livereport:

MACHINE HEAD + GOD FORBID. + CALIBAN
02.11.04 - Hamburg, Markthalle

Machine Head„Hasse noch ne Karte übrig?“. Verzweifelte Gestalten vor der Hamburger Markthalle, wie schon beim letzten Mal haben es die amerikanischen Jungs geschafft den Laden komplett auszuverkaufen. Bei langsam einsetzendem Nieselregen wirkte die endlich von einer auf zwei verdoppelte Einlassmöglickeit der Markthalle als Wohltat.

Drinnen angekommen. Die Schlange vor der Garderobe ist nicht weniger lang, die vor dem Bier glücklicherweise aber schon. Und da das Thermometer hier erfahrungsgemäß recht schnell gen abnormaler Temperatur strebt, tut man gut daran Flüssigkeit zu bunkern.




CalibanDie neuen Labelmates der Großen, die Ruhrpott Metalcoreler CALIBAN eröffneten auf dieser Tour. Pünktlich standen die Jungs um ihren wie immer geschminkten Schönling Andy D. auf der Bühne. Und da haben sie sich bei vielerorts gelobten Labeldebut „The Opposite From Within“ so ansehnlich viel Mühe gegeben coole Gitarrensounds zu zaubern, so stehen sie auf der gossen Bühne und man hört davon - nichts. Über dem Kopf zusammengeschlagene Hände des Tontechnikers bestätigen auch optisch den Eindruck eines unterirdisch schlechten Sounds. Die Gitarren lassen sich also höchstens erahnen, dies bessert sich im Laufe des Gigs nur wenig. Andy agiert mir gewohnt ausladender Gestik und aufgerissenen Augen auf der Bühne, seine Spielchen sind bekannt. Aus seinem von jedem Auftritt bekanntem Aufruf zur Wall Of Death wird ein „Mäuerchen des Tödchens“ wie eine Umstehende mit Blick auf den kleinen harten Kern aus wilden jüngeren Fans vor der Bühne bemerkte. CALIBAN live konnten mich noch nie so überzeugen wie auf CD, an diesem Abend schmälerte aber in erster Linie der Sound den Auftritt der immer souveräner werdenden Jungs.

God Forbid.Ganz anders dann die amerikanischen GOD FORBID. Bei einem deutlich besseren Sound nahm die Band um den dunkelhäutigen Frontbären Davis schnell die ganze Bühne in ihren Besitz. Kaum eine Sekunde stand jemand dort still, ihre Musik scheint dafür gemacht, live ordentlich Arsch zu treten, die Bühnenpräsenz der Jungs ist phänomenal. Mit teils derbem Thrash und dann wieder hochmodernen Parts rockten sie die Markthalle wie aus dem Lehrbuch. Eine ihre Hymnen, „Judge The Blood“ klingt aus dem Mund ihres Sängers wie ein knallendes Hardcorestatement der Anfangszeit, sie schaffen es wie nur wenige Bands ihre Power derart zu kanalisieren und anzustecken, auch wenn nicht jeder ihre Songs kennt. Immer wieder klatschte das Publikum begeistert mit um dann wenige Sekunden und einige fiese Breaks des guten Drummers später, völlig aus dem Takt zu kommen. Die zu erwartenden Bush-Hasstiraden blieben am US-Wahltag genauso wenig aus wie eine Rock´n Roll-artige Vorstellung der Band. Davis, Bassist - „Big Frog In Da House“ - Outcalt oder der neben Davis am aktivsten mit dem Publikum interagierende Gitarrist Coyle zogen ein wahres Feuerwerk ab, das verdammte Laune macht, sodass man ihnen selbst die Feuerzeug-Hardcore-Romantik bei einem ihrer letzten Songs gutmütig abnimmt. Metal! Antesten!

Machine HeadSubtropisch ist untertrieben. Das Wasser fließt von den Wänden, die Temperatur liegt noch höher als unlängst bei IN FLAMES. Ausverkauft und noch mehr, ein Drängen und Drücken, der Weg zum Bier dauert ewig. Groupies besetzen die ersten Reihen und dann kommt er. Rob. Rob Flynn. Das gleiche Bild wie beim letzten Konzert, ein bekanntes Intro und die bekannten Hits vom Opener „Imperium“ über „The Blood, The Sweat, The Tears“ bis hin zum live unglaublich fetten „Bulldozer“ .

Machine HeadMACHINE HEAD sind in Deutschland Superstars, Rob genießt es sichtlich gefeiert zu werden, lobt das Hamburger Publikum über den Klee und die enthusiastisch feiernden Fans kriegen genau was sie wollen. Auch wenn Gitarrist Demmel penetrant seine Einsätze verschläft, wird jeder Song von hunderten Kehlen mitgegröhlt, Kerle mit nackten Oberkörpern moshen sich die Seele aus dem Leib. Etwas zu routiniert wirkt der Zugabenblock: Angefangen mit „Descend The Shades Of Night“, gefolgt vom Alltime Smasher „Davidian“, am Ende mit „Creeping Death“ (METALLICA) der Anfang eines Coverreigens. Das erinnerte doch arg an ihren letzten Auftritt in der Hansestadt. Wenige Takte aus LED ZEPPELINs „Staiway To Heaven“ geleiteten die begeisterten Fans nach draußen. Wo es auch regnete. Und wo die Schlange vor der Garderobe nicht kürzer war. Völlig egal, es gab kaum Gesichter die nicht beeindruckt und zufrieden in die Nacht strömten.


Torben ( metal-inside ) für GOTHICWORLD
( mehr Bilder bei www.metal-inside.de )