special:

SUMMER DARKNESS FESTIVAL
13.08. -15.08.2004, Utrecht / Holland

"Im Westen nichts Neues?"


Dark SummerIn einem Klassiker der Weltliteratur, nämlich dem Roman von E. M. Remarque, ist das nicht als Frage sondern als Feststellung manifestiert. Zwei unserer Redakteure begaben sich nun also erneut an die Westfront um der Frage nachzugehen, wie sich die holländischen Nachbarn denn speziell musikalisch geben.

In einem Land, das den meisten von uns nur durch seine bekloppten Schuhe tragenden und wohnmobilfahrenden Einwohner bekannt ist, das über eine ähnlich erfolglos spielende Fussballnationalmannschaft verfügt wie unser grossdeutsches Heimatland und in dem Käse, Tulpen sowie vorgefertigte, einzeln verpackte Joints ebenso wie Pommes angeboten werden. Ebenso, wie es bisher durch die Entwicklung von noch bekloppteren Fernsehshows auffiel.

Vorurteile sind dazu da um ausgeräumt - oder eben auch bestätigt - zu werden, also zog es uns nach Utrecht zu dem zweiten Mal stattfindenden "Summer Darkness". Zwischen beschaulichen Grachten, den typischen, niederländischen Häuschen, nicht weit voneinander entfernt und somit durchaus zu Fuß zu erreichen, verteilte sich das Programm auf drei Clubs. Die Running Order im Vorfeld versprach kaum nennenswerte Überschneidungen, aber das Leben wartet immer mit Überraschungen auf, so auch in Holland...



Freitag, 13.08.2004

Dark Summer

Eigentlich der Tag, an dem schon die ersten Bands (ANGEL THEORY, PZYCHOBITCH, ATROCIY, LEAVE'S EYES, ANGELS & AGONY, ...) spielten, aber wer schon mal versucht hat, sich mit dem Auto in einer typischen, holländischen Stadt mit ihren kleinen Gassen links und rechts von Grachten, Kreisverkehren und der dementsprechenden Verkehrsführung zurecht zu finden, ahnt das Schicksal der beiden Frontberichterstatter. Mehrmals gnadenlos verfahren, irgendwann endlich Presseausweise bekommen, im Hotel eingecheckt, gaben wir nach anderthalbstündigem Umherirren in den dunklen Gassen, inzwischen durch sinnflutartigen Regen mehr als nur durchnässt, völlig überfordert und müde auf. Mit dem festen Vorsatz dies am nächsten Tag durch besonderen Kampfeifer wieder wett zu machen begaben wir uns, noch einen Absacker trinkend (denn besoffen wird man von DEM Bier nun wirklich nicht!); ins Bett. (Wie sagte Dennis Hopper in "Blue Velvet" schon so treffend? "Fuck Heineken!"). Freitag, der 13. verfehlte seine Wirkung also nicht.


Samstag, 14.08.2004

Der Tagesbeginn versprach in erster Linie schon mal strahlenden Sonnenschein, was die beiden Redakteure dazu brachte, ihrem fortgeschrittenen Alter nicht wirklich entsprechend, recht früh auf den Beinen zu sein, um die notwendigen Wege zu den Locations zu Fuß zu erkunden und als erstes festzustellen, dass die Veranstaltungsorte nicht nennenswert weit auseinander lagen und man am letzten Abend im Regen und in der Dunkelheit, immer haarscharf am anvisierten Ziel vorbei spaziert war.

Im Tivoli De Helling wurde dann erwartungsgemäß ab 13:00 zurück geschossen, denn die Kampffront aus amerikanischen, britischen und deutschen Electroacts versprach dröhnende Beats und hämmernde Samples vom Feinsten, zumal sich die Chemnitzer Angriffsformation FEINDFLUG angesagt hatte...

