interview:
ASRAI "... nicht fassbar!"
Nachdem ASRAI mich mit ihrer neuen CD "Touch In The Dark"
ziemlich beeindruckt hatten, wurde es nun Zeit mal hinter die Kulissen zu
schauen um mal zu erfahren, wer denn hinter dieser brillianten Scheibe steckt.
Wenn man den Werdegang der Band bis zum heutigen Line-Up betrachtet, muß
man schon sagen Hut ab!' vor so viel Ergeiz und Durchhaltevermögen.
ASRAI hat so einigen Widrigkeiten trotzen müssen, aber ich habe den
Eindruck, dass gerade das die Band nun so richtig zusammen geschweißt
hat. Da sieht man mal wieder: Wenn man etwas wirklich erreichen will und nicht
aufgibt, dann klappt es irgendwann auch!
GW: Wie und wann kam es zur Gründung von
ASRAI? Wer hat wen zuerst getroffen?
ASRAI: Die Gründung von ASRAI geht
zurück ins Jahr 1998. Bereits in den 80-er Jahren hatte sich die Band
unter dem Namen Twins no Twins in den Niederlanden einen Namen gemacht. Die
Rotterdamer Punk-Rock Szene mit ihren vielen Start-up Bands legte den
Grundstein für ein Zusammentreffen von Martin (dem heutigen Bassisten) und
Bert (dem früheren Gitarristen von ASRAI), die bereits zu der Zeit
gemeinsam in einer Band spielten. Wir trafen uns zum ersten Mal bei einem
Konzert von Martins Hard-Core Band. Zunächst begannen wir als reine Girl
Band und hatten neben verschiedenen Besetzungswechseln auch immer den Wunsch
unabhängig zu sein und einen eigenen Proberaum zu haben. Nachdem wir
merkten, dass Karin unsere weiblichen Drummer mit ihren Schlagzeugkünsten
bei Weitem übertraf, entschieden wir, dass sie anstatt Gitarre doch lieber
Schlagzeug in unserer Band spielen solle, was auch sehr in ihrem Sinne war. Als
Bert dann in die Band kam, hatten wir ca. 8 Jahre lang ein konstantes Line-Up
mit Margriet am Mikro, Elfriede am Bass, Bert an der Gitarre und Karin am
Drumkit. Wir haben dann einige Demotapes aufgenommen, z.B. "The blue tape", "So
clear that you couldn't tell where the water ended and the air began", "Love is
a lie" und das Live Tape "Live in a package". Leider verließen uns
Elfriede und Bert. Wir nahmen aber noch gemeinsam ein Tape namens "As voices
speak" auf. Kurz nachdem wir das Tape aufgenommen haben, trafen wir auf Leah
und Serge, die die entstandenen Lücken füllten und mit uns die erste
CD "As voices speak" aufnahmen. Michael Zoller von Poison Ivy hörte die
Scheibe und bot uns einen Plattenvertrag an. Leider wurden wir dann durch
Serges Ausstieg und den Bankrott von Poison Ivy kurzzeitig zurückgeworfen.
Als dann Jos zu uns stieß, waren wir eigentlich wieder komplett. Aber da
wir uns musikalisch weiter entwickeln wollten, sollte entweder ein Keyboard
oder eine zweite Gitarre hinzukommen. Jos brachte dann Rik mit und
verließ uns leider kurz darauf, da er mit seiner damaligen zweiten Band
ziemlich erfolgreich wurde und es zeitlich nicht mehr schaffte beiden Bands
gerecht zu werden. Wir waren nun wieder zu viert und machten Pläne
für unsere zweite CD, die wir gern beim Beautiful Lake Studio mit Roman
Schoensee einspielen wollten. Leider wurde zu dem Zeitpunkt dann Leah krank,
aber Martin erklärte sich bereit, sie im Studio zu vertreten. Wir haben
dann im Beautiful Lake Studio unsere Demo CD aufgenommen. Auf einen Rat von
Hans Pieters (Excess Studio) haben wir die CD an Transmission Records
geschickt, die auch interessiert waren und uns ein größeres Budget
sowie die Möglichkeit mit einem der besten Mixer, Sascha Peath, zusammen
zu arbeiten, ermöglichten. Roman Schoensee blieb unser Producer und wir
machten weitere Aufnahmen im Excess Studio mit Hans Pieters. Leider musste kurz
darauf Leah die Band aus gesundheitlichen Gründen verlassen. Manon trafen
wir durch einen Freund, der Bert in unserer Band eine Zeit lang vertreten
hatte. So ist es dann zu unserer heutigen Besetzung gekommen.
GW: Wie
entstehen eure Songs?
ASRAI:
Unsere Songs machen wir alle zusammen. Meist entstehen sie spontan
aus irgendwelchen Jam Sessions, oder jemand spielt ein gutes Riff und wir
arbeiten dann etwas aus. Die meisten Texte schreibt Margriet, aber Karin und
Rik schreiben auch schon mal welche.
GW:
Wie lange habt ihr an "Touch In The Dark"
gearbeitet?
ASRAI: Wir haben
schon einige Zeit gebraucht. Zuerst haben wir die Demo CD aufgenommen und dann
gemeinsam mit Roman das ganze Album. Dazu waren wir einen Monat im Studio. Das
ganze ging in zwei verschiedenen Studios über die Bühne und so war es
nicht machbar, es in vier aufeinander folgenden Wochen durch zu ziehen. Es gab
aber auch noch andere Verzögerungen beim Einspielen des Albums, z.B. einen
Brand bei unserer Plattenfirma und den vollen Terminkalender von Sascha Peath.
