interview:

SAMAEL
"Oberflächlichkeit ist nicht unser Ding."

Samael

Jahre mussten SAMAEL warten, ehe sie den Nachfolger "Eternal" von 1999 auf uns loslassen konnten. Ein Rechtsstreit mit der ehemaligen Plattenfirma zwangen Vorth & Xy zur Zwangspause. Verstarkt mit Mas am Bass und dem zweiten Gitaristen Marko konnte man nun mit dem Label Regain Records im Oktober 2004 endlich das neue Album "Reign Of Light" an den Start bringen und freut sich auf die kommende Tour.

Doch SAMAEL verbrachten die lange Zeit gewiss nicht mit Däumchendrehen, da war ja die Tour mit Cathedral letztes Jahr und die DVD "Black Trip". Und das Rätselraten um das vermeintliche "Era One"-Album. Sänger und Gitarrist Vorth klärt auf ...


SamaelGW: Ihr wart ja auf Grund Eurer Streitigkeiten mit Eurem ehemaligen Label leider gezungenermaßen eine ganze Weile weg vom Fenster. Euer letztes Album "Eternal" erschien ja bereits 1999. Zwischenzeitlich war da zwar noch die DVD von Century Media, aber ich kann mir vorstellen, daß ihr ziemlich happy seid, endlich mit einem neuen Album aufwarten zu können?

Vorph: Natürlich sind wir das! Es war keine leichte Zeit, aber nun ist das alles abgehakt und wir blicken nach vorne.

GW: Es gab ja einige, die SAMAEL bereits totgeglaubt hatten. Hattet ihr in dieser schlimmen Zeit selbst einmal ans Aufhören gedacht?

Vorph: Was SAMAEL angeht ja, denn die Situation erschien uns oftmals als ausweglos. Mit der Musik können und wollten wir nie aufhören und haben zwischenzeitlich, ein Projekt namens ERA ONE ins Leben gerufen, um die Möglichkeiten für Alternativen auszuloten. ERA ONE ist musikalisch etwas anders gelagert als die Musik von SAMAEL, mehr elektronisch und wir haben ein Album im Kasten, daß wir nächstes Jahr veröffentlichen wollen.

GW: ERA ONE wurde letztes Jahr ja zunächst als SAMAEL-Albumtitel gehandelt ...

Vorph: Ja, das war aber wohl ein Mißverständnis und hat sich nun ja geklärt. ERA ONE ist ein Projekt, aber es ist doch eng mit SAMAEL verbunden. Xy hat die ganze Musik geschrieben, ich steuerte alle Texte bei, und wir brachten alles zusammen, aber eben ruhiger, elektronischer und ich habe auch viel mit meiner Stimme experimentiert. Der Spirit der Band ist schon vorhanden. Leute, die das Material gehört haben, sagten schon, dass es zwar nicht SAMAEL ist, man aber den Stücken deutlich anhört, aus welchem Mist das gewachsen ist (lacht!).

SamaelGW: Als ich "Reign Of Light" zum ersten mal gehört habe, dachte ich wirklich die Zeit scheint seither stehengeblieben zu sein, denn das neue Album küpft nach fünf Jahren genau da an, wo "Eternal" aufgehört hat, die selbe Brachialität und Intensität. Unverkennbar SAMAEL!

Vorph: Danke schön! Aber für uns hat sich ja eigentlich auch nichts geändert, es nur leider so verdammt lange gedauert. Viele Songideen standen ja schon lange fest und wir hatten auch nicht vor großartig die Richtung zu ändern. Wenn man soviel Zeit für ein Album zu Verfügung hat, besteht natürlich auch die Gefahr, daß man zu viel an den einzelnen Songs rumschraubt und das ganze überproduziert. Deßhalb haben wir uns eben auch zwischenzeitlich mit der ERA ONE-Geschichte beschäftigt.

GW: Trotz Besetzungswechsel habt Ihr Euch die lange Zeit scheinbar nicht beirren lassen und seid Eurem unverkennbaren Stil treu geblieben. Hat sich trotzdem etwas für Euch geändert, z.B. was das Songwriting anbelangt?

Vorph: Nicht wirklich. Es ist immernoch so, daß ich mich hauptsächlich mit den Texten beschäftige und Xy nach wie vor die Sounds dazu liefert und das ganze Programming. Marko und Mas sind in erster Linie unsere Livemusiker, wobei wir uns in dieser Konstellation aber wirklich zusammen als Band fühlen.

