special:

THANATEROS
- Listening Session, 11.06.2004

Unter´m Dach juchee…

Ben Richterhat nicht nur der Sperling seine Jungen, auch das Berliner X-Ton-Studio hat sich hier auf dem Gelände des K17 niedergelassen. Die Hauptstadtband THANATEROS hatten hierher geladen, um Einblicke in ihr aktuelles Schaffen zu geben und den Schatten, den große Ereignisse vorauswerfen, gehörig zu verlängern. Das Großereignis dürfte noch in diesem Jahr die Veröffentlichung ihres dritten Longplayers nach "The first rite" (2001) und "Circle of Life" (2003) sein, die Single soll im Juli, spätestens aber im September das Licht der Plattenläden erblicken.


THANATEROS, benannt nach den Göttern des Todes und der Liebe Thanatos und Eros, könnten mit dem aktuellen Material endlich den Erfolg einfahren, der ihnen unbedingt zusteht. Vor drei Jahren bereits Vorband von In Extremo und bei verschiedenen Festivals (Castle Rocke, 2003) zu Hause, fristen sie völlig zu Unrecht ein Schattendasein. Ihre Musik nämlich - und damit endlich zu den vorgehörten Stücken - ist erfrischend anders, besser als vieles und eine geile Kombination aus Metal und Celtic-Folk.

Studio-StillebenBereits das erste Stück, das mir Ben Richter (Ex-Vermillion Fields und Sänger) im Beisein des Herrn der Regler zum Besten gab, ließ Begeisterung aufkommen. Nicht das statische Entweder-oder Musikeinerlei anderer Bands, sondern ein Stilmix, der es in sich hat. "In time" beginnt und endet klassisch folkig und wird von einem raumgreifenden Metalpart in der Mitte gekrönt. Im Mid-tempo gehalten verführt es sofort zum Mitwippen, später gerne auch zum Haare schwingen lassen. Der markante Gesang von Ben trägt einiges zur Stimmung des Songs bei. Grinste der Chronist schon hier freudig-debil aus der schwarzen Wäsche, macht der zweite Titel ein Strahlen daraus. "No rest" ist ein extrem treibender Metaltrack, in den sich ab und an wuchtige Keyboardsamples verirren und die Intensität des Songs wirkungsvoll untermalen. Spannend dabei, dass sich unter den harten, schnellen Tönen immer wieder ein sanfter Folkteppich heraushören lässt. Schön, schön.

Zwischendrin irrt der Blick schon mal nach Bildmotiven umher und bleibt an dem stillebenhaften Arrangement von Schlossbräu aus der Plastikflasche, Deodorant gegen die Wärme unter´m Dach und Kippen hängen - Arbeitsatmosphäre eindeutig und das Gefühl von "Meine Hand für mein Produkt!".

Herr der ReglerDie kommende "B"-Seite der Single gab es als Drittes aufs Ohr. Faszinieren bei "I´m changing" ist die Körperlichkeit des Songs. Die Einleitung klingt wieder fast klassisch nach keltischem Musikurgrund. Im weiteren Verlauf eher ruhig, gibt es Passagen, in denen sich der Song so dermaßen aufbäumt, dass man zuerst zurückweichen möchte, so nah und bedrohlich dicht kommt er einem - fast wie ins Herz gestoßen.

Das sie auch anders können - und wollen - zeigt das kongeniale Pogues-Cover von "Dirty old Town", das als Bonustrack auf der kommenden Single sein wird. Auftakt und Ende sind Kneipengeräusche aus dem Stamm-Pub ums Eck und offensichtlich wurde der Song nach ausgiebiger Druckbetankung aufgenommen, denn wo die Musik metallischer und härter klingt als im Original, ist die Stimme mindestens ebenso versoffen im Klang wie die von Mr. "Schönheit ist vergänglich" Shane MacGowan. Ben Richters Stimme zeigt hier ihre große Modulationsfähigkeit, eine Stärke, die nicht genug betont werden kann.

ThanaterosZum krönenden Abschluss gab es dann noch die Single zu hören. "Calling Llyr", der Ruf nach dem keltischen Meeresgott, vereint alle Pluspunkte von THANATEROS: sie ist sehr melodisch-metallisch, sie ist treibend und sehr tanzbar und sie winkt mit folkloristischen Arrangements. Inklusive einem deutschen Textteil, der zusätzlich aufhorchen lässt, sicher eine richtig gute Wahl.

Nun muss das gute Stück noch in die Läden - hoffentlich noch vor der Sommerpause - und dem verdienten, endgültigen Siegeszug steht nichts mehr im Wege. Leider wird man THANATEROS vorerst nicht live bewundern können. Wegen der musikalischen Eindrücke des Besuchs, der lockeren angenehmen Atmosphäre und dem kleinen Schuss Lokalpatriotismus kann es nur eine Pflicht geben: Kaufen! Marsch, marsch!

Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Bandpage: www.thanateros.net