CD-REVIEWS:

Kollaboration    Feindflug "Kollaboration"
Picture-LP (Black Rain)

KollaborationEs hat den Anschein, als ob die Aspekte zwischen Kunst & Provokation nach wie vor populäre Geschmackssache sind & die Aufmerksamkeit auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit immer noch von unterschiedlich starker Intensität ist. Während Scharpings Lüge über vorgebliche Massaker zwischen Serben und Albanern als "Hufeisenplan" eine basisdemokratisch abgesegnete militärische Intervention nach sich zog, wird das Paradebeispiel dieser perfiden Politik vom 10.08.1939 verdientermaßen geächtet. FEINDFLUG erinnern nachhaltig, dass der gegenseitige Beschuss nicht nach 5.45 Uhr aufhörte, auch nicht an den Heimatfronten. Relativ geringe politische Aufmerksamkeit erfahren das rechtlich elektrisierende Möbelstück der USA & die de facto noch existierende Todesstrafe im Bundesland Hessen in der "öffentlichen Meinung". Mit sehr viel mehr Druck wird über extralegale Enthauptungen im Irak berichtet. Der Stellenwert eines Genozids wird doch im Wesentlichen durch Medien "gemacht" & durch unterschiedliche Kollaborationen diktiert. Müßig deshalb zu erwähnen, dass Feindflug erneut auf dem Cover explizit um Differenzierung & Nachdenklichkeit zum Thema 3tes Reich & seine Bedeutung in der aktuellen Politik bitten müssen. Den Deutschen wird seit damals vorgeworfen, sie hätten aus Selbstschutz eine Lebensform des Halbwissens, Schweigens & Wegsehen kultiviert. Der Chemnitzer Fliegerhorst will dem martialisch entgegenwirken & wird dennoch stets anders interpretiert als z. B. ein Guido Knopp. Trotz durchgestrichenem Hakenkreuz & einem wehrhaften Mütterchen-Russland-Motiv werden die meisten eine unbedachte Hysterie wegen des Sturmmann-Ölschinkens auf der Rückseite nicht unterdrücken können. Genial provokativ ausgewähltes Artwork & markerschütternde Samples, welche wohl heute schon wieder als "entartete Kunst" angesehen werden könnten.

Die moralischen Zeigefinger bleiben dennoch bitte unten, dass Argument mit "verbürgten Greueltaten" den Absatz ihrer Erzeugnisse zu beschleunigen trifft ebenso manch "Rechtschaffenden". Beispiel gefällig? Ein Lieferant vom dioxinhaltigen "Agent Orange" war der deutsche Chemiekonzern C.H. Boehringer. Dessen damaliger Vorstand war Richard von Weizäcker, Vorsitzender der Evangelischen Kirchengemeinden Deutschlands & späterer Bundespräsident. Im "Spiegel" schätzte Weizäcker das Produkt damals so ein: "Solange der Vietnamkrieg dauert, haben wir keine Absatzprobleme."! In Hamburg starben derweil 115 kontaminierte Arbeiter des Konzerns bei der Produktion dieses Giftes, weitere 23 begingen Selbstmord. Wer käme jemals auf die Idee diesen Erich-Kästner-Presseclub-Preisträger von 2003 als ‚Tötungsmaschine Mensch' zu bezeichnen?! Jede Medaille hat ebenso wie Vinyl zwei Seiten…

FeindflugMan erinnert sich, um zu vergessen, lautet eine der Thesen Freuds. Deutsche wählen am liebsten eine Form der Erinnerung, die dem Vergessen sehr nahe kommt. Es ist die Erinnerung als angenehmer Zeitvertreib. Dem wird die quasi zweite "Best-Of-Auskopplung" nach 1/St.G.3 [Phase2] vollends gerecht. Die Tracks stammen in der Mehrheit vom Hirnschlacht-Longplayer & die genial implizierten Sequenzen aus Film & Volksreden bekommen zum stampfenden Beat noch eine dicke Ration Clubtauglichkeit. Eigentlich Frevel dieses Remix-Dauerfeuer als Picture-Vinyl streng auf 555 Stück zu limitieren. Kein DJ wird gegen sein Sammlerherz handeln & ‚Selbstsucht' in der Version der Schweizer "Jesus and the Gurus" auflegen. Gerade dieses Stück hebt sich genial durch Gitarreneinsatz & Glockenspiel von den anderen ab. Genau so wollte ein Rob Zombie schon immer mal rocken! Das ‚Faustrecht' setzt Ronny Jaschinski's Projekt "Polarlicht 4.1" mit weniger drastischen Regeln im Drumming durch. Sein schon verspielter, hypnotischer Beat verdeutlicht den Wahnsinn eindringlicher & angenehmer als das Original. "dAvantage" nahmen 'Roter Schnee' die Längen & die Elegie, hier zuckt & windet sich Paulus 6. Armee nicht nur alle 7 Sekunden aufs heftigste, bevor sie ins Massengrab verschwindet. Giftiger Efeu kann nicht gegen das eigene ‚Leitbild' ankommen & die ‚Schmerzgrenze' ist mit dem gleichnamigen (bisher unveröffentlichten) Track erreicht. Der bietet leider nur eine Ansammlung von Altbewährtem. Einen äußerst sauberen ‚Kopfschuss' lösen Lee Lauer & Karen King aka "Killing Orphelia" (Sideproject von Aslan Faction) aus. Dieser Opener der Black-Rain-Geburtstagstorte fasziniert durch Karen's klagenden Gesang im Kontrast zur Helm-&-Asche-Anklage. Ein Stilmittel, welches Felix, Banane & Beam als Bereicherung für kommende Outputs sehen sollten. Für diese wird's nach der Tour aber auch langsam Zeit. Also dann Hacken zusammen & wegtreten…


Ivo Klassmann für GOTHICWORLD


Tracklist:
A1. Kopfschuss (RMX by Killing Orphelia)
A2. Leitbild (RMX by Ivy Cyclone)
A3. Selbstsucht (Judgement Day Mix by Jesus and the Gurus)
A4. Geständnis (RMX by I.P.X.)
A5. Feindflug (RMX by Feindflug)

B1. Roter Schnee (RMX by dAvantage)
B2. Faustrecht (RMX by Polarlicht 4.1)
B3. Tötungsmaschine Mensch (Dead Man Dancing RMX by Tactical Sekt)
B4. Schmerzgrenze (RMX by Feindflug)
B5. Leitbild (Speed RMX by Feindflug /1997)


www.feindflug.info