interview:

De/VisionDE/VISION
"... die Majors kannst du sowieso vergessen! Die deutschen Acts sind mehr oder weniger eingestellt worden …"

De/VisionDas schöne an diversen Festivals ist, dass man eh alle üblichen Verdächtigen auf einen Haufen hat, und so ließen wir uns beim diesjährigen M'era Luna nicht die Möglichkeit entgehen mit Steffen und Thomas von DE/VISION zum aktuellen Album "6 Feet Underground" backstage ein paar Worte zu wechseln, was nur gelegentlich durch das lautstarke Dudelsacküben eines Mitglieds von In Extremo erschwert wurde ...

GW: Bereits beim diesjährigen WGT und bei Eurer Frühjahrs-Clubtour habt ihr ja die beiden Songs "6 Feet Underground" und "I'm not dreaming of you" live vorgestellt. Trotzdem hat euer neues Album sicherlich einige überrascht. Wie hoch war für euch diesmal der Erwartungsdruck?

Steffen: Ach Gott? Gar nicht! Wir haben uns gesagt, wie in der letzten Zeit sowieso, wir machen unser Album, wir haben das im Vorfeld mit der Plattenfirma besprochen wie es ausfallen könnte, was wir vorhaben. Das es sehr elektronisch ausfallen wird. Aber wir haben z.B. im Vorfeld mit der Plattenfirma nichts ausgemacht was eine eventuelle Singleauskopplung angeht. Wir wollten einfach nur ein gutes Album produzieren und dann schauen was damit passiert.

GW: Ein befreundeter Musiker meinte mal, dass die schlimmste Zeit vom Release-Datum bis zu dem Beginn der folgenden Tour ist, wo sich ja die Reaktionen des Publikums zeigen. Kritiker und Presse mal abgesehen. Eure Tour geht ja im September los. Inwieweit setzt euch alte Hasen so was noch unter Druck?

Steffen: Naja man ist natürlich gespannt wie das Album nun ankommt. Aber das ist ja nicht der Hauptgrund warum wir Musik machen. Also gerade die letzten Jahre ist es so das wir sehr entspannt an die Sache rangehen.

GW: Also so nach dem Motto ihr kennt das ja schon?

Steffen: Ja klar, wir kennen es. Wir haben positive wie auch negative Erfahrungen gesammelt und deswegen machen wir jetzt einfach unser Ding so wie wir denken. Und die Reaktionen können nur positiv oder negativ sein. Mehr gibt es da nicht für uns. Das kann man dann eh nicht mehr beeinflussen.

De/VisionGW: Wie kam es eigentlich zu dem Titel des Albums "Six Feet Underground"? Welche Bedeutung hat er eigentlich für das Album, oder für Euch, als Thema?

Thomas: Tja, wir hatten eigentlich erstmal nur vor, zum ersten Mal in unserer Karriere einen Song als Albumtitel zu "verwursteln". Das haben wir ja noch nie zuvor gemacht. Und "unputdownable" und "6 feet underground" standen dann halt zur Auswahl, wir haben darüber diskutiert und "6 feet underground" ist es dann halt geworden.

GW: "Unputdownable" ist ja auch blöd auszusprechen?

Steffen: Mag sein!

Thomas: Auf jeden Fall ist es nicht so dass der Begriff "6 feet underground" für das Album oder das Thema dahinter spricht. Das war nicht die Absicht. Es ging einfach nur darum einen Titel auszuwählen der gut klingt, der interessant klingt und der plakativ ist, so wie wir es die Jahre davor auch schon gemacht haben. Das war alles.

GW: Ihr hattet ja schon im Vorfeld angekündigt das "6 Feet Underground" eine Art Schnittmenge aus "Monosex" und "Void" werden soll. War das von vornherein eingeplant oder hat sich dieser Prozess erst beim Songwriting so ergeben?

Thomas: Nee das war erstmal nur so ein Gefühl. Ich glaube es gibt zwei Seelen in uns und unserer Fangemeinde. Die einen favorisieren das "Monosex" Ding, so eher eingängig und poppig und die Anderen mehr das progressive al a "Void", was halt etwas abgefahrener, rauer für unsere Verhältnisse klingt. Tja und wir wollen eben auch gute Popsongs, aber eben auch Songs schreiben die für uns ein bisschen progressiver klingen. So wie das Album dann geworden ist, dass war dann auch kein Zufall. Man schreibt ja einen Song, findet die Idee gut und hört dann auch wo es hingeht und das wird dann eben ausgebaut. Z.B. "I'm not dreaming of you" war von vornherein ein Popsong, der dann gezielt in diese Richtung produziert wurde.

GW: Also dann doch bewusst ...

