CD-REVIEWS:

Kosmoloko    V.A. "Kosmoloko"
CD (Galakthorrö)

Den fanatischen Jüngern des Industrial hierzulande ist das Label Galakthorrö mehr als nur ein Begriff. Die meisten Freunde schräger Klänge nennen mindestens eine Veröffentlichung aus diesem Hause ihr Eigen. Seien es die Hausherren und -damen selbst, in ihrer Erscheinungsform als HAUS ARAFNA oder als NOVEMBER NÖVELET, eines der frühen Releases namens NIGHTMARISH, KARL RUNAU oder SUBLIMINAL: Wer eine Galakthorrö-Scheibe besitzt, wird von allen zu spät gekommenen Krachfetischisten beneidet. Wer mit all den Namen nichts anfangen kann, darf sowieso nicht mitreden.

Seit zehn Jahren besteht Galakthorrö nun. Angefangen hat alles mit der Veröffentlichung des ersten eigenen Tonträgers der Macher: Haus Arafnas "Sex-U-Mas"-Single. Damals hätte sicher niemand daran geglaubt, dass das Interesse mit jedem weiteren Titel nahezu exponentiell zu wachsen scheint. Dieser Erfolg in einer Zeit, in der für die meisten Industrial nichts weiter als eine Form von härterem Techno ist, verwundert. Wenn das Gros der Hörer auf Rhythmus setzt, folgen die Galakthorrö-Künstler verschrobenen 80ies Soundspielereien (KARL RUNAU) und den Spuren der Szeneveteranen wie SPK (HAUS ARAFNA, SUBLIMINAL), wenn die harte Noisefraktion sich im schneller, weiter, höher überbietet, integrieren die Individualisten ungeniert Popelemente (NOVEMBER NÖVELET, HAUS ARAFNA) und sind damit zum Erstaunen der allwissenden Marketingexperten auch noch erfolgreich. Die vorliegende Platte / CD lässt zehn Jahre Galakthorrö-Label auf ganz eigene Weise Revue passieren. Anstatt in den Archiven zu graben, haben die noch aktiven Künstler neue, exklusive Tracks beigesteuert. Insgesamt zehn Stück von fünf Projekten, darunter MASKA GENETICA, die hier erstmals auf Tonträger erscheinen. Während HAUS ARAFNA den Bogen von den chaotischen Noiseorgien ihrer Anfangstrage hin zum Noise-Pop ihrer letzten Veröffentlichung "Butterfly" spannen, klingen SUBLIMINAL gewohnt gestört. NOVEMBER NÖVELET glänzen gewohnt entrückt und irgendwie typisch weiblich, KARL RUNAU lässt seine 80ies Sounds flirren. Auch die Neulinge ordnen sich in das gewohnte Klangbild ein, ohne wie die Fortsetzung alter Ideen mit neuen Mitteln zu klingen. Überhaupt sind MASKA GENETICs Stücke die stärksten auf "Kosmoloko". Woran das liegt, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht können sie einfach den Bonus des Neuen für sich verbuchen, vielleicht klingen sie auch einfach am meisten nach den "guten alten Arafnas".

Der Sampler erscheint in zwei Formen - einmal als handelsübliche CD mit einem sehr schön gestalteten Booklet. Die echten Freaks werden sich damit natürlich nicht zufrieden geben und zum Vinyl greifen. Dem liegt das CD-Infomaterial in Form von übergroßen Postkarten bei, die sicher neben der Platte selbst bei Ebay als Sammlerstücke auftauchen werden. Sehr sinnig auch die weiße Färbung des Presslings, schließlich haben sowohl Labelname als auch Samplerbezeichnung etwas mit Milch zu tun. Die erotische Covergestaltung setzt diesen Gedanken fort. Sehr schön und weiter so. Mindestens noch zehn Jahre!

PS: Zwei miteinander zusammenhängende Gründe zum Meckern gibt es doch: Die Vernachlässigung von NIGHTMARISH (dann wäre die Künstler-Diskografie vollständig gewesen) und die geringe Spielzeit der Platte von lächerlichen 38 Minuten… Die Idee mit der zehn hätte man wirklich nicht ganz so wörtlich nehmen müssen.


disorder (debil - das Magazin für neue deutsche Lightkultur) für GOTHICWORLD

Tracks:
01. Haus Arafna - Hymn Of Despair
02. Haus Arafna - After All Theses Days
03. Subliminal - Take You Baby
04. Subliminal - Hunting For Humans
05. Karl Runau - Driven By Instinct
06. Karl Runau - Hope For Your Understanding
07. Maska Genetik - Ocean
08. Maska Genetik - White Tracks
09. November Növelet - Initially (Bluish Eyes)
10. November Növelet - In the Age Of Tears