HIOCTAN, elektronisches Störkommando aus Rostock, eröffnete den nachmittaglichen Electro-Clash mit reichlich Verspätung, vermutlich um Zeit zu gewinnen, denn das "Black Rain"-Rollkommando mit FEINDFLUG, KILLING OPHELIA, PSYCLON NINE und ASLAN FACTION stand mitten im Stau, so dass sich alle nachfolgenden Auftritte zeitlich verzögerten. Vom ersten Ton an hatten Sänger Michael und Keyboarder Thoralf mit ihren an SUICIDE COMMANDO und HOCICO angelehnten Sound das Publikum gut im Griff, ohne dabei jedoch zu glänzen. Nette Endzeitelektronik halt, aggressiv, düster und mit der nötigen Durchschlagskraft ausgestattet, aber ohne die alles vernichtende Wirkung, die beispielsweise PSYCLON NINE im weiteren Verlauf des Festivals an den Tag legen sollten.

Killing OpheliaWährend die Bühne für den nachfolgenden Auftritt von KILLING OPHELIA bereitet wurde, hatte mittlerweile Johan van Roy (SUICIDE COMMANDO) hinter dem DJ Pult Platz genommen und feuerte eine Industrialbreitseite nach der nächsten ins Auditorium. Als die Briten KILLING OPHELIA dann ihren Auftritt begannen, hieß es für uns nur noch den ungeordneten und panikartigen Rückzug anzutreten oder zu hoffen, dass die sich rechts und links auf der Bühne befindlichen Palmen zu einem undurchdringlichen Dickicht verdichten würden, der jedes Geräusch und jede Bewegung des Duos verschlucken würde. Musikalisch nicht sooo schlecht, war es vor allem der wirklich schlechte Gesang von Karen King, der uns Reißaus nehmen ließ. Will man dem Auftritt KILLING OPHELIAs wenigstens etwas Positives abgewinnen, so war es die optische Ähnlichkeit von Sängerin Karen zu Siouxsie Sioux, die uns wenigstens temporär an die Sternstunden der britischen Goth-Bewegung erinnerte und die Tatsache, dass die Dauer des Sets aufgrund der oben geschilderten Verspätung extrem verkürzt wurde.

Bei PSYCLON NINE hieß es dann für uns, verlorenen Boden zurückzugewinnen, denn die vollkommen durchgeknallten Amerikaner Marke CINEMA STRANGE meets HOCICO verwickelten das Publikum in eine unüberschaubare Anzahl von Grabenkämpfen und hatten mit einer Reihe von Rohrkrepierern in den eigenen Reihen in Form von technischen Defekten mit DAT und Mikro zu kämpfen. Umso aggressiver ging das Trio mit jedem neuen Song zu Werke und hinterließ mit seinem knapp dreißigminütigen Set verbrannte Erde. PSYCLON NINE scheinen in Holland extrem angesagt zu sein, denn das Tivoli De Helling platzte fast aus allen Nähten und die Holländer gingen wirklich steil auf diese packende Form von "Brüllwürfelelectro" und "Endzeit-Industrial" ab. Aber die scheinen eh auf alles zu tanzen… doch dazu später mehr. Die Zugabe, die PSYCLON NINE spielen durften, jedenfalls war redlich verdient und mehr als nur eine gewonnene Schlacht.

