special:

ZILLO-FESTIVAL 2004
16.-18.07.2004 Loreley - St. Goarshausen

"Auferstehung, Mythen und Rausch …"


Zillo Festival 2004... waren die Fixpunkte dieses Festivals inmitten einer der romantischsten deutschen Kulturlandschaften, mit Weinbergen die bis ans Flussufer reichen, verzauberten Örtchen & mehr als 20 Burgen. Das alles & noch einen sagenumwobenen Felsen obendrauf gönnte man sich & seinen treuen Lesern zum Doppeljubiläum.

15 Jahre ist es her, dass die Lübecker Diskothek "Zillo" die Herausgabe seines Independent-Fan-Magazins in Angriff nahm & inzwischen bundesweit zum szeneübergreifenden Referenzmedium wurde.

Zum 10ten Mal, seit den 93er Tagen in Durmersheim werden all die Stars der Fotostrecken & Sampler zur Pflicht auf die Bühnenbretter gerufen. Kein leichtes Unterfangen in rauen Zeiten der stetig hinzukommenden Mitbewerber & grassierender medialer Enthaltsamkeit. Dennoch bot man ca. 8000 Besuchern, nach einem langen Jahr Atempause, geniale Organisation, freundlichstes Security- & Servicepersonal & ausnahmslos DEATHLY GOOD MUSIC!



Zillo Festival 2004Freitagnachmittag, ...
... nachdem die "Ärzte" heute Darmstadt für unrockbar erklärten & dadurch dicke Staus an allen Ein- & Ausfahrten provozierten, wird es Zeit für mich an den nahen Rhein zu kommen. Allein die knapp 40 Minuten Fahrt durch den Rheingau sind wie komprimierter Urlaub, immer dem Flussverlauf folgend steht der Felsen plötzlich vor einem, schiebt scheinbar majestätisch das Tal noch enger zusammen & lockt… oben angekommen & die herzlichen Begrüßungsinstruktionen am Pressecontainer verinnerlicht, liegt das Amphitheater noch überschaubar in der flirrenden warmen Luft. Noch nicht allzu viele Jungfrauen treten in den Wettstreit mit der seit Clemens Brentanos Roman "Godwi oder das steinerne Bild der Mutter" weltbekannten Lore Ley auf. Eine märchenhafte Fantasiegestalt wie man weis & dennoch passend zu diesem Kultort der alten Germanen. Schnell noch ein Bummel durch die Marketender-Zelte & dann zum Treffpunkt mit Kollege Silvio. Doch der kommt nicht… kommt nicht durch all die vielen Ferienstaus seiner fast 1000 km langen Anreise. Also heißt es zunächst allein die angekündigten 4 Newcomer im Contest begutachten. 4 Starter wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten, dies macht den Reiz - auch des Festivals & seines vielfältig gemischten Line-Up's - aus. (IK)

Metalspürhunde18 Uhr & pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk nehmen die METALLSPÜRHUNDE Witterung auf. Kaum erschnüffelten sie prompte Begeisterung für ‚Blut und Spiele' ließen sie im Anschluss ihre Melodien für den ‚Maschinenstaat' von der Leine. Michel Frasse war in einem früheren Leben sicher kein behäbiger Berner-Senn-Hund, er wirbelte über die Bühne & verbreitete sichtlich Spaß mit seinem Industrialrock-Futter. Assoziationen zum deutschen NuMetal kommen hier & da auf, beschränken sich aber nicht auf bloßes auf der Welle reiten. Es ist schwer ein Festival zu eröffnen, erst recht für einen Newcomer. Doch diese hier apportierten sofort ihr Publikum, & soviel sei schon an dieser Stelle verraten, sie packten sich auch verdienter Maßen den Sieg im Contest. Glückwunsch!

MoonriseEine dreiviertel Stunde später, dann MOONRISE aus Hamburg. Ruhiger, schöner Gothic-Rock der geliebten Musikern aus früheren Tagen in nichts an Intensität & Gefühl nachsteht. Auch hier nur positive Reaktionen aus dem Publikum, selbst als sie ‚Das Messer' auspackten… Die reichliche halbe Stunde vergeht wie im Flug & hoffentlich hören wir bald mehr von diesen beseelten Nordlichtern.

