special:
PERSEPHONE 22.06.2004 - Sinkkasten, Frankfurt /M.
Die Nachricht, dass Persephone auf ihrer Tour Zwischenstopp in
Frankfurt machen, löste bei mir unendliche Vorfreude aus. Erst später
dann setzt der Verstand wieder ein & ich denke über meine Erwartungen
an die Bühnenumsetzung des 2ten Studioalbums nach & an eine Frau, die
ich vor nunmehr 5 Jahren das erste Mal live sehen durfte. Der Sinkkasten ist
ein alter, gemütlicher Jazz-Club im Herzen Mainhattan's wo schon so manche
Größe diverser Genres seine erste Feuertaufe bestand. Dunkel, voll
bestuhlt & doch nicht ausverkauft. Eine halbe Stunde später als
geplant, dann endlich Licht aus & 4 Herren im Frack betreten die Bretter,
die Menge schweigt andachtsvoll. Sonja tritt durch eine Seitentür in den
kleinen Saal, strahlt über das ganze Gesicht, streckt die Arme weit von
sich & trägt eine Fackel auf ihrem Weg durchs Publikum vor sich
her
Atma Gyan, das ewige Licht.
Auch auf der
Bühne gibt's statt Lightshow nur 2 große Fackeln. Nicht dass Sonja
Kraushofer & ihre Musiker sich verstecken müssten oder gar den
Pyrotechniker schonen wollten. Reduktion aufs Wesentliche, Essentielle war
klarer Programmschwerpunkt
auch in der Instrumentierung der Stücke.
Sonja selbst nahm die Zeile "...my lips closed forever" ihres Intros
My Music Is Gone' so Ernst, dass sie den ganzen Abend über kein
Wort an ihre Gäste richtete. Keiner wird dies wohl ernsthaft bedauert
haben, hätte dies doch nur eine überaus meditative Stimmung
zerstört. Sonja selbst performte derweil ihre Texte dermaßen
karismatisch & Energie versprühend das ein Jeder schier fühlen
konnte wie My Sweetest Pain' ihr das Herz stets aufs Neue
zerreist. Kaum jemand wagte es Anfangs zu applaudieren
man hätte die
sprichwörtliche Stecknadel bereits im Fall hören können.
Während der betörenden Percussions-Einlagen von John Abdel Sayed
schlossen einige im Publikum die Augen & waren wohl vollkommen zur Ruhe
gekommen. Es hatte den Anschein als ob sie Sonja in den Secret
Garden' folgen konnten, durch ihre eigene innere Unbegrenztheit.
Transzendenz
vielleicht nur für einen Moment, aber beeindruckend
genug & von Sonja mit wohlriechenden Räucheressenzen untermalt &
vertieft. Während sie The End Of The World' herauf beschwor
erlosch eine der Bühnenfackeln
beklemmende unbeabsichtigte
Dramaturgie. Ein jedes Gemüt wurde nun von der Seele der Musik vollends in
Anspruch genommen.Jeder im Saal, der Sonja Kraushofer bereits als
herausragenden Part von L´Âme Immortelle schätzen gelernt
hatte, wird die barfüssige Black Widow' wohl für ihr
Soloprojekt lieben & verehren. "No one can withstand her kiss
" auch
wenn der hier nur dem Atma & dem Gyan galt ;)
Ich persönlich hätte mir noch ein paar Titel Zugabe
aus ihrem Backkatalog nach den folgerichtigen Standing Ovations
gewünscht
aber dies hier war nicht die Winterreise, nicht Home &
nicht das Ikonenmuseum. Bitte lasst den nächsten Winter kurz werden, damit
Persephone erneut aus der Unterwelt empor steigt
um mit
wunderschönem Liedgut zu betören & ganz sanft aufzuwecken.
Bericht + Fotos: Ivo
Klassmann für GOTHICWORLD
www.persephone-home.de |