Thomas: Ja klar! Wenn der Song erstmal steht, dann ist klar in diese Richtung gehen wir jetzt mit diesem Song. Bei "Take me to heaven" war auch klar das er genauso klingen wird, wie er jetzt klingt.

GW: Was hat euch eigentlich bei der Produktion zum Album am meisten beeinflusst? Habt ihr musikalisch irgendwelche Ideen von irgendwoher mitgenommen?

Steffen: Naja, bei mir war es dann schon eine ganz bestimmte Person an die ich dabei gedacht habe. Es war jetzt nicht so, dass ich die ganze Zeit nur daran gedacht habe. Aber hin und wieder und vor allem unbewusst, das es mit dieser Person eben sehr schöne aber auch sehr schlechte Moment gab. Das denke ich, spiegelt sich auch ganz gut in den Songs wieder.

GW: Wie seht ihr die Weiterentwicklung im Vergleich zu den Vorgängeralben "Two" und "Devolution"? Sind Gitarren jetzt Geschichte?

Thomas: Man kann jetzt nicht sagen das ist Geschichte und wird nie wieder passieren. Wir haben natürlich die Gitarren und die Drums auf dem neuen Album stark reduziert, aber das heißt nicht das es in Zukunft auch so bleiben wird. Wir sind einfach gerade in so einer Phase wo uns die Elektronik wieder mehr begeistert, zumindest was unsere eigene Musik anbelangt.

GW: Also vielleicht neue Technik die ihr benutzt habt?

Thomas: Klar! Neue Instrumente, neue Software… das schlägt sich dann natürlich auch in der Art und Weise nieder wie man neue Songs schreibt. Wir fühlen uns der Elektronik im Moment einfach näher als der Gitarrenmusik. Ich würde allerdings nicht beschwören dass das für das nächste Album auch noch gilt. Man weiß es eben nie.

De/VisionGW: Du hast es vorhin schon angesprochen, es gab im Vorfeld keine Singleauskopplung. "I'm not dreaming of you" wäre ja perfekt gewesen.

Steffen: Ja, es war auch so ein Kandidat über den nachgedacht wurde. Daneben gab es noch "Unputdownable". Das Label wollte aber gezielt fürs Radio Promotion machen mit der Single. Tja und dafür ist dann "Unputdownable" nach unser aller Meinung der bessere Song. Nicht für die Clubs, aber eben fürs Radio. Das war eben das Ziel. Mehr im Radio präsent zu sein. Was uns teilweise auch gelungen ist, teilweise mal wieder nicht. Aber das ist ja normal. Es hat uns sowieso überrascht, dass dann überhaupt eine Single ausgewählt wurde um Promotion zu machen. Das war alles nicht geplant.

GW: Gerade bei Clubs ist es ja wichtig!

Steffen: Ja schon, aber es gab auch schon Phasen wo Sachen ausgekoppelt worden sind und die Resonanz dann nicht so war, wie sich das Label das vorgestellt hatte. Wo dann eben auch zurückgefahren wurde, weil irgendwie muss man ja auch wirtschaftlich gucken ob es läuft, oder eben nicht. Ja und so wie es jetzt läuft, ist es teilweise ganz gut, teilweise aber auch wieder überhaupt nicht nachvollziehbar.

GW: In irgendeinem Interview habt ihr mal scherzhaft gesagt, dass ihr alle zwei Alben den Produzenten wechselt. Dann wäre es ja jetzt wieder an der Zeit?

Thomas: Wäre laut Statistik jetzt der nächste Schritt. Aber das wird diesmal nicht passieren, wir werden wohl auch das nächste Album noch mit Josef Bach aufnehmen. Wir sind mit ihm der Arbeit seines Teams absolut zufrieden. Die haben ein gutes Gefühl für unsere Musik, es läuft menschlich alles sehr prima, sehr pflegeleicht, also gibt es absolut keinen Grund sich einen neuen Produzent zu suchen.

De/VisionGW: Am 30. August wird von eurem alten Management eine Doppel DVD "Pictures of the past" veröffentlicht. Jetzt habt ihr zum gleichen Termin noch die "Unplugged and the Motion Pictures" angekündigt. Wie kommt es zu dieser Veröffentlichungsflut?

Steffen: Ja diese "Unplugged and the Motion Pictures" kommt ja aus dem Hause Drakkar.

GW: Das ist dann also die offizielle… ?

Steffen: Das ist die "offizielle" von Drakkar. Ja und dann gibt es halt noch die andere.

GW: Das stört euch aber nicht?

Steffen/Thomas: Nöö! (lachen)

Thomas: Muss man dazu auch nicht sagen. Klar es überschneiden sich ein paar Videos, aber es ist ja nicht komplett das Selbe!

