interview:

THORA


ThoraNachdem THORA mit ihrem überragenden Werk "Total World Paranoia" Album der Woche bei GothicWorld geworden ist, war ich neugierig auf die Personen, die so druckvolle und aussagekräftige Musik machen. Als ich dann endlich Thomas Fräntzki (Vocals) am Apparat hatte, haben wir gleich einen Termin für ein Interview verabredet. Neben den üblichen Fragen nach Musik und Zukunftsplänen, habe ich ihn auch einige private Dinge fragen können, denn die interessieren ja die Fans meist besonders.

Ich muss sagen, es war ein sehr interessanter Abend, da auch ich neugierig war, mal zu erfahren, wie man sich als aufsteigender Stern am Metal-Himmel so fühlt. Thomas Fräntzki war auch sichtlich an dem Interesse erfreut, dass nun endlich nach einer langen Durststrecke seiner Band zuteil wird.


GW: Wie und wann kam es zur Gründung von THORA?

Thomas: THORA wurde 1999 von mir uns unserem früheren Gitarristen Ralf gegründet. Zuerst haben wir dann unsere erste Demo CD "Dark Season" aufgenommen, auf der drei Songs waren, die wir dann verschiedenen Leuten vorgespielt haben. Dadurch stießen dann auch unser Bassist Felix und unser damaliger Drummer Daniel zu uns. Nachdem wir mehrere Konzerte im Aachener Raum gegeben hatten und auf positives Feedback gestoßen waren, haben uns dann entschlossen, unsere erste Fulltime-CD aufzunehmen. "Cross Nailed" war unsere erste Eigenproduktion, die wir dann nicht nur im Aachener Raum, sondern auch im größeren Umkreis vorgestellt haben. Nach der Produktion von "Cross Nailed" hat uns dann unser Drummer verlassen und seitdem spielt unser jetziger Schlagzeuger Janusz bei THORA. Wir haben uns dann um die Betreuung durch einen Produzenten bemüht und Dennis Ward (Pink Cream 69) vom House Of Audio hatte nach Anhören unseres Demo-Tapes sofort Interesse, uns zu unterstützen. Dort haben wir dann "Total World Paranoia" eingespielt. Leider musste uns nach der Produktion unser Gitarrist aus beruflichen Gründen verlassen. Ersatz war aber schnell gefunden, da unser Drummer noch einen erfahrenen Gitarristen, den Irek zur Hand hatte. Wir haben uns dann auch alle ziemlich schnell zusammen gefunden, was sich auch bei den HIM-Gigs gezeigt hat.

GW: Welche Stücke waren auf dem Demo-Tape, das ihr an House Of Audio geschickt habt?

Thomas: Es waren Demo-Versionen unserer "Total World Paranoia", von denen wir danach gemeinsam mit Dennis Ward eine Auswahl für die CD getroffen haben. (Anm. Red.: Gute Wahl, aber wahrscheinlich waren die übrigen Stücke auch nicht schlecht! Bloß nicht vernichten!)

Thomas FršntzkiGW: Wie komponiert ihr eure Songs, bzw. wer schreibt die Texte und was ist zuerst da, Text oder Musik?

Thomas: Das ist unterschiedlich. Aber im Regelfall ist es so, dass die Musik zuerst da ist und ich dann die Lyrics dazu schreibe. Früher war für mich eher die Musik im Vordergrund, aber mir persönlich ist der Text mit der Zeit immer wichtiger geworden. Darum wird die Musik, wenn mir kein guter Text dazu einfällt, momentan auch schon mal auf Halde gelegt. Meistens fällt mir aber spontan was ein, d.h. wir machen ein Demo, ich lasse das dann zu Hause auf mich wirken und dann kommen die Ideen. Hin und wieder habe ich aber auch Textideen, die wir dann im nach hinein zu Musik verarbeiten.

GW: Habt ihr eine bestimmte Botschaft, die ihr an eure Fans vermitteln wollt?

Thomas: Die Message von "Total World Paranoia" ist, dass man sich mit seinen eigenen Ängsten auseinander setzen sollte, weil ich denke dass das sehr wichtig ist. Die CD handelt nicht nur von der Konfrontation mit persönlichen, sondern auch mit gesellschaftlichen Ängsten, die man durch Bewusstmachen besser verarbeiten kann. (Anm. Red.: Vielleicht sollte man so mal seine Phobien bekämpfen?)

GW: Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Thomas: Die Zukunft ist im Musikbusiness immer schlecht zu planen. Wir wollen möglichst viel live spielen und eine neue CD machen. Wir werden auch weiterhin CDs an Plattenfirmen schicken und dann abwarten was passiert. So sind wir auch an die HIM-Gigs gekommen. Man muss halt Geduld haben, auch wenn alles mal stagniert. (Anm. Red. Wie wahr, wie wahr…)

ThoraGW: Wo und wann können eure Fans euch denn noch mal live erleben?