Nächster Act, gleicher Aufruf für die Stimmzettel. Die Münsteraner Metaler MOURNING CARESS griffen zur Dampframme. Diese bedienten sie im Stile des 80er Poser-Metals & machten sich nicht viele Freunde. Trotz einem doppelten "Danke, Zillo" nach jedem Song & der persönlichen Widmung ihres letzten Liedes ‚Creative' für den Zillo-Chefredakteur drangen ihre Spielfreunde bei der Mehrheit in der Arena nicht durch. Auch mir ging ein leises "ich weis nicht was soll es bedeuten" durch den Kopf. Doch damit währen wir schon bei Heinrich Heine, dem Zweiten in der Runde der berühmten Loreley Verehrer…

PhiliaeEigentlich sollte jetzt der letzte Act des Contest antreten, doch von der Bühne erklang zur Begrüßung ein "Hallo wir sind ABBA". Jetzt schon Line-Up Änderung? Nein, denn wenn das weiß-pink Geschminkte da vorn nicht Agnetha auf Meskalin war… konnten es nur PHILIAE, ebenfalls aus Hamburg, sein. Schockrock a la Manson, mit Hang zu ausuferndem Spaß an ihrer Musik selbst. Oder einfach nur bitchy Elektro-Punk mit einer Schippe zuviel Gitarren & einer charismatischen Jane Doe am Mikro. Leider sind sie hier nicht siegreich als ‚Golden God' aus der Arena gezogen, verdient hätten sie es ebenso.

Kurz nach 9, langsam fängt es an zu dämmern & ein aufmerksamer Rot-Kreuz-Helfer verteilt Ohropax-Stöpsel an Fans der ersten Stunde vor der Bühne. Wie schon beim diesjährigen WGT waren Kleinkinder im Publikum durchaus keine seltenen Zaungäste mehr. Ein weiterer "Newcomer" entpuppt sich als ganz alter Hasenstall. NFD nennt sich die Schöpfung aus ehemaligen FIELDS OF THE NEPHILIM, THE NEFILIM & SENSORIUM Musikern.‚Break the Silence' wird mit modernem Sampling-Intro erreicht… doch dann huldigt man ungeniert dem Sound Carl McCoy's aufs Feinste. Im Nachhinein würde ich die erst ein Jahr bestehende Band als moderne, logische Fortführung der Fields bezeichnen. Trotz 3, 4 Metal-Riffs & immer wieder ein paar Industrial-Sprenkel glaubte man, einer Session der SISTERS OF MERCY & den FIELDS beizuwohnen. Kraftvoll & melancholisch zugleich beeindruckte Frontmann Peter White (dessen Stimme etwas leise abgemischt war) mit Songs wie ‚Moonchild' & ‚Awaken'.

NFDDie Reaktionen vom Publikum hatten eine Bandbreite zwischen stiller Andacht und tosendem Beifall um zum Abschluss vollends begeistert den dargebotenen Perlen aus der FIELDS-Schatzkiste zu lauschen. Ein wunderschöner Übergang zum ersten Headliner dieses Festivals. UMBRA ET IMAGO, schon eine ebensolche Kultband, waren bereits auf dem ersten Zillo-Festival am Start. Leider durfte ich dem Auftritt von Mozart & seinen Gespielinnen nicht beiwohnen, für alle "Heimscheißer" ging 23 Uhr die letzte Fähre über den Rhein. Doch auf dem Weg nach unten & im Ort selbst konnte man ‚Sweet Gwendoline' deutlich vernehmen. Das Echo im Rheintal ist beeindruckend & scherzhaft sinniert man ob in Darmstadt grad eine Nummer gleichen Namens von den Ärzten läuft… (IK)

