interview:

PATH OF GOLCONDA
... eine "moderne Apokalypse"

Manuel BigusNach den vielen positiven Kritiken zum aktuellen Album "destination:downfall" von PATH OF GOLCONDA wurde es nun Zeit für ein Interview. Manuel (Vocals) lies mich ein wenig hinter die Kulissen schauen und mein zuvor gewonnener Eindruck vom hervorragenden Zusammenhalt in der Band hat sich wieder bestätigt. Hier ziehen alle an einem Strang und wer "destination:downfall" gehört, bzw. PATH OF GOLCONDA live gesehen hat, der wird dies auf jeden Fall bestätigen.

GW: Kannst du mir etwas über die Entstehungsgeschichte von PATH OF GOLCONDA erzählen?

Manuel: Die eigentliche Band formierte sich 1999, und bis zu meinem Einstieg im Oktober 2002 war das Line-Up konstant. Schon vor meinem aktiven Mitwirken hatte ich das Gefühl, dass bei PATH OF GOLCONDA immer im Vordergrund stand, dass innerhalb der Band ein gutes Verhältnis bestand. So konnten sie z.B. gemeinsam über künstlerische Ideen sprechen, was meiner Meinung nach selten ist. Als dann die Zusammenarbeit mit dem ehemaligen Sänger nicht mehr funktionierte, bin ich hinzugestoßen.

PATH OF GOLCONDAGW: seid ihr auf den Bandnamen PATH OF GOLCONDA gekommen und was bedeutet er?

Manuel: Da ich nicht aktiv an der Namensgebung teilgenommen habe, möchte ich an dieser Stelle unseren Schlagzeuger Roman zitieren, der dazu kürzlich folgende, treffende Erklärung abgegeben hat:
"In erster Linie steht "Golconda" für unsere Band! Ursprünglich ist es ein mythischer Begriff, der einen Ort oder einen Zustand beschreibt, an dem allerhand Freaks und von der Gesellschaft nicht akzeptierte, dunkle Gestalten die Möglichkeit haben, Frieden zu finden. Der symbolische Vampir ist also nicht mehr auf das symbolische Blut angewiesen- ist also endlich erlöst von Stigmata und Fluch. Vielleicht werden wir auch eines Tages von den Unmengen an Drinks loskommen?!"

GW: Wie komponiert ihr Eure Songs, bzw. wer schreibt die Texte, was ist zuerst da, die Musik oder Text etc.?

Manuel: Das ist vom Ablauf her völlig unterschiedlich. Manchmal steht zuerst eine konkrete Textidee, manchmal kommt erst eine Gitarrenlinie zustande. Das Schöne an diesem Konzept war, dass wir alle wussten, worauf wir hinarbeiten und so Musik und Texte sozusagen wie von selbst in Einklang kamen. Ich halte es generell für wichtig, das Klänge und Botschaft ein gemeinsames Bild erzeugen, denn erst dann hat der Song eine Chance, wahrhaft zu bewegen!

GW: Habt ihr eine bestimmte Botschaft, oder ein Thema dass die Grundlage für Eure Songs darstellt?

Manuel: Unser Ziel war es, eine "moderne Apokalypse" darzustellen. Aktuelle Meldungen über Katastrophen und Zerstörung lieferten hier unzählige Inspirationen, die in fast biblisch wirkende Texte verwandelt, den Weltuntergang anzeigen...Während der Einfluss eines Frauenhintern in den Medien einen wesentlich stärkeren Effekt auf die Gefühle unzähliger Menschen hat als die Nachricht: "heute sind im Irak 100 Menschen umgekommen", kann man erkennen, dass wir uns auf dem besten Weg zum Weltuntergang befinden und es nicht einmal merken, weil die Nachrichten, die wir jeden Tag hören, so banal klingen. Wir möchten mit unserem Album und dem Konzept dahinter eine weniger oberflächliche Einsichtmöglichkeit geben, und haben den Vorteil, dass wir die Inhalte auf niemanden zuschneiden müssen.
Jeder Song erzählt dabei eine eigene Geschichte, und während des Albums vollzieht sich eine Entwicklung: Zuerst die rohen, aggressiven Stücke, die bestimmte Katastrophen behandeln, dann das Zwischenstück verbunden mit Erkenntnis und letztlich die emotionale Perspektive - quasi die persönliche Tragödie - und zum Schluss dann letztlich doch der Untergang, weil die Menschheit es nicht geschafft hat, ihre zerstörerische Natur zu zügeln.

