interview:

MORTIIS
"... dahinter stecken absolut menschliche Gefühle!"

MortiisAnlässlich seines neuen Albums "The Grudge" ist der geheimnisumwitterte Tausendsassa MORTIIS wieder unterwegs auf deutschen Bühnen. Der "kleine Mann mit dem Hang zur kosmetischen Chirurgie und extravagantem Make-Up" läutet mit seinem neusten Werk die "Era3" ein und einige Veränderungen sind schon offensichtlich zu sehen und zu hören. MORTIIS scheint erstmals als so etwas wie eine feste Band zu existieren und gehen dabei noch deutlich aggresiver zu Werk als es noch von dem Vorgänger "The Smell Of Rain" der Fall war. Ob ich das nun gut oder schlecht finden soll, hab ich den Meister hinter der Maske selber gefragt.

GW: Zunnächt möchte ich dir zu dem neuen Album "The Grudge" gratulieren, mit dem du die Era3 von MORTIIS eingeläutet hast und es sich mit diesem Album einige Veränderungen abzeichnen. So scheint es mir daß MORTIIS mit diesem Werk zum ersten mal viel stärker als Band zu verstehen ist als als MORTIIS als einzelne Person. Erzähl doch bitte etwas zu der Erstehungsgeschichte eures neuen Albums.

MortiisMortiis: Vielen Dank zunächst und du hast schon recht, ich hab mich bisher auch noch nie so Teil einer Band gefühlt und daß will bei mir schon was heißen. Ich hatte zwar schon immer Musiker um mich herum, schon alleine live könnte ich ja niemals alles alleine machen was ich haben will. Aber diesmal war wirklich so, daß die Jungs die hinter MORTIIS stehen sich hunderdprozent eingebracht haben und auch alles zusammen passte.

So richtig klar war das Konzept zu Beginn nicht. Ich wollte schon den eingeschlagenen Weg von "The Smell Of Rain" weitergehen, aber gleichzeitig auch härter und agressiver wirken. Mittlerweile habe ich viel dazu gelernt, beherrsche die ganze Software besser, wodurch wir schon die Kontrolle besser im Griff hatten, als zur Produktion zu "The Smell Of Rain". Dazu kam, daß wir, wie du sagtest als Band ziemlich gut zu funktionieren scheinen.

GW: Im Vergleich zu "The Smell of Rain" klingt das neue Album wesentlich härter aber auch konsequenter und durchdachter. Der elektronische Charakter wurde beibehalten und verfeinert, aber man hat durchaus den Eindruck, daß ihr Spaß an der Sache hattet und ordentlich losgerockt habt?

Mortiis: Klar hatten wir viel Spaß, oder glaubst du in Norwegen gehen die Trolle in den Keller zum Spaß haben? Wir wollten, wie gesagt direkter und agressiver klingen und das ist es doch geworden, oder? Und eben wissen wir mittlerweile, wo wir drehen müssen, damit es so rüber kommt, wie wir es haben wollen.

MortiisGW: Einzig eine Ballade wie "Everyone Leaves" von eurem letzen Album "The Smell Of Rain" habe ich vermisst? Das waren die Part von eurem 2001er Album der mich an meisten beeindruckt hat, weil man das so von MORTIIS bisher nicht erwartet hatte.

Mortiis: Ja, ich weiß was du meinst, aber gerade das Lied das du ansprichtst, hatte einen ganz besonderen Background, damals. Auf "The Grudge" gibts kein solches Stück weil das Feeling nicht dazu da war und sowas einfach nicht einzureihen war. Mal sehen, sicherlich wird es früher oder später auch wieder sentimentalere Klänge geben. Die Zeit kommt garantiert, wo es auch mir wieder richtig dreckig geht, damit so ein Song wieder rauskommt. Ich denke, da ist es wie im Leben, wenn es den Menschen am Dreckigsten geht, treibt es sie zu Meisterleistungen oder mich eben zu solchen musikalischen Gefühlsausbrüchen.

GW: Welchen Stellenwert haben für dich die Texte gegenüber oder zusammen mit der Musik und woher nimmst du die Inspiration dafür?

Mortiis: Die Texte sind uns verdammt wichtig, denn sie machen doch die ganze Szenerie des jeweiligen Songs aus. Das ist die Story, die Message, das ist Thema. Die Musik baut die entsprechende Athmosphäre dazu auf und eins geht ohne das andere nicht. Und das ist das was ich zu sagen habe und ich habe nicht das Gefühl, daß nur ich so denke.

GW: Welche Songs auf "The Grunge" empfindest du für dich selbst als besonders gelungen?