NFDTja, was kann ich vom ersten Tag erzählen? Während meiner über elf-stündigen Anfahrt, zweifelte ich schon etwas an meiner anfangs so tollen Idee zum Zillo-Festival zu fahren. Etwa 850 km mußte ich in meiner alten Mühle von Auto zurücklegen, wofür ich auch zurecht von meiner mich begleitenden Freundin fast gelüncht wäre. Etwas später als geplant losgekommen und dann noch in den Stau geraten, kamen wir leider erst nach Mitternacht auf der Loreley an. Die Bands hatten ihr Set alle schon beendet und auch für uns war dieser Abend gelaufen. Erstaunlicherweise hatte das Kärtchenhäuschen noch auf, so daß wir noch unsere Bänder bekamen. Leider sagte man uns, daß der Zeltplatz voll sei, so daß wir unser Zelt auf dem Parkplatz neben unserem Auto aufbauten und unsere müden Körper niederlegten. Das war Tag Eins. Es konnte nur besser werden... (SW)


Zillo Festival 2004Zillo Tach zwo ...
... beginnt mit einem Schmunzeln. Die gesamte Uferpromenade entlang stehen Busse mit Transfer-Schildern für den "ZDF-Fernsehgarten". Wer wird hier wohl wen gruseliger finden? Ein Schmunzeln konnte ich mir noch nicht entlocken, als aufgebrachte Autofahrer mich weckten und dazu aufforderten mein Zelt aus dem Weg zu räumen. Natürlich verständlich, denn ich versperrte die einzige Durchfahrt. Da ich nun einmal hier war, machte ich mich leidlich frisch und pilgerte zur Bühne. Pünktlich um 12 Uhr eröffneten SEROTONINE das Programm. Etwas laut für diese frühe Stunde, aber vielleicht versuchte man damit die noch mager gesäten Besucher zu locken. Die Stuttgarter Band bot gute handgemachte Musik und ohne viel Schnick-Schnack wurde gerockt. Nett, aber für alle, die später kamen: Verpaßt habt Ihr nichts! Ein guter Opener ohne nennenswerte Höhepunkte.

Eine ganz andere Liga betrat mit FAUN die Bühne. Kannte ich sie bis dahin nur von ihren Alben, stellten auch sie unter Beweis, daß diese mittelalterorientierte Musik ihre volle Kraft erst live auf der Bühne entfaltet. Das Münchner Ensemble spielte ihre alten Instrumente wie Dudelsack, Flöte und einiges mehr mit so viel Leidenschaft und Spielfreude, so daß die Musik viel lebendiger und mitreißender als auf Platte klang. Zu recht werden sie als absoluter Geheimtip in der Mittelalterszene gehandelt. Im Gegensatz zu anderen bekannten Bands schaffen sie es ohne unnötiges Gitarrengeschrammel mit eingängigen Melodien, die Leute zum Tanzen zu animieren. Leider begann mit der Musik auch der Regen, was dazu führte, daß einige Leute flüchteten. Trotzdem spielten sie ihr Set und die im Verlauf des Tages mehr werdenden FAUN-Shirt-Träger bestätigten, daß ich nicht der einzige war, dem dieser Auftritt gefallen hat. (SW)

ChamberEin allseits bekannter Herr mit österreichischem Dialekt eröffnete den Nachmittag. Keine Kaffeehaus-Lieder vom schwarzen Kammerorchester… CHAMBER rockt! Max bestellte noch mehr Power auf seinen Monitor & Drummer Christoph Aschauer, nun bereits zum 2ten als Live-Unterstützung dabei, hielt die Taktstöcke fest in seinen Händen. Ja sie klingen anders & ja, es ist nicht nur diese verträumte Atmosphäre durch welche CHAMBER sonst besticht. Aber vorwärts geht's immer & vor solch einer Kulisse wären zurückhaltende Töne vielleicht ‚Miles away' untergegangen. Mir gefiel diese Art des Arrangements außerordentlich gut & irgendwann werden kommende kleine, feine Kammerkonzerte auch als solche Ausnahmen gewürdigt. G'hupft wie g'hatscht, dass sie vielfältig sind, wurde schon oft unter Beweis gestellt & das hier war live, Zillo… wie der inzwischen einsetzende Regen auch verdeutlichte.