Die nachfolgenden ASLAN FACTION erwartete nach den bärenstarken PSYCLON NINE nun ein Himmelfahrtskommando und Skepsis machte sich breit, als KILLING OPHELIA-Keyboarder Lee Lauer erneut sein Equipment aufbaute und sich erste Befürchtungen breit machten, die erbarmungslose Guerilla-Taktik der Briten würde ihre Fortsetzung finden. Doch ASLAN FACTION sind von einem ganz anderen Kaliber und so stampfte Sänger Anthony Mather in bester "German Tank"-Manier über die Bühnenbretter und machte erst gar keine Gefangenen. Stakatomässig hämmerten die Beats durch die PA, zuckte das Stroboskopgewitter und Anthony Mather ließ keinen Zweifel über die Ernsthaftigkeit seiner musikalischen Mission aufkommen. Die durch die Verspätung dann doch stattfindende Überschneidung zwischen FEINDFLUG und ROSA CRUX ließ uns im Vorfeld eine schwere Entscheidung treffen. Wir verließen den Frontabschnitt De Helling zugunsten des Tivoli Oudegracht in der Hoffnung, die Kameraden von FEINDFLUG ein anderes Mal an der Heimatfront zu sehen, um uns den bisher noch nie in Deutschland, und eh extrem selten auftretenden Franzosen von ROSA CRUX zuzuwenden.

Rosa CruxROSA CRUX existieren bereits seit 1984 und bezeichnen sich nach eigener Aussage ganz bescheiden als "Performances". Auf der Bühne stand links ein riesiges Glockenspiel, davor ein Flügel, der aber neben normalen Tasten und Hämmern auch etliche elektronische Spielereien und Sampler enthielt, ein Mikrophonständer und das kurz als BAM bezeichnete Drumensemble. Musikalisch treten ROSA CRUX zu dritt auf, mit Oliver Tarabo als Sänger und Gitarristen, Claude Feeny am Flügel und Glockenspiel, Amelle Payen am Doublebass und eben BAM an den Drums. BAM (Batterie Acoustique Midi - Acoustic Midi Drumkit) ist ein automatisches, elektromagnetisches Konstrukt, eine Maschine, die auf etlichen Pauken, Trommeln, Becken etc. spielt und von Oliver Tarabo konstruiert und so entwickelt wurde dass sie von einer einzigen Person alleine gespielt werden kann. Außerdem verwenden ROSA CRUX noch so obskure "Instrumente" wie das "Rats Hurdy-Gurdies", eine Ratte in einem Laufrad, das sich über gespannten Violinenseiten drehen soll, aber zumindest an diesem Abend hatte die Ratte keine Lust und wurde glücklicherweise auch zu nichts gezwungen. Zudem gab es noch eine Tänzerin und einen Tänzer, die fahnenschwingend, oder beim "Dance De La Terre", sehr eindrucksvoll auf einem Steinblock sitzend, das Publikum und sich selbst mit Sand bewerfend agierten.

Rosa CruxDie Musik von ROSA CRUX kann man vage als eine Mischung aus Mittelaltersounds, Industrial, Klassik, Kirchenmusik, psychedelischer E-Gitarre und einem ungalublich charismatischen Gesang bezeichnen. Gerecht wird man ihr damit natürlich nicht. Von der musikalischen Perfektion und Herangehensweise, dem Bombast, der Dunkelheit, und sakralen Art erinnern die Franzosen etwas an ELEND, von der morbiden Optik in ihren Symbolen und der Videoperformance, vor allem auch dem Glockenspiel, gar an SOPOR AETERNUS. Aber auch das sind alles Vergleiche die hinken. In der Symbiose aus Performance, Videoshow, Lightshow und Musik kann ich jedenfalls nur eins sagen: "Ich habe so etwas noch niemals vorher gesehen!" Und alleine dafür hätte sich die Reise nach Holland gelohnt. Wann kommt dieses Projekt mal zum WGT? (unter www.rosacrux.org kann man die Truppe schon für knappe 1000Euro buchen und die sind jeden Cent wert! Vielleicht rufen wir hier mal zu einer Sammelaktion auf?)