GW: Auch wenn ihr keine Alben veröffentlichen konntet, wart ihr in der jüngeren Vergangenheit allerding nicht untätig. Wie oben angesprochen die DVD im letzten Jahr und die anschließende Tour mit Cathedral. Dabei ist es ja auch zu dem Unfall gekommen...

Vorph: Ja, die Chance wollten wir uns nicht nehmenlassen, und es war auch eine sehr erfolgreiche Tour. Der Unfall war ja bereits wenige vor Tourstart, aber ich hätte das auch im Liegen durchgezogen (lacht!) (Anm.: Vorph hatte sich kurz vor Beginn der Tour nach einem Unfall schwere Verletzungen am Bein zugezogen, die ihn zum Sitzen zwangen.) Was die DVD anbelangt, so hat das unser altes Label wohl noch raushauen wollen, wir hätten das Ding anders zusammengestellt. Auch das ganze Artwork und so, aber wir hatten da kaum noch Mitspracherecht. So läuft das halt.

SamaelGW: Zurück zum Album, oder eigentlich erstmal zur ersten Single seit 6 Jahren. Was hat es mit der Karoke-Version von "Inch Allah" auf sich?

Vorph: Eigentlich ja unsere erste Single überhaupt! Karoke ist einfach instrumental, mit dem Text dazu im Cover. Just fun!

GW: Auf dem Album habt ihr auch Gastmusiker dabei gehabt?

Vorph: Ja, auch zum ersten Mal eigentlich. Wir haben früher schon Sitarsounds vom Sampler verwendet, aber mit so einem echten Instrument ist es einfach etwas ganz anderes und Sami ist ein sehr guter Freund von uns. Außerdem hat und Sandra Schleret (SIEGFRIED/ ex-DREAMS OF SANITY) mit ihren Vocals ausgeholfen.

GW: Und wie seid ihr selbst zufrieden mit Eurem neuen Werk?

Vorph: Eigentlich ist man ja nie ganz zufrieden hinterher. Und man könnte noch tausend Sachen anders machen, aber dann würde man warscheinlich nie fertig werden. Ich schätze so, wie das Album geworden ist, können wir alle zufrieden sein mit dem Ergebnis und hoffen daß es auch so angenommen wird.

SamaelGW: Was steht im Vordergrund bei Samael, Text oder Musik?

Vorph: Beides ist uns wichtig. Klar geht es erstmal um die Musik, aber ohne die Texte wäre es nur die Hälfte von dem was wir ausdrücken wollen.

GW: Sind eure Texte persönlicher Natur?

Vorph: Ja natürlich. Ich schreibe was ich erlebe, was ich empfinde und beziehe natürlich meine Stellung zu den Themen. Allgemeine Oberfächlichkeit ist nicht unser Ding.

GW: Ihr arbeitet oft mit religiösen Symbolen, spirituellen und kosmischen Texten, ist das ein wichtiger Aspekt von SAMAEL und den Leuten dahinter?

Vorph: Wir beschäftigen uns schon mit solchen Dingen. Die alte Frage, woher und wohin wir gehen. Das Mystische und Geheimnissvolle hat uns schon immer fasziniert und das alles drückt sich in unserer Musik, in den Lyrics und auch im Artwork aus.

GW: Und wie klappt das nun mit Eurem neuen Label Regain Records?

Vorph: Bisher bestens. Sind alles sehr nette und engagierte Jungs bei Regain. Sie stehen voll hinter unseren Ideen und reißen sich wirklich den Arsch für uns auf.

GW: Diesen Herbst werdet ihr mit Flowing Tears zusammen auf Tour gehen, was dürfen wir live erwarten?

Vorph: Mit Sicherheit eine geile Show, laßt Euch überraschen!

SamaelGW: Und wie sehen die weiten Zukunftspläne von SAMAEL aus?

Vorph: Nun, dieses Jahr ist mit der Tour dann ja gelaufen. Nächstes Jahr wollen wir sehen, daß wir ERA ONE an den Start kriegen und was SAMAEL anbelangt naturlich auch weiter touren. Im Sommer möchten wir natürlich auch möglichst viel bei den Festivals präsent sein, aber da ist jetzt noch nichts spruchreif.

GW: Ein letzes Wort noch an die Fans?

Vorph: Wir hoffen, daß man uns noch nicht abgeschrieben hat und daß wir uns alle auf der Tour sehen werden!

GW: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg mit "Reign of Light" und auf der Tour!


Sir Ritchie für GothicWorld


Review: "Reign of Light"

www.samael.info