[:S.I.T.D:]Mit dem Umbau kam die Sonne wieder & richtig heiß werden sollte es mit dem nun kommenden Act. [:S.I.T.D:] sind inzwischen von keinem großen Event mehr weg zu denken. Heute eröffneten sie etwas ruhiger mit ‚Lebensborn'. Es war ein insgesamt sehr sportiver Auftritt mit gekonnter Rolle rückwärts, Umkleideaktion mit Suicide-Commando-Shirts, auch Tom am Mikro bei ‚Wake Up' einer Remixversion für Psychobitch & weniger martialischem Sound. ‚Rose-Coloures Skies' wurde als sehr persönlicher Titel angekündigt. Trotz sengender Hitze ließen sich die Girlies nicht vom exzessiven tanzen abhalten, die ‚Snuff Machinery' läuft weiter wie geschmiert…

Das IchSpäter Nachmittag & die nächsten Herrn der alten Garde, auch DAS ICH war bereits zur ersten Auflage dieses Festivals dabei. In der Ansage werden all die Welttourneen & exotischen Orte genannt in denen die 3 bisher erfolgreich waren. Stefan gab den rot getünchten ‚Kindergott', Bruno & Kain wechselten wie immer die Positionen im Synthie-Karussell. Härter als auf Tönträgern trugen sie ihre größten Hits vor, um nach ‚Gottes Tod' ein Statement zum Festival & zur Szene abzugeben. Die Wiederauferstehung des einzig wahren deutschen Underground-Festivals sahen sie als Erfolg der Fans, denen sie noch ein pädagogisches "Nein Danke, Nazis & Mainstream" anfügten. Dem abschließende Ruf nach ‚Destillat' wurde weitläufig & wachsender Begeisterung Folge geleistet.

Suicide CommandoDas SUICIDE COMMANDO sorgte danach wieder für Ernüchterung. Johan van Roy machte gleich zu Beginn auf Aggro & warf die Mikrofonständer der Reihe nach um. Den ‚Cause of Death' begleitete erstmals Beam von Feindflug an den Live-Drums. Die ‚Sterbehilfe' beinhaltete fast nur Songs jüngeren Datums & klang entschieden ausgereifter, satter als kürzlich noch auf dem WGT. Passend zur ‚Sick in your Mind' Coverversion von Klinik wurde Johan in eine Zwangsjacke gesteckt. Ein Kleidungsstück in den ihm viele Freunde des handgemachten sehen wollten…

London After MidnightBereits im Vorfeld gab es diverseste Änderungen im Festival-Line-Up, so auch heute… die Crüxshadows wurden auf den Sonntag verlegt & endlich standen Hollywoods schönste Schockrocker auf der Bühne! Eddie Hawkins von LONDON AFTER MIDNIGHT schoss erstmal ein Foto vom Publikum bevor er zur Gitarre griff & Geburtstagskind Sean Brennan den weiblichen Anteil total zur Verzückung brachte. Irgendwie ist das Bild von Deutschland in den Hills noch ein altes, denn ein fast 3 Minuten grüßte ein ehemaliger Führer vom Band. Danach, Glam-Goth-Rock par excellence. Kein Hit der letzten 14 Jahre wurde ausgelassen, selbst ‚Revenge' kam hier nochmals zu Live-Ehren. Nach dem ‚Kiss' kam dann Sean's Frage nach seinem Geburtstagsgeschenk. Der Schönling, der inzwischen auch schon ein Bäuchlein vor sich herschiebt, durfte sich halbwegs über's Geburtstagsständchen vom Publikum freuen & spielte die 2 Songs vom kommenden Album gleich mit viel mehr Schmackes.