FaunDermaßen optisch und akustisch wirklich erschlagen stellte sich die Frage, was denn danach noch kommen sollte. Nun, es waren die Mittelalterclowns von FAUN, die ebenfalls aus Deutschland stammen und natürlich, wie sollte es anders sein, neuerdings auch mit Elektronik und Samples arbeiten. Herrjeh, langsam habe ich den Eindruck, dass der gesamte Markt der Mittelaltercombos nur noch von Kelly Family Clonen überschwemmt wird. Jungs und Mädels, die einst in zerißenen Klamotten in Fußgängerzonen und auf Trödelmärkten spielten, dabei dann auch schon mal von der Polizei vertrieben wurden um dann irgendwie auf die (heute wirklich nicht mehr innovative) Idee zu kommen etwas modernes Instrumentarium in ihre sonst so auf Authentizität bestrebte Philosophie zu bringen um dann gar einen Plattendeal nach dem anderen an Land zu ziehen. Ok, wer auf derartige Musik steht, für den waren FAUN durchaus nicht schlecht. Mitreißend, tanzbar, manchmal melancholisch ... wobei ich eh den Eindruck hatte, dass das holländische Publikum echt nach allem tanzt. (Doch dazu später mehr!) Was mich an der handwerklich wirklich nicht schlechten Performance eigentlich am meisten gestört hat, war das debile Grinsen der beiden Frauen, die nicht nur diverse, schlenkernde Tanzschritte andeuteten, sondern auch gar lustig mit dem Kopf wackelnd, immer fröhlich die Darbietung jedes Musikantenstadls oder Kirchenchores um Längen schlugen. Auf was für Drogen waren die eigentlich, dass sie die ganze Zeit über so festgetackert Grinsen konnten? Man möchte sie "Mittelalterposer" nennen.


CombichristDanach, für die durch ihren Unfall verhinderten Mexikaner DULCE LIQUIDO, sprangen, sehr eindrucksvoll von VNV Nation Schlagwerker Mark angesagt, COMBICHRIST ein. Von der Running Order her schien es mir im Vorfeld eher ein Missgriff zu sein, denn danach sollten ja die "Könige der Spielleute" folgen und somit hätten COMBICHRIST wohl eher in den anderen Frontabschnitt (De Helling) gepasst. Nun, wer diesen Teil nicht erleben konnte, der bekam hier einfach noch mal eine Zusammenfassung. Vielleicht war das auch der Grund, denn nach dem Side-Project von ICON OF COIL's Andy LaPlegua konnte man wirklich keinen Electro mehr hören. Laut, agressiv, stampfend, schwitzen, voller Agression und mit Testosteron nur so um sich spritzend, hämmerten die Beiden alles in Grund und Boden, das es eine wahre Freude war und man den Eindruck hatte wirklich dem totalen Vernichtungskrieg beizuwohnen. Nach diesen gut sechzig Minuten hätte eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen stehen dürfen. Optisch wurde das Ganze perfektioniert durch den im Hintergrund auf einer Leinwand ablaufenden Drogenfilm "Spun" der die kaputte und destruktive Atmosphäre, mit seinem Wechsel zwischen Realfilm, Slow Motion, Zeichentrick, abartigen Kameraperspektiven und fast wahnsinnigen Schnitten auf die Spitze trieb. Im Hintergrund (genauer hinter der Leinwand) hatten die Roadies zumindest die Zeit genutzt, während COMBICHRIST vorn alles niedermähten, das komplexe Instrumentarium von CORVUS CORAX aufzubauen.

Corvus CoraxSo gestaltete sich die Umbaupause als erstaunlich kurz und dann traten sie auf, die selbsternannten "Könige der Spielleute", wobei dieser Titel durchaus gerechtfertigt ist. Kaum eine andere Band ähnlicher Couleur agiert live vergleichsweise so laut, bunt und perfekt wie die Berliner. Ihr abenteuerliches Sammelsorium an Pauken, Fanfaren, Dudelsäcken, Schalmeien, Flöten und anderen lustigen Sachen erzeugt einen Sound, der einerseits authentisch, aber auch sehr druckvoll und modern daherkommt und selbst nach dem von COMBICHRIST vorher erzeugten totalen Krieg noch standhalten konnte. Lichttechnisch ebenso perfekt wie musikalisch, gingen wir aber trotzdem schon während der Darbietung mit klingelnden Ohren ins Hotel zurück. CORVUS CORAX sind gut, aber wir haben sie mittlerweile oft genug live gesehen.