GW: Wie lange spielt ihr schon Eure Instrumente? Spielst du selbst auch ein Instrument und/oder hast du eine Gesangsausbildung?

Manuel: Eine klassische Gesangsausbildung habe ich nicht, aber da ich eine Zeit lang viel mit meiner Stimme experimentiert hab, nahm ich auch ein paar Stunden Unterricht. Mir selbst fällt es schwer zu sagen, ob es sich positiv ausgewirkt hat, aber zumindest hat´s wohl nichts geschadet...Ansonsten beherrsche ich nicht wirklich ein Instrument, obwohl unser Schlagzeuger mich manchmal dafür hasst, wenn ich wieder angetrunken demonstrieren will, das auch sein Schlagzeug -genau wie die Menschheit- nicht mehr lange hat. Die Kollegen spielen natürlich schon ziemlich lange ihre Instrumente, so im Schnitt etwa 8 Jahre.

PATH OF GOLCONDAGW: Wie schaffst du es, so tiefe Growls hinzukriegen? Gibt´s da nen Trick für oder kann man sagen "Übung macht den Meister"?

Manuel: Ich weiß nicht ob es da einen Trick gibt, wenn ja, dann wüsste ich nicht genau welchen. Aber das für mich wichtigste Kriterium sind die Emotionen. Jeder, der solche abartigen Töne macht, möchte ein gewisses Gefühl zum Ausdruck bringen. Je stärker man sich damit persönlich identifizieren kann, desto ehrlicher und somit besser hört es sich wahrscheinlich an. Zur Ermutigung an alle, die es noch nicht hinkriegen: Es steht fest, das die Gabe zum Schreien von frühster Kindheit an vorhanden ist, also geht einfach "Back to the roots". (Anm. Red.: Ja, das habe ich schon öfter gehört…., vielleicht sollten sich genervte Mütter einfach sagen: "Mein Kind wird mal ein berühmter Sänger")

GW: Wo und wann können Eure Fans Euch noch mal live sehen?

Manuel: Die nächste Show war für den 2.7. in München geplant, der Termin wurde jedoch in den Oktober verschoben. Außerdem spielen wir Ende August auf dem Kuhle-Festival in Neumünster. Weitere Gigs sind in Vorbereitungen, wer möchte kann auf sich auf unserer Homepage unter "tourette" auf dem Laufenden halten.

GW: Was macht ihr sonst noch so neben Euren Bandaktivitäten (Hobbies etc.)? Unternehmt ihr auch in Eurer Freizeit gemeinsam etwas, so als Band?

Manuel: Ja, das ergibt sich von selbst, da wir alle so ziemlich den gleichen Bekanntenkreis haben und ständig irgendwo was los ist. Und wenn nix los ist, dann machen wir eben was los. Eine Zeit lang haben wir als Band monatlich eine Metal-Party ausgerichtet, die verdammt gut besucht war, und so verbringen wir generell viel Freizeit miteinander. Damit will ich sagen: Die Band ist unser einziges "Hobby"!

GW: Welche Musik hört ihr so privat und was sind Eure musikalischen Vorbilder?

Manuel: Wir alle hören unterschiedliche Musik- Roman hört u.a. Sachen wie Misfits, The Bones oder auch elektronische Musik, während unsere Gitarristen progressives Zeug mögen. Daniel mag eher emotionale Sachen und klassischen Thrash- Stuff - ähnlich wie ich.

GW: Wo würdet ihr gerne mal spielen bzw. mit wem würdet ihr gern mal zusammen auftreten?