BlutengelPünktlich zur Dämmerung trat Jungvolk-Liebling BLUTENGEL auf die Bühne. Über deren musikalischen Qualitäten kann man ja stundenlange Diskussionen führen, aber Live zelebrieren sie immer noch ein anschauliches Konzept mit Feuerwerk, Klischees & weiblicher Nächstenliebe in Perfektion. Die ersten Töne des 2ten Songs ‚Bloody Pleasures' erklangen & eine tiefschwarze Wolke zog über die Arena. Kurze Ansätze eines Sturms & dann goss es wie aus Gießkannen. Sängerin Constanze hatte alle Mühe sich auf der Bühne zu halten, die meisten flüchteten in Richtung mobile Theke, doch die Youngsters trällerten all die blutigen Pophymnen unverdrossen weiter mit. Dem Security-Mann am rechten Bühnenrand schien's nicht geheuer & verleitete ihn wohl zum süffisanten Kommentar: "Blasphemie wird hier umgehend bestraft"! Trotz des Sauwetters bestand das Publikum auf die geplanten Zugaben, auch wenn Chris Pohl etwas scheinheilig fragte, ob man sich dies wirklich antun wolle. Blutengel weg, Regen weg. Das Rheintal erstrahlte Blutrot im Sonnenuntergang…

Alien Sex FiendUnsagbar lange Umbaupause für ALIEN SEX FIEND, die Bühne wurde inzwischen adrett mit Skulls, Spinnennetzen & beschmierten Schneiderpuppen drapiert. Nach einer halben Stunde dann die ersten Töne des Intro's & aus. Hektik bei den Technikern & eine komplette Unit von Mrs. Fiend wurde ausgetauscht & der einzige Auftritt in Deutschland begann erneut. Seit 22 Jahren auf der Bühne & hier von seinen zahlreichen Fans mit Plastikbananen begrüßt, gab Nik Fiend seinen bisherigen Werdegang in dickster Zombie-Schminke zum Vortrag. ‚I Walk The Line' sollte hier wohl heißen, nichts hat sich geändert. Doch erstmals war Slice, der fettleibige Gitarrist im Butcher-Look dabei & verlieh den angestaubten ‚Catch 22' & ‚Now I'm Feeling Zombified' ein Rockimage jenseits der spukigen 80er. Der abgerissene Reverend proklamierte zwischendurch immer wieder mal Thesen aus seiner Version der Bibel, trat Mülltonnen mit Plastik-Knochen & Schädeln um. Diese kickte er dann Beckham-like ins Publikum & ließ sich von nicht enden wollenden psychedelischen Passagen seiner Gattin begleiten. Dieser Auftritt war wohl der am meisten besuchte dieses Festivals & lockte auch kleine Monster aus dem nahen Holland & Frankreich an. Wer will auch nochmals 5 Jahre auf solch ein schaurigschönes Spektakel warten.

Skinny PuppyHeadliner für Freunde des expressiven Industrial/Electro waren kurz vor Mitternacht die Kanadier SKINNY PUPPY. Farbenfroher Wechsel der Jahreszeiten auf einem riesigem Screen begleiteten den ‚Epilog'. Bereits zu ‚dOwnsizer' stieg kurz die zweihalsige Gitarre aus, um danach das Konzert hörbar zu dominieren. Erst zum 3ten Song ‚I´mmortal' begann der "tierische Auftritt" von Nivek Ogre. Das Fabelwesen aus Binden, Patches & Schnabel wand sich schreiend über die Bühne, drückte markanten ‚Pro-Test' aus & wurde mittels BühnenCam immer wieder in die Screen-Inszenierung aus Krieg, Insekten, Explosionen & Leichenteilen `rein geschnitten. Immer noch surreal wirkten die Einlagen wie Kunstbluttaufe fürs Publikum und der Bondage-Einlage mit einem Polizei- Absperrungsband, trotz des in Richtung NuMetal orientierten Sounds. Die filigranen Samples der vorwiegend gespielten Klassiker fehlten bzw. waren trotz erheblicher Lautstärke nicht zu vernehmen. Den spektakulären Abschluss macht der Klassiker ‚The Choke' als Remineszens an altgediente Maggots. (IK)