Sonntag, 15.08.2004

Der nächste Tag unseres Fronteinsatzes brachte uns in den Abschnitt den man in Anlehnung an George Lucas Special Effect Schmiede schon "Industrial, Light & Magic" nennen möchte. Im sehr kleinen Club "Ekko" gab sich das schwedische Label Cold Meat Industry die Ehre, im Gefolge gleich vier Bands, die genau das machen, was eigentlich unter Industrial zu verstehen ist. Nein, liebe Spätgeborenen, die ihr die ersten Kampfeinsätze an der musikalischen Industrial-Front nicht erlebt habt, und die man fast als "Zivilisten" anschreien und zum "Stillstehen" bringen möchte! NINE INCH NAILS sind kein Industrial! Ihr "Glatten"!! Industrial das ist genau das, was einst bei Acts wie THROBBING GRISTLE begann und an diesem Nachmittag endlich mal wieder eindrucksvoll erlebt werden durfte.

SanctumAls erstes dargeboten von SANCTUM, die nach immerhin acht Jahren mit ihrer neuen CD "Let's Eat" im Gepäck zum Fahnenapell antraten und ein beängstigendes, aber gleichermaßen faszinierend, verstörendes und ruhiges Universum aus Samples, industriellen Klängen, Soundcollagen, Rhythmen und musikalischen Brüchen schufen; von zwei Sängern, die nicht nur durch den Vocoder oder Verzerrer brüllten, sondern auch leisere, fast sakrale Töne anschlugen, verstärkt. Ein gelungener Auftakt, der, wie auch bei allen nachfolgenden Bands, durch eine Videoprojektion unterstützt wurde.

Coph NiaDie nächste Angriffswelle übernahmen dann COPH NIA, deren industrielle und vor allem auf CD eher ruhige und sakrale Soundlandschaften live ganz gehörig von einem Drummer verstärkt wurden, der endlich auch mal wieder so richtig in die Felle schlug. In der Mischung aus rezitativen, sehr expressiven männlichem Sprechgesang, streckenweise elfengleicher, weiblicher Unterstützung, den Sounds und den Trommeln, wurde eine dermaßen hypnotische Atmosphäre erzeugt, die einem schlicht den Atem verschlug und einen in seinen Bann zog. Höhepunkt des Auftritts war die Rolling Stones-Coverversion "Sympathy With The Devil", die selbst den Belzebub in der Hölle erzittern ließ, sowie das unglaublich packende "Holy War". Nichtsdestotrotz wurde übrigens auch hier vereinzelt im Publikum getanzt. Aber dazu später mehr.

In Slaughter NegativesAus der Reserve, sozusagen als dritte Angriffswelle, traten dann die Industrial-Pioniere IN SLAUGHTER NATIVES auf das Schlachtfeld. Wie bei den Vorgängern wurde die Musik auch hier eigentlich nur mit Hilfe eines Apple Laptops erzeugt, der Bedienende tat diesmal auch gar nicht erst so, als würde er großartig rumhampeln, sondern saß ganz ruhig in seinem Schützengraben, die ideologische und strategische Rückendeckung bildend für einen Sänger, der sich ganz alleine mit freiem Oberkörper und in Tarnhosen schier die Seele aus dem Leib kämpfte. Vergleichsweise ruhig, streckenweise ambienthaft, bauten IN SLAUGHTER NATIVES düstere Klangwelten auf, die zwar verzerrt, aber trotzdem eher verhalten vorgetragen, wie der dunkle Leichenwind über dem längst stillgewordenen Schlachtfeld dahin zogen. Man musste schon aufpassen; dass man in diesen Wolken musikalischen Kampfgases nicht bewusstlos wurde oder sich in dieser abgrundtiefen Finsternis verlor, aber in einer derartigen Konsequenz, mit der die Beiden ihren hypnotischen, kaum abwechselnden Industrial vorantrieben, war das schon einzigartig. Soviel Dunkelheit ließ einen schnell vergessen, das draußen eigentlich noch die Sonne schien. Umso schöner die Sonnenstrahlen, die uns dann wärmend empfingen.