Aber am Ende zählt doch nur das Ergebnis!
GW: Habt ihr eine bestimmte Botschaft, die ihr
an eure Fans vermitteln wollt?
ASRAI:
Wir möchten mit unserer Musik Emotionen hervorrufen. (Anm. GW:
Das ist euch gelungen!)
GW: Was
habt ihr für die Zukunft geplant?
ASRAI: Wir wollen möglichst viel live
spielen und eine neue CD machen.
GW:
Wie seid ihr auf den Namen ASRAI gekommen?
ASRAI: Eine ASRAI ist eine kleine, zerbrechliche
Fee, die sich in einen Wassertropfen verwandelt, wenn sie gefangen wird oder
dem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Das macht sie nicht fassbar', was
wiederum die Verbindung zu unserer Musik widerspiegelt.
GW: Welche Musik hört ihr so
privat?
ASRAI: Wir mögen
besonders Alternative Music, hören auch viele Sachen aus den 80-ern, alten
Punkrock und Gothic. Aber jeder von uns hat natürlich seine besonderen
Vorlieben: Margriet: Diamanda Gallas (weil sie so ein "Stimmwunder"
ist), Birthday Party, Leatherface, Social Distortion, The Swans, Goldflesh etc.
Rik: Wumpscut, Feindflug, Industrial und Punkrock wie z.B. die
Ramones Manon: Nine Inch Nails, Jack Off Jill, Placebo, Murderdolls,
Helium Vola und Faith and the Muse Martin: Stranglers, Killing Joke,
Natacha Atlas, The Bones, Social Distortion, Head of David, Zodiac Mindwarp und
Michael Katon Karin: Nick Cave, The Damned, Dreadful Shadows, Mad
Sin, Paradise Lost u.v.m.
GW:
Was macht ihr sonst noch so neben euren
Bandaktitiväten?
ASRAI: Wir
arbeiten alle in unseren regulären Jobs und unser größtes Hobby
ist die Musik. Rik kocht gern vegetarisch und zeichnet, Manon liest und
fotografiert gern. Für Martin gibt es eigentlich nichts außer seiner
Musik (Anm. GW: Das kann ich nachvollziehen, ist mir sympathisch der Martin).
Auch für Karin ist ASRAI mehr als ein Hobby, sie kümmert sich
nämlich um die technische Seite und gestaltet mit Freude unsere Website.
Nebenher spielt sie auch noch mit Martin in einer zweiten Band (Anm. GW: Ja,
das sind Vollblutmusiker, so ist es richtig). Margriet arbeitet in ihrer
Freizeit an ihrer (Anm. GW: sowieso schon ausgezeichneten) Stimme und versucht
so viel Zeit wie möglich mit ihrem vierjährigen Sohn zu verbringen.
Zudem hilft sie im Tatoo-Studio ihres Freundes aus, was ihr großen
Spaß macht, da man da auch schon mal auf Messen interessante Leute trifft
und ganz schön viele Tatoo-Kunstwerke zu sehen bekommt.
GW: Wie lange spielt ihr schon eure
Instrumente?
ASRAI: Die meisten
von uns spielen ihre Instrumente schon 10 bis 20 Jahre.
GW: Wann werdet ihr wieder live zu sehen
sein?
ASRAI: Wir machen momentan
Pläne und hoffen, dass wir die Termine bald bekannt geben
können.
GW: Wie schätzt
ihr eure Chancen auf dem niederländischen und europäischen Musikmarkt
ein?
ASRAI: Wir hoffen, der
Markt ist bereit für uns, denn wir sind bereit ihn ordentlich
aufzumischen!
GW:
Eure Musik wird oft mit der von "Within Temptation" verglichen.
Nicht nur, weil ihr Landsmänner seid, sondern weil ASRAI auch schon mal
ein wenig so klingt. Was haltet ihr von dem Vergleich?
ASRAI: Wir glauben nicht, dass wir so klingen wie
"Within Temptation", aber das ist wohl Ansichtssache. Es ist lustig, dass wir
mit ihnen verglichen werden und wir denken, das liegt daran, dass die meisten
Leute sie als die bekannteste Gothic Rockband kennen, dabei gibt es noch viele
hundert andere. In unseren frühen Zeiten hat man uns mit Siouxie and the
Banshees verglichen, (Anm. GW: Ja, ja.
ist mir auch passiert und finde
immer noch dass es stimmt) wahrscheinlich weil das die einzige Sängerin
war, die sie kannten (Anm. GW:
das will ich jetzt überhört
haben
). Leute tendieren immer gern dazu, neue Bands mit schon etablierten
zu vergleichen, die aus der gleichen Sparte kommen. Aber oft kennen sie auch
nicht viele andere Bands. Es gibt aber schon wichtige Unterschiede zwischen uns
und "Within Temptation". Unsere Wurzeln liegen in der Wave/Punkrock Szene,
während ihre in der Metal Szene liegen und das ist schon eine andere
Sichtweise.
GW:
Abschließend muss ich sagen: Sehr nett unsere
niederländischen Nachbarn! Und sehr begabt dazu! Es war sehr informativ
mit euch zu plaudern und ich würde mich freuen, euch demnächst mal
live und in Action zu sehen. Auf jeden Fall gutes Gelingen bei der
nächsten CD Produktion und weiterhin so viel Energie wünsche ich
euch!
Ursula Kohl für
GothicWorld
ASRAI
Album "Touch In The Dark"
www.asrai.net
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