Thomas: Der nächste anstehende Gig ist am 22.05. in Düren (Endart) mit mehreren anderen Bands zusammen. Ansonsten sind unsere Live Termine immer regelmäßig auf unserer Homepage www.thora-fans.com nachzulesen. Durch die HIM-Gigs haben wir viele neue Fans gewonnen, die auch versuchen, uns Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen. Zudem haben wir jetzt einen Manager, den Christof, der uns eine große Hilfe ist und sich um die Konzertorganisation kümmert. Das Problem ist, dass ohne Plattenlabel keine Werbung gemacht wird und aus dem Grund sind auf den Konzerten meist mehrere Bands mit von der Partie. So kommen halt mehr Leute, aber leider werden meistens nicht mal die Kosten für die Anfahrt gedeckt. (Anm. Red.: Undank ist der Welten Lohn)

GW: Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Thomas: Wir werden in Zukunft regelmäßig gute Alben schreiben und diese natürlich auch live präsentieren, denn wir sind eine intensive Liveband und das werden wir auch in absehbarer Zeit wieder unter Beweis stellen. Wir sind nun endlich soweit, dass wir unsere Musik in größerem Umfang verbreiten können. Einige unserer Ziele haben wir zwar erst mit großer Verzögerung erreicht, aber am Ende zählt nur das man es tatsächlich erreicht hat. (Anm. GW: Wie sagt man so schön: Der Weg ist das Ziel!)

GW: Wies seid ihr auf den Namen THORA gekommen?

Thomas: Also, ich war schon immer spirituell interessiert und THORA sind ja die 5 Bücher Moses. Die Religion hat meine Jugend stark geprägt und momentan mache ich persönlich einen Abnabelungsprozess durch. Der Name hat aber auch noch andere Bedeutungen, z.B. ist er auch eine Zusammensetzung aus den Götternamen Thor und Ra, die ja ziemlich gegensätzlich sind. (Anm. Red.: Ja, ein Drummer wie Thor und ein Sänger wie Ra) Das spiegelt sich auch in unserem Logo wider, dem Yin-Yang. Es zeigt Gegensätze, die aber notwendig sind, um eine Einheit zu schaffen. Diese Gegensätze sind in jedem Menschen und auch in unserer Musik enthalten. Aber gerade diese Gegensätzlichkeit schafft es, dass unsere Musik so leidenschaftlich klingt.

GW: Wie war die Resonanz nach euren HIM-Gigs und wie seid ihr mit eurem plötzlichen Erfolg umgegangen?

Thomas: Die Resonanz war phänomenal. Damit hatten wir bei weitem nicht gerechnet. Wir haben zwar auch nicht gedacht, dass wir ausgebuht werden, aber es war schon überwältigend zu sehen, wie gut wir bei den Fans angekommen sind. Das hat sich dann auch deutlich in unserem Gästebuch niedergeschlagen. Wir konnten uns vor e-mails, Briefen etc. nicht mehr retten. (Anm. Red.: Ja, es ist hart ein Star zu sein, gewöhnt euch schon mal dran) Mittlerweile gibt es auch ein THORA-Forum, das unsere Fans für uns ins Leben gerufen haben. Wir hoffen natürlich, dass wir so was in der Größenordnung noch mal machen können, es hat sehr viel Spaß gemacht.

GW: Habt ihr vor, euch in Zukunft noch öfter an Wettbewerben wie dem von Jägermeister zu beteiligen?

Thomas: Ja, Jägermeister macht ja immer Aktivitäten für Newcomerbands und fördert damit den musikalischen Nachwuchs. Momentan steht noch ein Band-Battle an, für den wir uns auch beworben haben. (Anm. Red.: Jetzt aber alle Daumen drücken!) Wir haben auch noch guten Kontakt zu Jägermeister, die auch regelmäßig Updates über die Jäger-Bands machen. Vorteil ist, dass wir immer noch auf der Jägermeister-Website mit einem link auf unsere Homepage vertreten sind und das ist schon eine gute Werbung für uns.

Thomas FršntzkiGW: Welche Musik hört ihr so privat?

Thomas: Genau nachlesen kann man das im Forum auf unserer Website, aber um mal ein paar Namen zu nennen: Ich höre mit Vorliebe M. Manson, Rammstein, Nevermore, HIM etc., unser Bassist hört gern The Prodigy, Fear Factory und Pantera, unser Drummer mag Dream Theatre und unser Gitarrist steht auf Black Sabbath soweit ich weiß.

GW: Was macht ihr sonst noch so neben euren Bandaktitiväten?