RAISON D'ETRE, die nun nachfolgten, waren nach dem düsteren und intensiven Inferno IN SLAUGHTER NATIVES' und dem Trip in die Abgründe der menschlichen Existenz keine Alternative mehr für uns, trotz des unbestrittenen Kultstatus der Band.

Über SCHANDMAUL, AFTER FOREVER und IN EXTREMO haben wir in der jüngeren Vergangenheit oft genug berichtet, so dass wir voll der gewonnenen Eindrücke unserer ganz persönlichen "Kriegsberichterstattung" den Weg in die Heimat antraten

Dark SummerFazit: Das "Summer Darkness" war ein kleines, sehr gelungenes Festival, das vor allem dadurch glänzte mit Bands aufzuwarten, die man sonst nicht so sehr zu Gesicht bekommt, da sich alle anderen Veranstalter zu sehr auf die vermeintlichen "Headliner" verlassen. In beschaulicher Atmosphäre, wie sie eben die holländischen Städtchen verbreiten, mit einer gehörigen Portion Gemütlichkeit, aber auch Gelassenheit, was eventuelle Mängel anbelangt. So ähnlich muss das Wave Gotik Treffen mal angefangen haben. Anfangs- und Öffnungszeiten werden nicht so ernst genommen, der "Gothicmarkt" in der Innenstadt besteht aus gerade mal fünf Ständen, die Clubs sind klein und überschaubar somit auch die Szene. Die meisten Leute hat man eigentlich ständig wieder gesehen und wieder erkannt. Das bringt mich dann auch darauf, dass die Grenzen in der holländischen "Gothicszene" dann doch eher noch fließender sind, so wie sie es hier vielleicht in der "Ach so guten alten Zeit" auch mal war. Und vor allem tanzen die Holländer zu ALLEM!

Zu Industrial, zu Mittelalter, zu Electro ... in den Pausen zwischen den Gigs nach der Mucke vom DJ, egal was er spielt ... immer sieht man die selben tanzfreudigen Mädchen und Burschen sich im Kreise drehen ... was mich zur der Vermutung brachte, dass die Holländer wahrscheinlich auch zu einem Ventilator, in den man Skatkarten gesteckt hat, oder zu einem nervös auf dem Schreibtisch geklopften Bleistift tanzen würden. Ja, ich weiß, Holländerwitze sind doof, der war nicht besser und in eine Frontberichterstattung gehört das auch nicht rein. Einen ganz großer Kritikpunkt an diesem Sommermanöver muss man allerdings anbringen: die Entfernung ist für etliche Bundesländer Deutschlands, vor allem von NRW aus, nun wahrlich in einem Tagesmarsch mit schwerem Sturmgepäck zu bewältigen. Wo also waren sie? Die Deutschen? Es wäre schön, wenn sich nächstes Jahr noch viel mehr Kameraden an diesem hervorragenden Sommerfestspielen beteiligen und den auftretenden Acts somit ihre Darbietung noch mehr verschönern würden. Denn das wissen wir nicht erst seit MM!

Wenn wenige auf der Bühne stehen, denen viele zujubeln, dann ist das Sport, Reichsparteitag, Manöver, Musik ... und vor allem sehr geil! Für alle Beteiligten ... fragt Eure Grosseltern!


Michael Kuhlen & Thomas Sabottka für GOTHICWORLD
Mehr Bilder von diesem Event gibts bei OBLIVEON

www.summerdarkness.nl