CD-REVIEWS:

Nemo    NIGHTWISH "Nemo"
CDS (Nuclear Blast)
     
Once   "Once"
CD (Spinefarm / Nuclear Blast)

NightwishSolch opulente Output-Vielfalt lässt "Niemand" (genau das heißt ‚Nemo' & nix mit Disney-Aquarium…) an ebensolchen Charts-Platzierungen zweifeln. Die Vorabsingle gibt's gleich in 4 verschieden Versionen & zieht das Geld wie ein Sog aus den Taschen der Fans. Bei der DVD & der mir vorliegenden Digipak-Version lohnt es sich wegen des Videos. Die Geschichte wird hier grandios im Stile eines "Van Helsing-Trailers" dargestellt. Der Titeltrack selbst steht in der Tradition von Evanescence oder den neueren Oomph- & Within Temptation-Releases … NIGHTWISH's Einzigartigkeit weicht einem Midtempo-Rock-Epos für die Massen. Gut gemacht, zwingend schönes Piano-Intro, aber halt anders als erwartet. Den Kopfnickern unter den Tarja-Liebhabern wird die ‚Orchestral Version' wohl noch weniger zusagen - doch ist es das mit Abstand Beste was man aus diesem Song (mit Hilfe des London Session Orchestra) rausholen konnte & momentan zu Kerzenschein hören kann! Der Nonalbum-Tarack ‚Live to tell the Tale' scheint ein Überbleibsel von ‚Century Child' zu sein, nicht schlecht, aber auch nicht prägnant.

NightwishNach Tarja's Studium, Hochzeit & diversen Trennungsgerüchten dreht sich nun doch ein neues NIGHTWISH-Album im CD-Player. Die Promo-Verheißung "Dieses Album wird Geschichte schreiben…" trifft vollends zu - Niemand vor Toumas Holopainen hat versucht ein Soundgemisch a la Manowar-meets-Andrew Loyd Webber an den geneigten Hörer zu bringen! Diese Art von Weiterentwicklung war trotz Ankündigungen wie ‚Passion and the Opera' & ‚Phantom of the Opera' nicht abzusehen… es ist nicht Tarja's klassische Stimmausbildung die dafür verantwortlich ist. Diese ist nicht mehr bestimmendes Stilmittel wie früher & steht hinter den härter als gewohnt klingenden Gitarren. Arrangement-Spielereien mit Klassischem & Folklore sind zwar interessant, langweilen aber spätestens nach dem 6. Track... dies alles gab's schon in den 70ern. Da hieß es "Klassik-Adaption" & DDR-Bands wie ‚Elektra' oder ‚Stern Combo Meissen' quälten ihr Publikum massiv & ungeniert. Zuviel Bombast-Zuckerl erschlägt…

NightwishMarco Hietala übernimmt mehr Gesangsparts, wie z.B. den kompletten Refrain bei ‚Wish I had an Angel' einer dunklen Ode an One-Night-Stands & die Album-Version von ‚Nemo' hat die gleiche Länge wie die der Single… vielleicht ein bissel kräftiger abgemischt, aber sonst?! ‚Planet Hell' klingt dermaßen nach Epos-Soundtrack das wir die Finnen sicher noch auf allen anderen Fernsehsendern zu hören bekommen. Indianischer Gesang & Flötenspiel eröffnet ‚Creek Mary's Blood' dem wohl ungewöhnlichsten & bestem Song auf diesem Album. Hier wird die Geschichte des Stammes der Lakota als Szenerie in Blut erzählt (von John Two-Hawks, dem großartigen Indianer aus "Der mit dem Wolf tanzt") & Tränenflüsse über die Schandtaten des weißen Mannes vergossen.Den Abschluss bildet ein Gedicht von Tuomas Holopainen in der Muttersprache des Indianers.Nightwish ‚The Siren' bemüht die griechische Geschichte eben dieser verlockenden Frauenzimmer, der Sound lässt einen die Fahrten des Odysseus gen Osten nachempfinden & Marco hat stimmlich ein paar Schwierigkeiten das Ruder fest in der Hand zu behalten. ‚Ghost love score' hat phänomenale Überlänge & ist als experimentelles Stück zu verstehen… und lediglich ‚Kuolema Tekee Taiteilijan' versöhnt balladesk den alten NIGHTWISH Fan mit diesem Album.

Ich finde hier keinen adäquaten Nachfolger zu ‚Sleeping Sun', ‚Wishmaster' oder ‚Bless the Child'. Für Fans der ersten Stunde gilt eindringlich: erst reinhören dann aussuchen & bezahlen.


Ivo Klassmann für GOTHICWORLD


Tracklists:
"Nemo" Digipak-Edition:
01 Nemo
02 Live to tell the Tale
03 Nemo (Orchestral Version)
04 Nemo (MPEG Video)

"Once" CD:
01 Dark Chest of Wonders
02 Wish I had an Angel
03 Nemo (Album Version)
04 Planet Hell
05 Creek Mary's Blood
06 The Siren
07 Dead Gardens
08 Romanticide
09 Ghost Love Score
10 Kuolema Tekee Taiteilijan
11 Higher than Hope

www.nightwish.com