CD-REVIEWS:

Perfect Life    LEVINHURST "Perfect Life"
CD (Greengalactic/ Fullcontact)

LevinhurstGerücht Nummer 1:
Laurence "Lol" Tolhurst, Schulfreund von Robert Smith und Gründungsmitglied bei The Cure soll wegen zu tiefen Blicken in die Flasche Anfang der 90er bei The Cure gefeuert worden sein. Angeblich soll er oft so besoffen gewesen sein, dass man ihm bei Konzerten bunte Punkte auf die Tasten seines Keyboards kleben musste, damit er weiß, welche Taste bei welchem Titel zu drücken sei.

Gerücht Nummer 2:
Die Nachrichtenagentur AP meldete jüngst, amerikanische Wissenschaftler hätten entdeckt (immer wenn irgendein nutzloser Scheiß entdeckt wird, waren es amerikanische Wissenschaftler), dass Alkohol die Leistungsfähigkeit des Gehirns steigert.

Beide Gerüchte fließen in dem Fakt zusammen, dass Lol Tolhurst gemeinsam mit Cindy Levinson - daher LEVINHURST - ein musikalisches Projekt ins Leben gerufen hat und ein Album namens "Perfect Life" vorlegt. Melodisch so simpel, dass bunte Punkte auf dem Keyboard nicht nötig sind aber doch so gut, dass man den amerikanischen Wissenschaftlern gerne glauben möchte.

Ganz grob umschrieben bekommt man hübsche, lichtgraue Popsongs á la "Let´s go to bed" oder "Lovecats" abzüglich Gitarre, abzüglich Bass und abzüglich Schlagzeug, eben reinstes Tolhurstsches Keyboardwasser. Dazu eine Frauenstimme, die relativ hoch und sehr gleichförmig - um nicht zu sagen interessant gelangweilt - klingt. Abwertend befand mein Kumpel Werner: "Grufti-Fahrstuhlmusik". Aber es ist weitaus mehr. Das stark reduzierte, minimalistische musikalische Konzept schafft eine entspannte Ruhe und Raum für ungezügeltes "den Gedanken hinterher hängen". Die Retro-Elektroklänge erinnern zuweilen an Vince Clark und dennoch ist das Werk vollständig zukunftstauglich. Vermutlich liegt es daran, dass die Klänge eben genial einfach sind und somit ohrwurmtauglich und einfach genial.

Während manche Songs, wie z. B. "Let´s go" relativ verspielt daherkommen, bietet das Werk durchaus dunkle, melancholische Töne ("Sadman" und "Lost"). Erstaunlich, dass die Titel nach hinten raus immer besser werden: "Behind me" und "Perfect life" sind großartig und das letzte Stück "More/Mad" ist schlicht wundervoll und im Zusammenspiel von Musik und Stimme das intensivste und stimmigste.

Nach dem ich anfangs nur neugierig war, was aus dem alten Cure-Frickel geworden ist, kann ich nun sagen, dass ich ihn auch um seinetwillen gern anhöre. Und das ist doch schon was.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracks:
01.Vinti
02.Let's Go
03.Sorrow
04.Sadman
05.Lost
06.Insomniac
07.Despair
08.Hope
09.Behind Me
10.Perfect Life
11.More/Mad


www.levinhurst.com