CD-REVIEWS:

Miles Away    CHAMBER "Miles Away"
EP (Trisol/SoulFood)

Max TestoryThings are changing.
Aus dem extrem anspruchsvollen L'Orchestre Chambre Noir ist immer mehr CHAMBER geworden. Ein Zugeständnis an das eher konsumierende Publikum? Auf jeden Fall ebnet die Verkürzung des Namens mit Sicherheit den Weg in die Konsumierbarkeit.
So auch das Titelstück "Miles Away" der vorliegenden Single. Ein Schmachtfetzen allererster Güte, mit Piano, fetten Streichern, Schlagzeug und wehmütigem, fast schon sanftem Gesang. Hier dürften Mütter wie Töchter gleichermaßen dahin fließenl. Das nachfolgende "Wasting My Day" verblüfft durch fast ausschließlichen Pianoeinsatz und wird somit zu einem Torchsong erster Güte wie ihn sonst nur eine bekannte, kleine, dünne englische Tunte hinbekommt... Im Anschluss bekommt dann "In your Eyes" durch den Einsatz von Mandoline einen fast schon exotischen Touch und fährt eine herrlich wehmütig, melancholische Songline auf. Jetzt wäre eine "Single" eigentlich zu Ende. Aber CHAMBER wären nicht CHAMBER, wenn sie aus diesem Stück dann nicht doch eine CD mit der Länge eines Fulltimealbums gemacht hätten. Vor allem wären sie nicht CHAMBER wenn sie jetzt irgendwelche, ominösen Demos oder Remixe raufgepackt hätten. (Remixe? Hä? Wie soll das auch gehen?) Nein!
Jetzt kommen wir zu der Sektion "Was noch alles hätte passieren können oder auch passiert ist. "To Orders than you" beweist wie viel Druck, Kraft, Agression und Emotion ein Stück erzeugen kann, welches "nur" durch Akustikgitarren instrumentiert ist und mehrstimmigen Gesang auffährt. Während als Kontrast dazu das mit Coautor/Sänger Richard Ridings entstandene und mit Schlagzeug versehene "Waterfall" trotz vermehrter Instrumente eher zurückhaltend erscheint. Oder "Let'em go" das mit einer wunderschönen Streicherhookline im Refrain aufwartet dass man fast schon mit dem Fuß zu wippen beginnt.

Chamber beim WGT 2004Überhaupt hat man den Eindruck, einer jener legendären Akustiksessions des schwarzen Kammerorchesters beizuwohnen. Eine Art "unplugged" oder "Reduced to the Max!" (Was für ein Wortspiel!) Zurückhaltend eingesetzte Instrumente, ausdrucksstarke und doch reduzierte Stimme, Emotion pur. Ja bei all diesen Stücken könnte der unbedarfte Musikjournalist schon zum Etikett "Neofolk" greifen, auch wenn Mastermind Testory dieses immer ablehnt.
Wunderschön die klagende, reduziertere und dadurch noch ergreifendere Version von "A Tale of Real Love" oder das rockende, trotz Einsatz von E-Gitarre ebenfalls eher akustisch wirkende "In my Garden" in der sog. "Bang Ya Head Version". Das sind die großen Momente von CHAMBER. In erster Linie hervorragende, gereifte Musiker/innen und sich immer mehr steigerndere Songwriter. Runder, in sich geschlossener klingen sie die Damen und Herren. Möglicherweise ein Effekt aus dem verstärkten kompositorischen Einsatzes des "neuen" Mannes Ralph Hübner. Immerhin hat der ja schon für die "poppigsten" Leute gearbeitet und möglicherweise waren Robin Hoffmanns avantgardistisch, klassische Kompositionstechniken doch zu intellektuell?
Egal!
Veränderung muss sein, alles andere bedeutet Stillstand!
Und dass tun CHAMBER wahrlich nicht. Stillstehen.

Auch wenn mir persönlich das Titelstück etwas zu fett ist, bin ich gespannt auf das Album. Mir wäre die Reduzierung ja lieber. Ach und müßig zu erwähnen dass Pit Hammann wieder mal ein fulminantes Artwork abgeliefert hat... auch wenn sich mir (Kunstbanausen) der Zusammenhang zwischen blöd/blind dreinschauenden Osterinselfiguren die unter einem einzigen Lichtstrahl im Kino sitzen und "Meilen entfernt" nicht erschließt... Geil aussehen tut es!

Thomas Sabottka für THE GOTHICWORLD


Tracklist:
01 - Miles Away
02 - Wasting My Day
03 - In Your Eyes
04 - To Orders Than You
05 - Let' em Go
06 - Beautiful Betrayal
07 - Waterfall
08 - A Tale Of Real Love (Solitude Version)
09 - In My Garden (Bang Ya Head Version)
10 - Three Years
11 - Un Verre De Trop
12 - Conversation Of A Prayer


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