CD-REVIEWS:

Finkenauer    FINKENAUER "Finkenauer"
CD (Add On Music)

Ein seltenes Gefühl: Man hört eine aktuelle Produktion und es fallen einem Namen ein, die man seit Jahren - ach was, Jahrzehnten - aus gutem Grund verdrängt hatte. Weiß noch jemand, wie der Sänger jener schlichten Zeilen war: "Immer mehr, immer mehr, immer mehr und der Wind weht wieder übers Meer…"? Genau, Herwig Mitteregger. Der Name dieses zu Recht vergessenen Barden leuchtete grell vor meiner Zirbeldrüse auf als ich die CD zum Soloprojekt von Pascal FINKENAUER (Kopf der "Hardelektroniker" JAW) zum ersten Mal hörte. Drum herum spukten die Namen der ostdeutschen Musikikone SILLY und der echt bekloppten Typen von ECHT. Ganz falsch lag ich nicht, wie mir meine Recherchen bestätigten, schon der SPIEGEL (Spiegel-Online, 16. Oktober 2004) wusste folgendes zu berichten: "Dabei mag beim ersten Hören der gerne zwischen Pop-Bombast, Elektro und modernem R&B pendelnden Songs die eine oder andere Assoziation mit bundesrepublikanischen Gefühlsmusikanten wie Xavier Naidoo oder Herbert Grönemeyer aufkommen."

Die Wortschöpfung "bundesrepublikanische Gefühlsmusikanten" ist ganz groß, das Werk von FINKENAUER ist es nicht. Aber warum denn nun nicht? Zum einen, weil es klugscheißerisch intellektuell daherkommt, mich einlullen will mit verquasten Gedanken á la: "Ausgehend von dem Ich in der Zweierbeziehung und dem Versuch, darin ein Wir zu schaffen, landet man unmittelbar im Gesellschaftlichen. Das, was in einer Zweierbeziehung gelingt, kann auch in größerem Kontext funktionieren, so wie man auch das, was man in einer Liebe anprangert, auf die gesamte Gesellschaft ausweiten kann." (Zitat Finkenauer). Dass das Private politisch ist, wusste schon Ulrike Meinhof - das ist nicht neu, nur mit mehr Worten ausgewürgt.

Zum anderen ist die Musik hinter den Texten der permanente Versuch die längst ausgetretenen Wege des Deutschpops der 80er Jahre posthum zu asphaltieren. Mitteregger und Tamara Danz haben ihr Zeugs nicht anders vertont. Entlarvender als die Aussagen von FINKENAUER selbst kann kein Verriss sein, deshalb zum Abschluss noch mal er selbst: "Denn Popmusik kann alles und kann auch alles sein. Es geht darum, ganz bewusst Spaß zu haben." (Zitat Finkenauer)

Ostzonenbewohner (I am selbst born in the GDR!!!), die der früh verstorbenen Danz hinterher trauern oder Leute die es doof finden, dass Mitteregger seinen tantiemengeschwängerten Bauch in die Sonne hängt, finden hier eine musikalische Heimat. Menschen, die wissen, dass es nicht darum geht Spaß zu haben, sondern zu überleben und nicht irre zu werden in dieser Welt sollten lieber einen Spaziergang machen.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracks:
01.Wir schreiben die Gedichte neu
02.Feuer
03.Völlig egal
04.Danke
05.Wind rückwärts
06.Im Park
07.Wieder mal
08.Wenn Du mal gehst
09.Spiegel
10.Oh, meine Freunde
11.Ändern
12.Gedichte


www.pascalfinkenauer.com