CD-REVIEWS:

Progressive Darkness    MOONLYGHT "Progressive Darkness"
CD (Escapi New Media)

Es ist schon erstaunlich, welche Kombinationen von grundsätzlich verschiedenen Musikrichtungen kombiniert werden können. Genau das machen MOONLYGHT auf ihrem Album "Progressive Darkness" aber erstaunlich gut. Hat man sich gerade eben auf Folkmusic und mittelalterliche Klänge eingestimmt, so tönt gleich darauf ganz überraschend eine geballte Ladung melodic Death Metal durch die Boxen, während die Songtitel wiederum von einer Cradle Of Filth CD stammen könnten. Vielleicht muss man aus einem unkonventionellen Land wie Kanada kommen, um sich vom allgemeinen Trend abzuheben. Die fünf Jungs (Roby - Guitar, Vocals, Caps - Drums, Fred - Guitars, Davey -Bass und Theo - Keyboards) kommen aus Quebec und setzen neben den bereits genannten Instrumenten auch schon mal geschickt ein Akkordeon oder eine Violine ein.

MoonlyghtDas erste Stück des Albums, "Fantasy", beginnt bereits sehr unkonventionell mit mittelalterlichem Gesang, bevor es sich dann durch melodiöse Gitarrenriffs und bösartige Vocals in eine echt gute Death Metal Nummer verwandelt. Bereits hier zeigt sich, was MOONLYGHT unter ‚genre-übergreifender' Musik verstehen. "The Sceptic Traveller" bietet einen eingängigen Chorus, durchbrochen von Death Metal Gesang wie bei den Children of Bodom oder Norther. Eine wunderbar melodisch gezupfte Akustikgitarre als Background, in Kombination mit einem E-Gitarren Solo trägt hier zu der enormen Abwechslungsreichheit des Songs bei.

Bei "Ride On Ice Storms", meiner Meinung nach neben "Progressive Darkness" das beste Stück auf dem Album, zeigen die Jungs von MOONLIGHT, dass sie auch ordentlich Dampf machen können. Eine perfekt gespielte Doublebass in Kombination mit harten Riffs und einer ganz schön bösartigen Stimme von Roby werden mit den Tönen von mittelalterlichen Flöten gepaart und daraus entsteht eine überaus bemerkenswerte Komposition. Das vierte Lied "A Tale From A Fantastic Kingdom" erinnert teilweise mit seinen Fantasyansätzen von der Musik her an DIO, während die Stimme von Sebastien Robitaille hier teilweise an Dani Filth erinnert. Auch hier werden wieder melodische Parts mit Folkmusic nach Clannad-Manier eingefügt.

Bis auf "From Honour To Nothingness" sind alle Stücke des Albums mindestens 7 Minuten lang, was sich aber keineswegs in Langeweile niederschlägt. Im Gegenteil, die 7 Titel sind extrem ausgereifte und gut arrangierte Kompositionen, die den Hörer mit jedem Stück neugieriger werden lassen auf das, was noch kommen mag. Der Titeltrack "Progressive Darkness" mit immerhin über 11 Minuten Länge beginnt sanft mit Violinen und zeigt nochmals die Stimmvielfalt des MOOLYGHT Sängers, unterlegt mit weiblichem Gesang durch die Gastmusikerin Jessica Bell. Einen eingefleischten Death Metal Fan mögen die Folkelemente stören und einen Folkmusic Fan wohl die Death Metal Passagen, aber gerade diese neuartige Kombination macht den Charme und die Besonderheit dieser Scheibe aus.

Die 5 Jungs selbst sind auch an sich schon sehr unterschiedlich, betrachtet man die Fotos im durchaus gelungenen Booklet zur CD. Es scheint als hätte man die individuelle Art jedes Bandmitglieds hier auch auf die Musik übertragen. Die Idee, solche verschiedenen Musikrichtungen miteinander zu vereinen, wird sicher von den Fans honoriert werden, findet man doch leider allzu wenig eigen ständige Bands. Was MOONLYGHT hier vollbracht haben könnte man durchaus einen ganz neuen Musikstil nennen. Einen Namen dafür zu finden dürfte aber schwer fallen, es sei denn man kann sich vielleicht mit "Melodic Dark Folk Metal" anfreunden.


Ursula Kohl für GOTHICWORLD


Tracks:
01 - Fantasy
02 - The Sceptic Traveller
03 - Ride On Ice Storms
04 - A Tale From A Fantastic Kingdom
05 - The Autumn's Freezing Harmony
06 - From Honour To Nothingness
07 - Progressive Darkness


www.moonlyght.ca