haben wir dann gemacht und anfangs waren die Reaktionen darauf sehr geteilt. „Engelsgesang hat im Metal nichts zu suchen“ und „zu Doom und Gothic Metal gehört unbedingt Männergesang“, doch dann irgendwann wuchs die Akzeptanz für Frauengesang. Und da denke ich schon, dass wir für andere Bands vielleicht Türen geöffnet haben. Ich muss aber auch sagen, dass Nightwish für mich wieder eine Türe geöffnet haben, indem Tarja klassischen Gesang und Opern singt. Das war auch immer so ein Gedanke, den ich gerne gemacht hätte, mich aber nicht getraut habe. Als Nightwish dann mit ihrer ersten Platte rauskamen habe ich nur gedacht „Wow, die haben’s gemacht“.

GW: Abschliessend möchte ich mich hier ausdrücklich bei Liv für dieses tolle Interview bedanken. Musiker, die einem auf so sympathische Art und Weise so offen und ehrlich Rede und Antwort stehen, findet man leider nur sehr selten. Vielen Dank.


Michael Kuhlen (OBLIVEON) für GothicWorld


LEAVE'S EYES aktuelle Single "Into The Light"

www.leaveseyes.de