GW: Welchen Stellenwert haben eure Texte gegenüber der Musik?

Thomas: Also ganz klar, die Texte müssen auch zur Musik passen. Das ist dass was für mich im Vordergrund steht. Es gab auch mal Zeiten da wer mir der Inhalt wichtiger als heutzutage. Nicht dass mit der Inhalt nicht mehr wichtig ist, aber für mich ist das im Laufe der Jahre mehr so ein Gesamtding geworden. Nicht nur der Inhalt zählt, sondern auch die Wortwahl ist wichtig. Und auf solche Sachen nehme ich heutzutage mehr Rücksicht als ich es noch vor 10 Jahren gemacht habe.

GW: (zu Steffen) Früher hast du ja auch Texte geschrieben!

Steffen: Ganz früher! (allgemeines lautes Lachen)

GW: Das überlässt du jetzt ganz Thomas?

Steffen: Ja klar, bin ich auch ganz glücklich mit. Ich hab ja nun schon genug mit den Songs an den Backen die ich schreibe und jeder soll auch einfach das ausleben was er am besten kann. Und Thomas schreibt in meinen Augen einfach die besseren Texte. Warum soll ich dann also nen Egotrip fahren und sagen: Nö ich will aber auch Texte schreiben. Nur weil ich jetzt der Sänger bin.

GW: Mit "Klangmonaut" gibt es auch ein Instrumental auf dem Album, ist der Song eher spontan im Studio bei ner Art Session entstanden, oder war das von vornherein so ohne Text geplant?

Thomas: Das war der erste Song den wir für das Album geschrieben haben. Dann war es der erste Song den ich als Single B-Seite gesehen hätten. Da wir dann aber keine Single geplant hatten, wollten wir ihn trotzdem mit auf das Album packen.

Steffen: Es gab zwar ein paar Diskussionen ob man nicht doch einen Text dazu schreibt, aber für mich war er eigentlich von Anfang an als Instrumental geplant.

Thomas: Es wäre wirklich ne gute Gesangsmelodie gewesen.

Steffen: Aber da hab ich mich dann mit meinen Vorstellungen durchgesetzt. Es sollte halt ein Instrumental sein.

De/VisionGW: Welches sind denn überhaupt eure Favoriten auf dem neuen Album?

Steffen: Ach Gott…

Thomas: Es gibt so viele… "Take me to Heaven" ist eines meiner absoluten Favoriten… also für mich stehen irgendwie immer die atmosphärischen, balladesken Songs im Vordergrund… aber so ein schöner Popsong wie "Unputdownable" den mag ich natürlich auch.

GW: Was denkt ihr welcher von den Songs am meisten im Club gespielt wird?

Thomas: Keine Ahnung!

Steffen: Nee wissen wir wirklich nicht!

GW: Du legst ja ab und zu auch selber auf. Legst du auch eigene Songs auf?

Steffen: Jetzt bei den Releaseparties hab ich das gemacht, aber ansonsten lege ich eigentlich keine eigenen Songs auf. Ich sehe mich nicht so als Promoter in dem Sinne. Das sollen dann mal die anderen DJs machen. Ich will dann lieber Songs spielen die mir persönlich gut gefallen und nicht noch die eigenen Songs.

GW: Uns Musikredakteure gefällt es ja gar nicht so, aber auf der "Six Feet Underground"-Promo ist wieder mal alles gnadenlos ausgefadet worden. Tut manchmal richtig weh, bei so klasse Songs … Aber immer mehr Labels müssen halt auf die Art vor den Tauschbörsen im Internet kapitulieren…

Thomas: Ja aber nun darf man ja nicht vergessen warum die Labels so was machen. Einfach deshalb weil es unter den Redakteuren ne ganze Menge schwarze Schafe auch gibt, die dann die Sachen über Ebay oder sonst wo ins Internet stellen. Da muss man dann auch an die Wirtschaftlichkeit denken und solche Beschneidungen hinnehmen.

Steffen: Eigentlich haben wir es auch noch gut gelöst. Es gibt andere Bands die machen dann Buzzer oder Ansagen rein… wir haben einfach die letzten anderthalb Minuten oder so immer ausgefadet, damit der Gesamteindruck an sich aber noch erhalten bleibt.

De/VisionGW: Seht ihr dann das Internet eher als Gefahr oder als Chance für Künstler?

Thomas: Immer Beides!

