CD-REVIEWS:

Blut und Spiele    METALLSPÜRHUNDE
"Blut und Spiele"
CD (Klangfang)

MetalspürhundeWoran liegts, dass das Album der Schweizer Band METALLSPÜRHUNDE, obwohl Ende 2003 veröffentlicht, erst jetzt einer Review unterzogen wird? Vielleicht breitet sich die sagenumwobene schweizerische Langsamkeit langsam auch auf den nördlichen Nachbarn aus - oder, wie die namensgebenden Minensuchhunde der Amis in Vietnam tasten sie sich nur langsam vorwärts… (Anm. der Redation: "nene, das Album lag bei uns etwas länger im Stapel, sorry!")

Genug gequatscht, zum Teil ist es meine Schuld, ich schieb die Review seit beinah ewig vor mir her. Aus gutem Grund: Ich weiß nicht, was soll es bedeuten! Ich weiß nicht, warum Leute, die dem ATARI ihre ersten Töne entlockten im Zeitalter von Gigahertz und sauteuren Soundkarten noch genauso klingen, wie Anno Schießmichtot. Ich weiß nicht, warum Musiker ihre Blutgruppe samt Rhesusfaktor im Cover angeben, es sei denn als Beweis, dass sie am Morgen noch selbstständig aufstehen statt gebootet zu werden. Ich weiß nicht, warum man das Gemisch aus DAF (die besseren der schlechten Stücke), Das Ich, Rammstein und unnötiger Brutalität überhaupt auf CD pressen muss.

Wirklich selten habe ich so belehrend vorgetragene Nichtigkeiten um die Ohren bekommen wie hier. Die gesammelten Nichtigkeiten und Plattheiten der trotzigen Generation werden herausgeschrieen und mit noch trotzigerer Elektromucke verquirlt. Der Hinweis auf dem Waschzettel, die METALLSPÜRHUNDE seien in der Top 25 der meistgespielten Bands des Radio Goethe vertreten, spricht nicht für Radio Goethe.

Ganz der digitalen Welt verschrieben, die, zur Erinnerung, ja nur aus Nullen und Einsen besteht, sind auf dem "Blut und Spiele" betitelten Werk von METALLSPÜRHUNDE genau zwei Stücke, die es wert sind, genauer und vor allem lobend erwähnt zu werden. Titel 01 und Titel 11. Das erste Stück "Fragmente" klingt im Gegensatz zu den anderen Stücken gewollt nach 80er-Elektro und ähnelt in Geschwindigkeit und Art des Gesangs schnelleren DAF-Titeln. Die Melodie ist angenehm eingängig und treibend. Das tanzbare Lied hat einen einprägsamen und ausnahmsweise intelligenten Text und auch unter tausenden Elektrostücken einen hohen Wiedererkennungswert.

Titel 11 "Probes" ist ein extrem atmosphärischer Titel in dem statt des rauen Männergesangs die angenehme Frauenstimme von Alev Emine zum Tragen kommt. Dicht an Siouxie Sioux zwingt sie der Musik ihren Willen auf und formt sie passend zum Gesang. Was vorher ein belangloses, oft völliges Nebeneinanderher von Gesang und Musik ist, verschmilzt hier zu einer wahrhaft schönen musikalischen Einheit. Zudem ist die Instrumentierung so ganz anders als auf dem Rest der CD: Gitarren und ein echtes (?) Schlagzeug. Da auch der Text in Englisch ist, passt dieser Titel so garnicht auf das Werk, macht es aber fast als einziger hörenswert.

Wären nicht diese beiden Stücke auf der CD, ich würde sie meinen CD-Spürkatzen zum Fraß vorwerfen.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracks:
01. Fragmente
02. 2003
03. Blut & Spiele
04. Rattenfaenger
05. Ganz Allein
06. Teenage Years (feat. Alev Emine)
07. Maschinenstaat
08. Anyones Daughter
09. Heute Nacht
10. Lass Mich Los
11. Probes (feat. Alev Emine)
12. Maschinenstaat (Galeerenmix)
13. Ganz Allein (Remix)


www.mshunde.ch