Sonntag, im wahrsten Sinne des Wortes …
Zillo 2004Die erste Band des Sonntags war für mich ein kleiner Höhepunkt des gesamten Festivals. GÖTTERDÄMMERUNG gaben nämlich ihr einziges Konzert in diesem Jahr und so nutzten einige die Chance die drei Holländer ein mal live zu erleben. Schnell machten sie mit ihrer Interpretation des Sisters-Songs "Good Things" klar, wer ihre musikalischen Vorbilder sind. Die klassicher Besetzung mit Gitarre, Baß und Drumcomputer und das entsprechende Outfit der Herren versprühte einen leicht nostalgischen Charme, der an die goldenen Zeiten des UK-Goth erinnerte. Natürlich durfte die klassische Nebelmaschine dabei nicht fehlen, wodurch zu dieser Tagezeit jedoch nicht so viel Atmosphäre geschaffen wurde, zu mal die Sonne mit voller Kraft schien. So entschloß sich der Sänger kurzerhand das gute Gerät die Treppen hinunter zu werfen. That's Rock ‚n' Roll.

Nach der kargen Bühnenbelegeung von Götterdämmerung füllte sich diese mit der sechsköpfigen Formation AFTER FOREVER. Gothic-Metal in Reinkultur und so gestaltete sich auch der Bühenauftritt nach bekanntem Schema. Mehrere langhaarige Herren stehen breitbeinig da und spielen voller Inbrunst auf ihrer Gitarre. Dazu eine Sängerin, die wild gestikulierend den ihr zur Verfügung stehenden Platz voll ausnutzte. Dabei überzeugte Floor Jansen mit ihrer kraftvollen Stimme, die sich jedoch nur wenig von üblichen Goth-Metal-Frauen-Stimmen unterschied. Faszinierender Weise änderte sich das beim Iron Maiden Cover, bei dem man stellenweise dachte, Bruce Dickinson zu hören. Natürlich durfte der männliche Gegenpart nicht fehlen, der in diesem Falle relativ abwechslungsreich ausfiel. Auch ohne große Innovation war das Publikum von den Holländern begeistert. Insgesamt ein guter Auftritt, der für Stimmung sorgte.

DeathstarsAn dieser Stelle von mir ein kleines Resümee, da ich nach dem Auftritt der DEATHSTARS meine sieben Sachen packte und die Heimreise antrat, da bekanntlich der Montag ein Arbeitstag ist. Auch wenn ich nicht das ganze Festival erleben durfte und mit einigen Widrigkeiten zu kämpfen hatte, wie ein vom Sturm zerstörtes Zelt, war das Wochenende ein voller Erfolg. Nicht nur als Nordländer war ich vom Ambiente der Loreley begeistert und die musikalische Vielfalt war mehr als überzeugend. Von Mittelalter bis Electro, von ganz alten Stars, die man nur noch selten zu Gesicht bekommt bis hoffnungsvollen Newcomern gab es etliche Höhepunkte, die das Festival insgesamt einzigartig machten. Ich hoffe auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr, denn das Zillo hat bewiesen, daß sie immer noch "Von der Szene für die Szene" sind. (SW)

Verwirrung gab's zur Ansage der DEATHSTARS. So würden sie nur ein 30 minütiges Set spielen, obwohl sie länger könnten & sollten. Sie hatten nicht mehr eingeplant & dies war eh der letzte Gig vor der Heimreise ins Studio. Der Himmel weinte kurz & heftig, dann erschien fast die gesamte Band mit freiem Oberkörper & sattem Theaterschminkeanteil in der Gesichtscreme, Basser Skinny war diesbezüglich nicht mehr allein. Er war allerdings der Einzige, der echt morbide Grimassen zog & Spaß am Tribe hatte Whiplasher sang etwas lustlos ins Mikro & bekam sein Dauergrinsen nicht unter Kontrolle. Die ‚White Wedding' Coverversion geriet zur Leiermann-Moritat, so das man sich ernsthaft fragen musste: Billy-Idol-Parodie aus dem Wasa-Ländle oder doch nur ‚Synthetic Generation'?