Steffen: Ohne Internet würden uns wahrscheinlich in Russland oder Amerika keine Leute kennen und wir könnten da auch keine Konzerte geben können. Man kann sich durch das Internet weltweit besser vermarkten. Es hat natürlich auch Nachteile. Da es immer wieder Leute gibt, die der Meinung sind dass Musik umsonst ist. Ich kann aber immer wieder nur dran appellieren, ich kann verstehen wenn ihr sagt die CDs sind zu teuer… aber wir fahren mit unserem Label fahren glaube ich im Moment einen ganz guten Kurs. Wir bieten das Album jetzt schon seit 6/7 Wochen bei Amazon für 12,99€ an. Es gibt Onlineshops mit denen wir zusammen arbeiten wo das Album für 12,95€ angeboten wird. Und ich denke das ist ein guter Preis und nen bisschen Geld könnt ihr ja schon für uns ausgeben. Und wenn das Preisleistungsverhältnis stimmt dann kann ich nicht nachvollziehen warum Leute sich das trotzdem halt aus dem Internet saugen.

GW: Ich finde es halt wichtig das es immer wieder gesagt wird.

Steffen: Klar Snippets und so mp3 stellen wir auf unsere eigene Homepage um die Leute mit dem neuen Material vertraut zu machen. Aber ich sage auch immer, Leute passt auf, sonst habt ihr bald ein paar Bands weniger am Start. Selbst ein Label wie Drakkar hat zu kämpfen. Große Flops können die sich nicht leisten. Wenn da zwei Dinger in die Hose gehen macht der Laden dicht!

De/VisionGW: Ihr seid ja nun auch schon eine ganze Weile im Geschäft. Glaubt ihr das heutzutage für junge Bands der Einstieg schwerer geworden ist?

Thomas: Ja, auf jeden Fall!

Steffen: Ja! Also die letzten Jahre sind extrem schwer geworden…

Thomas: Wenn man jetzt nicht gerade bei "Deutschland sucht den Superstar" mitmacht!

Steffen: Sagen wir mal so, ich kenne teilweise die Verträge die abgeschlossen werden… es ist erschreckend. Ich weiß nicht wie die Bands sich dabei überhaupt entfalten sollen. Ich denke ein Label muss schon ein bisschen Geld investieren um eine Band aufzubauen. Aber die wenigsten haben halt Lust… also die Majors kannst du sowieso vergessen! Die deutschen Acts sind mehr oder weniger eingestellt worden… Ich bin froh das wir damals angefangen haben Musik zu machen.

GW: Gesetzt den Fall ihr müsstet noch mal komplett von vorne anfangen, was würdet ihr dann anders machen als damals?

Steffen: Ach Gott… Es gibt ein paar Dinge die wir anders machen würden, aber die behalten wir lieber für uns! (lacht)

Thomas: (lacht nur)

GW: Habt ihr in den letzten Jahren eigentlich mal daran gedacht mit dem Musikmachen aufzuhören und etwas ganz anderes zu machen?

Steffen: Ich habe kurzzeitig daran gedacht aufzuhören, ja! Das war halt die Trennung mit Marcus wo ich halt gesagt habe, wenn ihr der Meinung seit es funktioniert nicht mehr, ich kann gerne gehen. Ob ich dann komplett mit der Musik aufgehört hätte weiß ich nicht…

Thomas: Also ich kann bis heute nicht verstehen das du tatsächlich ne Pornokarriere starten wolltest.

Steffen: Ja weiß ich auch nicht warum! (lachen beide)

GW: Und was hättest du dann gemacht?

Steffen: Ich wäre erstmal weg, also untergetaucht. Vielleicht mal ganz weg, komplett raus, irgendwo ins Ausland oder so. Kann sein dass ich mich da irgendwo als Einsiedler betätigt hätte…

Thomas: Einsiedler?

Steffen: Einfach mal weg. Also wirklich aus Deutschland weg, das hatte ich mir kurz vorgestellt.

GW: Dann sind wir doch froh dass ihr immer noch da seid und schöne Musik macht. Gibt's noch irgendwas das unerwähnt blieb, das ihr noch loswerden möchtet?

Steffen: Nöö!

Thomas: Ja, schönen Gruß an alle! Wir sehen uns hoffentlich auf Tournee im Herbst …

De/Vision Mera Luna-AutogrammstundeGW: Steht der Support schon fest?

Thomas: Das war eine sehr spontane Entscheidung diesmal, wir haben eine englische Band GREENHOUSE, die waren schon bei MESH Support, da haben sie aber noch Instrumentalmusik gemacht. Jetzt haben sie ne Sängerin am Start… also wir persönlich finden es gut und mal gucken wie es die Leute annehmen.

GW: Dann freuen wir uns auf die Tour und die Show heute natürlich. Vielen Dank fürs Interview, viel Erfolg fürs Album.

Steffen/Thomas: Ja vielen Dank auch!


Sir Ritchie für GothicWorld

Review: "6 Feet Underground"

www.devision-music.de