Thomas: Was Hobbies angeht, steht natürlich die Musik im Vordergrund und da wir noch nicht davon leben können, ist das halt momentan unser wichtigstes Hobby. Da wir auch alle versuchen unsere Jobs und die Musik unter einen Hut zu kriegen, bleibt eigentlich nicht mehr viel Zeit für andere Sachen. Das ist alles sehr zeitaufwändig, aber die positive Resonanz bei unseren Gigs und die Unterstützung unserer Fans zeigt uns, dass es sich lohnt weiter zu machen.

GW: Wo und mit wem würdest Du gern mal zusammen auftreten?

Thomas: Am liebsten auf Festivals mit möglichst vielen großen Bands, da dort immer viele Leute sind, die uns noch nicht kennen. Ich persönlich würde natürlich auch gern mit M. Manson auftreten.

GW: Wie ist die momentane Stimmung in der Band nach den HIM-Gigs?

Thomas: Sehr gut. Diese Gigs haben uns als Band unheimlich zusammen geschweißt. Wir haben jetzt auch begonnen, neue Songs zu schreiben um die positive Stimmung zu nutzen.

GW: Das heißt, ihr rechnet mit einem Plattenvertrag in nächster Zeit?

Thomas: Das ist so eine Sache. Wir kämpfen ja nun schon länger darum und wir werden auf jeden Fall am Ball bleiben und abwarten (Anm. Red.: Dauert nicht mehr lange…). Meine Erfahrung ist, dass irgendwann immer was Neues kommt. Wir würden auch gern noch mal mit Dennis Ward zusammen arbeiten, denn das war sehr produktiv.

GW: Hast Du in den vergangenen Jahren schon mal daran gedacht aufzuhören, weil Du enttäuscht warst?

Thomas: Ja, hab ich. Die Musik ist aber meine Leidenschaft und ich werde nie aufhören Musik zu machen. Es gab aber Situationen, in denen ich mir überlegt habe, ob es das alles wert ist. Jetzt, nach den HIM-Gigs sind wir aber alle ziemlich zuversichtlich und unsere Fans geben uns die Kraft weiter zu machen.

ThoraGW: Die Texte die Du schreibst klingen wie Songs, die das Leben schreibt. Oder verarbeitest Du darin Deine persönlichen Erfahrungen? Z. B. handelt ja "Dead Angel" von einer verlorenen Liebe.

Thomas: Einmal sind es private Erlebnisse, persönliche Depressionen und Enttäuschungen, andererseits aber auch gesellschaftliche Missstände über die ich schreibe. Die Texte sind sehr persönlich und nicht zu verallgemeinern und auf jeden zu projizieren. Deshalb sollte jeder für sich darüber nachdenken und die Texte auch für sich selbst interpretieren. Ich denke, jeder empfindet die Texte anders und deshalb sollte man nicht zuviel darüber erzählen, warum man den Text gerade so geschrieben hat. Jeder sollte sich seine eigenen Gedanken dazu machen.

GW: Du bei den HIM-Konzerten Gelegenheit, auch mal Ville Valo Backstage zu treffen?

Thomas: Ja, ich habe ihn kurz getroffen und ein paar Worte mit ihm wechseln können. Ich denke, mehr darf man auch nicht erwarten. Wenn man ständig unter so einem Druck steht und täglich auftreten muss, dann will man auch vor dem Konzert seine Ruhe haben und das kann ich voll nachvollziehen. Die Jungs sind außerdem ziemlich abgeschottet. Wir konnten uns aber mit Gas Lipstick unterhalten, der auch sehr nett war. Ansonsten stand weiteren Gesprächen halt der straffe Zeitplan im Wege.

GW: Wie war das mit den Jungs von Zeraphine?

Thomas: Alle von Zeraphine waren sehr nett. Ich habe mich länger mit ihnen unterhalten und konnte Fragen zu Tour etc. stellen.

GW: Wie lief denn der Verkauf an eurem Merchandising Stand nach den Konzerten?

Thomas: Wir haben bei den beiden Gigs ca. 150 CDs verkauft und danach noch per Mail viele Bestellungen bekommen. Auch die T-Shirts haben reißenden Absatz gefunden. Ich selbst habe da leider den Überblick verloren, da sich unser Manager darum kümmert. Hier auch noch mal ganz offiziell ein Dankeschön an alle Leute, die uns unterstützen!

GW: Dann viel Glück! Und dazu ein Plattenvertrag!
Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass mir ein angenehmer Gesprächspartner mit viel Tiefgang und großem musikalischem Können gegenüber saß und ich mit Spannung den weiteren Werdegang von THORA für GothicWorld verfolgen werde!



Ursula Kohl für GothicWorld


THORA Album "Total World Paranoia"

www.thora-fans.com