SchandmaulDanach gab's zum ersten Mal richtig was auf mein SCHANDMAUL. Ich bekenne mich als militanter Verweigerer von Folkrock/Minnesang & war deshalb umso mehr gespannt! Thomas Lindner's Stimme & die poppig verspielten Leadlines erinnerten mich dann irgendwie an Bands wie Pur… nur halt eben mit Drehleier, Dudelsack & Rauschpfeife. Aber wir wollen mal nicht ungerecht werden, denn wohl keine andere Band hatte es hier mit unglaublich mitreisender Spieltechnik geschafft die Massen zu mobilisieren. Weise Sprüche aus dem ‚Teufelsweib' wurden ebenso frenetisch beklatscht wie romantische Geschichten aus der ‚Walpurgisnacht'. Verdienter Maßen wollte man die Spielleute nicht von der Bühne lassen… wenn doch bloß nicht diese "Welle" a la Abenteuerland wäre.

DAFBrotzeit vorbei & endlich D.A.F. Artige Begrüßung der "Jungs & Mädchen" & dann ein Knaller nach dem Anderen! Ehrlich gesagt hatte ich etwas Angst den Helden meiner verschwendeten Jugend zu begegnen, Legenden töten sich meist selbst. Doch ein sich ständig selbst mit Mineralwasser auf'n Kopp motivierender Gabi Delgado zeigte wofür die Vitaminpillen 50+ alles gut sein können. Begleitet von ihrem Live-Drummer Andrew ließen ‚Der Räuber und der Prinz' noch mal die alten Diktatoren tanzen & gewährten Einblicke ins ‚Kinderzimmer'. Robert Görl hämmerte EBM-like in die Tasten & Gabi gab exzessiv seine Bewunderung für die RAF zum Besten. Selbst kontroverse Texte wie "Ulrike Meinhof war für mich als Kind, ein echter Superstar…" lockten keinen besorgten ‚Sheriff' auf die Bühne, der Kultstaus wirkt wie ein Schild. Als Dreingabe wurde der ‚Mussolini' noch mal intoniert & mancher im Publikum war etwas verstört über diese Wiederholung. Geschmäcker sind halt verschieden & für mich war es eine ausgewogene, wohl dosierte Mischung aus unvergesslichen & nicht ganz 15 neuen Liedern.

The CrüxshadowsSchnell noch den Anfang der CRÜXSHADOWS erhaschen… einfach um zu sehen welches Loch der Weggang von Stacy reißen würde. George, der neue Gitarrist ist beleibe kein Grund in ‚Tears' auszubrechen (auch wenn er etwas weniger Sexappeal hat ;) Die Tänzerinnen haben jetzt auch Backgroundvocals parat & Rouge hatte hier wohl den weitesten Weg zum Publikum während ihrer ‚Fortress in Flames' Tour … aufgrund der eigenwilligen Bühnenbauart. Aber, was will man über eine der besten Live-Bands sonst noch Neues schreiben.

Zillo 2004Zeit zum Aufbruch, die neue Woche wartet nicht. IN EXTREMO & WITHIN TEMPTATION werden uns anderswo in diesem Sommer erfreuen müssen.

Dieses Zillo-Festival hat alles auf eine Karte gesetzt & wurde ein triumphales Comeback. Das Line-Up war vielfältiger, das Festival beschaulicher und geruhsamer als die Institution WGT. Ein Wochenende der Superlative & sicher das beste Wochenende in diesem Sommer. Ja sicher es hat wieder geregnet, zwar nur kurz aber das gehört einfach zum Zillo. Gerüchten zu Folge wird die Loreley-Bühne auch im nächsten Jahr wieder Austragungsort. Jeder der es also schon bereut hat hier gefehlt zu haben, bekommt eine neue Chance auf rheinische Weinseligkeit inmitten ausgelassener schwarz-bunter Jecken. (IK)


Bericht: Silvio Wolff & Ivo Klassmann für GOTHICWORLD
Fotos: Ivo Klassmann


www.zillo-festival.de


Wißt Ihr noch wie`s vor zwei Jahr,
es auf dem Zillo-Festival war ?
www.the-gothicworld.de/cdreviews/07-2002/zillo2002.htm