Manuel: Wir würden gern mal bei einem Hardcore-Konzert spielen, weil die ganzen Sraight-Edge-Kollegen coole Musik machen, und die Fans immer ordentlich abgehen!! Ansonsten ist es sicherlich für jede Band ein Traum auf einem großen Festival zu spielen, weil man dann mit sehr vielen Leuten teilen kann, was man denkt und fühlt, so als ob die Botschaft angekommen wäre...

PATH OF GOLCONDAGW: Welchen Song spielt ihr live am liebsten und was ist dein persönlicher Favorit?

Manuel: Live spielt man ja im Normalfall am liebsten den Song, der bei den Zuschauern den größten Effekt erzielt, und das ist "Devour Machine", ein alter Song, der auf unserem Album als Bonustrack erneut verewigt wurde. Auch wenn es vielleicht arrogant klingt: Der Song, den wir jeweils gerade spielen ist mein Favorit!! Es wechselt aber auch je nach Aussage und Gefühl, das der jeweilige Song beinhaltet. Wenn das mit meiner Situation am Besten zusammenpasst, wird das Hören intensiver.

GW: Wie könnt ihr eure Jobs und die Musik unter einen Hut bringen?

Manuel: Da gibt es bei den einzelnen Bandmitgliedern momentan unterschiedliche Voraussetzungen. Ich habe einen Job der mir Spaß macht, der aber auch zeitintensiv ist. Ich glaube, dass wir bedingt durch den Job bzw. das Studium zeitlich allesamt nicht viel Leerlauf haben. Aber bis jetzt gab es da noch nicht wirklich Schwierigkeiten, das mit der Musik und allem was dazugehört zu vereinbaren.

GW: Wie lange habt ihr für die Aufnahmen im Studio von Andy Classen gebraucht?

Manuel: 2 Wochen. Andy ist ein großartiger Produzent!!!

GW: Wie war die bisherige Resonanz auf destination:downfall und gibt es bereits Plattenfirmen, die an Eurem Album interessiert sind?

Manuel: Die bisherige Resonanz ist überwältigend gut. Viele der CD-Reviews sind tiefgreifend und sehr wertschätzend, sowohl der Musik, dem Konzept und den Musikern gegenüber. Bis jetzt sind noch keine Promos an Plattenfirmen rausgegangen, dies wird aber in Kürze geschehen!

GW: Was würdet ihr tun, wenn ihr jetzt auf Welttournee gehen könntet? Würden dann alle von Euch 100%-ig dabei sein?

Manuel: Das ist schwer zu sagen: Ich denke, wenn man auf Welttournee gehen kann, hat man bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht, mit dem sich die Frage dann schon von selbst mit "ja" beantworten könnte. Ich wünsche mir natürlich für PATH OF GOLCONDA, dass ein großes öffentliches Interesse an unserer Musik besteht, und wenn das für eine Welttournee reicht....

PATH OF GOLCONDAGW: Wie ist denn das abgelaufen, als du bei PATH OF GOLCONDA eingestiegen bist? Musstest du den Jungs was vorsingen?;-)

Manuel: Nee, die Kollegen wussten, was auf sie zukommt, da sie meine Stimme durch meine ehemalige Band bereits häufiger gehört haben. Wir kannten uns alle schon ziemlich lange, haben zusammen im PATH OF GOLCONDA- Proberaum diverse Abrissparty´s gefeiert, lange bevor wir uns dazu entschieden haben, zusammen zu arbeiten. Und als es dann losging, bedeutete das für alle Bandmitglieder eine Umstellung. Spätestens mit destination:downfall haben wir uns gegenseitig bewiesen, dass es die richtige Entscheidung war!

GW: hältst du als Sänger vom Rauchen? Denkst du, es schadet der Stimme?