Mortiis: Oh, das kann ich kaum beantworten, denn da gibt es ein paar Songs die etwas schwieriger hinzukriegen waren, da ist man vielleicht etwas mehr befriedigt, das so hingekriegt zu haben. Aber das wechselt bei mir sowieso nach Stimmung gerade, irgendwie hat alles seinen Sinn auf dem Album.

GW: Deine Musik unterliegt einem stetigen Entwicklungsprozess und überrascht mit jeder Veröffentlichung aufs neue. Wie sieht es mit der Person dahinter aus? Man kennt nur diesen geheimnisvollen Eigenbrödler, der seine Gefühle hinter seiner Maske verbirgt und man oft das Gefühl hat, daß dieser Mensch mit der Welt eigentlich längst abgeschlossen hat.

Mortiis: Da wird ein Haufen Mist geschrieben, ob ich überhaupt irdisch wäre und so Scheiß, was solls ich hab mir das Pseudomym einfach mal ausgesucht und leb damit weiter. Ich bin mir nicht sicher, ob ohne meine Ohren alles anders hätte laufen können. Bei all den Gerüchten, die über die Person MORTIIS grasieren, dahinter stecken absolut menschliche Gefühle. Ich bin einfach ich, so einfach ist das.

MortiisGW: Welche Veränderung bei den ganzen Neuerungen mit "The Grudge" sind für dich persönlich die wichtigte?

Mortiis: Das Gefühl, daß wir auf einem guten Weg sind und mit etwas mehr Power hoffentlich den Nerv der Fans erwischt zu haben. Das ist das worauf wir hinarbeiten und das wird sich auf der Tour dann offentlich auch so herausstellen.

GW: Eine Veränderung ist mir noch aufgefallen, denn es gibt zum ersten Mal eine Vorabsingle von MORTIIS. Wie kommt es zu dieser neuen Strategie?

Mortiis: Gut das war letzlich die Entscheidung unserer Plattenfirma, die versuchen den Song in die Clubs zu bringen. Mir persönlich faszinierte die Möglichkeit Remixes anfertigen zu können, die Dinge aus anderer Sichtweise sehen zu lassen.

GW: Zum Titelstück habt ihr in New York auch ein Video gedreht, magst du ein wenig drüber verraten?

Mortiis: Ja wir haben zusammen mit Charlie Deaux in New York den Clip zu "The Grudge" gedreht. Da es einfacher war, die Geschichte bei Charlie vor Ort zu drehen, da dort seine Crew ist. Ich hätte mir auch einen coolen Drehort in nächtlichen London oder irgendwo in Norwegen denken können, aber so ist es eine abgedrehte Horrorshow in New York geworden.

MortiisGW: Ich schätze dich als alles andere als oberflächlich ein und als jemand der sich selbst oft selbstkritisch hinterfragt. Gab es in deiner musikalischen Laufbahn auch Zeiten, in denen du die Musik am liebsten hingeschmissen hättest und was völlig anderes anderes gemacht hättest?

Mortiis: Aber sicher, jeden Tag! Natürlich mußt du dich als Künstler Tag für Tag mit Sachen außeinandersetzen, die dir eigentlich nur an deiner kreativen Kraft zehren wie Vampiere. Zeit die du viel lieber für deinen Sound hättest. Aber das Geschäft gehört nunmal dazu und man muß ziemlich clever sein heutzutage.

GW: Falls du, warum auch immer nocheinmal komplett von vorne anfangen müsstest mit derer musikalischen Karriere, was würdest du diesmal völlig anders machen?

Mortiis: Die Frage ist schwer, gerade für mich, der einfach nur seine Maskerade hätte lassen müssen. Eigentlich ist es immer die gleiche Intuition der ich folge und so viel anders als mein Weg verläuft, kann es eigentlich kaum laufen.

MortiisGW: MORTIIS sind ab Ende September auch in Deutschland auf Tour sein, was kann der Besucher erwarten?

Mortiis: Agressivity! 100% Agressivity! Ich denke wir werden Euch direkt ins Gesicht springen und dann läufts.

GW: Und was wird die nähere MORTIIS-Zukunft bringen, irgendwelche konkreten Pläne oder unerfüllte Träume?

Mortiis: Darüber mach ich mir jetzt noch gar keinen Kopf! Jetzt habe ich mit aller Kraft auf das Album und auf die Tour hingearbeitet, jetzt sind die Würfel gefallen und ich bin bereit. Ihr hoffentlich auch!


Sir Ritchie für GothicWorld


Review: "The Grudge"

www.mortiis.com