Manuel: Frag mich lieber was ich als Kettenraucher vom Singen halte, oder so! Nein im Ernst: Rauchen ist ungesund, das weiß jeder und es steht inzwischen auch unübersehbar auf jeder Zigarettenschachtel. Selbst unser Intro "Through fog and fire" warnt vor den unheilvollen Folgen von Zigarettenkonsum (sollte ein Spaß werden:-). Rauchen kann eine sehr kurzfristige Wirkung auf die Stimme und gesangliche Fähigkeiten haben. So hat man z.B. weniger Luft zur Verfügung, d.h. lange Textpassagen oder lange Töne werden schwieriger zu singen. Außerdem wird der Stimmumfang kleiner. Bei meiner Art von Gesang jedoch kommt es nicht so sehr darauf an, sauber zu singen, sondern die Wut über mein Dasein als Suchtmensch herauszuschreien: (Anm. Red.: Na, das klappt ja hervorragend…rauch mal besser weiter…)

GW: Wie seht ihr Eure Band so in der Ruhrpoot-Metal Szene? Wo würdet ihr euch da rangmäßig einordnen?

Manuel: Ich glaube, dass wir im sogenannten "Underground" mittlerweile einen relativ hohen Bekanntheitsgrad haben, und ich bin sicher, dass sich PATH OF GOLCONDA jetzt erst wirklich entwickeln. Als Teil der Band ist es für mich großartig, dieses Wachstum mitzubekommen. Fast so wie ein schnell wachsender Tumor, der nun seine Metastasen streut...(Anm. Red.: …aber hoffentlich gutartige Metastasen…)

GW: Eure Musik enthält ja auch Elemente vom Melodic Death Metal. Was haltet ihr von den ganzen nordischen Bands wie z.B. Children of Bodom?

Manuel: Obwohl ich die Musik von COB nicht wirklich gut kenne, weiß ich zumindest, dass sie ziemlich bekannt sind. Spontan fällt mir dazu noch IN FLAMES ein, bei denen man wohl nicht umhin kann, dass sie äußerst coole Musik machen. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass bei uns ein spezieller Bezug zu skandinavischen Bands besteht, obwohl aus der Ecke viele talentierte Combos stammen.

GW: Das Konzept auf destination:downfall hat mich an COF´s Alben erinnert, die ja auch gern zusammenhängende Geschichten erzählen. Haben Euch die Alben von COF dazu inspiriert?

Manuel: Das würde ich nicht sagen. Natürlich sind Cradle of Filth was die Lyrics angeht eine herausragende Band, und auch uns ist ja, wie gesagt, das textliche Element sehr wichtig. Allerdings ist der Ansatz ein anderer: Bei Cradle of Filth handeln die Konzeptalben ja doch mehr oder weniger von konkreten Personen, während bei uns eine Stimmung, eine Entwicklung thematisiert wird. Inspiration dafür ist natürlich alles; dass muss keine spezielle Band machen, sondern es reicht, sich in der Welt umzuschauen oder Nachrichten zu sehen. Nichtsdestotrotz fasse ich es mal als Lob auf, uns mit CoF zu vergleichen und bedanke mich dafür! (Anm. Red.: Gern geschehen….und ehrlich gemeint…)

PATH OF GOLCONDAGW: Wie seid ihr auf den Namen "destination:downfall" gekommen?

Manuel: Er ist entstanden als alle Texte geschrieben waren. Es war und ist schlichtweg der aussagekräftigste Titel...

GW: Wer ist für eure Bühnenshow verantwortlich?

Manuel: Wir haben da keinen festen Ablauf geplant, jeder von uns bewegt sich mehr oder minder spontan auf der Bühne. In der Vergangenheit haben wir schon mal den Einen oder Anderen "Special-Effekt" eingebaut, aber solche Ideen entstehen häufig kurz vor dem Auftritt, so dass unsere Show immer ein bisschen unvorhersehbar ist.

GW: Nun bleibt mir nur noch euch viel Spaß bei den nächsten Gigs und viel Erfolg im Hinblick auf den hoffentlich bald folgenden Plattenvertrag zu wünschen! Macht weiter so! Danke fürs Interview, eure Fans werden sich sicher freuen, mal wieder ein paar News über euch zu lesen.


Ursula Kohl für GothicWorld


Review: Album "destination:downfall"

www.pathofgolconda.com