Ein Interview zum aktuellen Album
"Words are not what they
seem" mit AUTUMNBLAZE-Sänger Markus B. und ein kleiner
Ausblick auf die baldige Tour zusammen mit CHAMBER
...
GW: Hallo,
AUTUMNBLAZE! Habt ihr denn inzwischen schon Reaktionen auf das neue Album
erhalten? Außer von der Presse
Markus: Du meinst so von "normalen"
Leuten?
GW: Naja so Konsumenten,
Pulbikum, Hörern, Fans
Markus:
Eigentlich nicht. Die Promotion läuft ja in erster Linie
über Live
nur so aus dem privaten Umkreis gibt's Reaktionen. Die
sind schon sehr unterschiedlich, weil die hören ja streckenweise ganz
andere Musik.
GW: Die
Pressereaktionen sind aber schon positiv?
Markus: Ja, da sind zwar immer auch Ausnahmen
dabei
aber da sollte man auch nicht allzu viel geben. Jeder hat ja auch
eine andere Stimmung in der er die CD hört
und wenn er vielleicht
vorher irgendeine Alternative Platte gehört hat, dann könnte er schon
Probleme haben. Es ist halt immer die Frage wie man an so eine CD rangeht, vor
allem auch für das Publikum.
GW: "Stimmung" ist ja auch schon ein gutes
Stichwort. Ein Wort das ja doch immer im Zusammenhang mit Autumnblaze
fällt ist "Melancholie". Wie würdest Du dieses Wort für dich in
deinem Leben interpretieren?
Markus:
Das wurde ich jetzt schon oft gefragt. Das ist eine schwer zu
beantwortende Frage. Das ist ja auch nur eine Worthülse die jeder anders
füllt.
GW: Und du? Wie
füllst du sie?
Markus: Naja
wenn ich sage ich bin ein melancholischer Mensch, dann meine ich damit
vielleicht, dass ich mir mehr Gedanken mache. Über Dinge nachdenke,
reflektiere und das dieses Nachdenken vielleicht sogar ein bisschen weh tut.
Ich hab das Gefühl das viele Leute Sachen von sich abprallen lassen weil
sie Angst haben dass es irgendwo schmerzt.
GW: Also Melancholie als eine Form sich
bewusst auf bestimmte Schmerzen einzulassen? Psychischer Art.
Markus: Vielleicht.
GW: Viele denken ja bei Melancholie auch
automatisch dass du an der Grenze zur Depression entlang schlitterst und das
muss es ja nicht sein.
Markus:
Ja, man ist ja nicht selbstmordgefährdet
deswegen.
GW: Es kann ja auch
ein sehr wichtiges und vor allem auch schönes Gefühl sein.
Markus: Auf jeden Fall etwas
das man spürt.
GW:
Würdest du dann überhaupt selber sagen dass Autumnblaze
weitestgehend melancholisch ist?
Markus:
(langes Schweigen) Gut ich hab es jetzt schon von vielen gehört
und dann wird es das wohl auch so sein. Doch ich denke schon dass es so ist.
Ich bin ja selber auch eher an melancholischer Musik interessiert. Und
nachdenkliche Harmonien haben mich schon immer eher berührt.
GW: Ein Satz den ich im Zusammenhang mit dem
neuen Album auch verwendet habe ist, dass die CD typisch Autumnblaze ist.
Dieses "typisch Autumnblaze" dass kann man ja positiv aber auch negativ werten.
Markus: Naja negativ wäre
es ja wenn man damit meint dass es wieder das Gleiche ist. Positiv wäre
es, wenn damit gemeint ist, dass es die eigene Individualität
unterstreicht. Man hört auf jeden Fall raus das es Autumnblaze ist.
GW: Und das würdest du auch
unterschreiben?
Markus: : In der
Form dass wir damit einen gewissen Stil gefunden haben? Ja! Ich hab selber auch
schon gedacht, dass es mit Sicherheit das "autumnblazeigste" Album ist das
Autumnblaze gemacht haben. Das liegt dem ganzen Prozess wie das Album
entstanden ist zu Grunde. Vor allem auch, weil ich so eine Art Mantel um alle
Autumnblaze Alben schlagen wollte. Die besten Momente von allen Alben irgendwie
aufgreifen. Trotzdem irgendwie abwechslungsreich und genau die Musik die ich
jetzt machen wollte.
GW: Also so
ein bisschen auch so eine Art Höhepunkt, dass du jetzt genau das erreicht
hast was du mit Autumnblaze erreichen wolltest?
Markus: Nicht unbedingt, weil das würde zu
sehr nach einem Abschluss klingen. Es ist vielleicht ein Abschluss von einer
bestimmten Periode, aber mit Sicherheit nicht das Ende von Autumnblaze. Aber ob
es das wirklich ist, das kann ich eigentlich auch erst wieder nach dem
nächsten Album sagen.
GW: So
eine Art Zufriedenheit birgt ja auch eine gewisse Gefahr.
Markus: Eben, aber eine Band besteht ja nicht nur
aus dem Albummachen und es gibt zum Glück noch genug Hunger etwas Neues zu
machen, andere Wege auszuprobieren. Zu experimentieren, neue Inspirationen zu
suchen. Das kommt nach jedem Album immer wieder. Wenn ich das nicht mehr
hätte, dann könnte ich keine Musik mehr machen.
GW: Welche Dinge würdest
du denn eigentlich als Quelle der Inspiration nennen? Mal abgesehen davon, dass
das gesamte Leben eines Menschen für einen Künstler inspirierend ist.
Markus: (wieder langes
Schweigen) Ja, auch ganz schwer zu sagen. Im Prinzip ist die Inspiration
einfach da. Jeden Tag. Egal wo du hinsiehst. Den ganzen Sinn, die Welt
betrachtend
wie so ein Sog, vielleicht dass man als Künstler nach
bestimmten Dingen sucht und darum auch eher beobachtet, vielleicht sogar mehr
und intensiver beobachtet als jetzt ein "normaler" Mensch. Man kann Inspiration
wirklich in jeder Lebenslage bekommen.
GW:
Ja klar, vor allem wenn du jetzt eine Sache als
Inspirationsquelle benannt hättest, dann ist die für einen Anderen
nicht unbedingt nachvollziehbar, weil er damit ganz andere Dinge
verbindet.
Markus: Das ist ja
auch schwer zu beschreiben, weil die Inspiration ist ja nicht immer bewusst da.
Du weißt ja nicht unbedingt in dem Moment wo dich was inspiriert, dass es
genau das ist was dich inspiriert. Vergleichbar mit dem Übergang zwischen
Wachen und Schlafen. Den kann man ja auch nicht bewusst steuern.
GW: Nun die Surrealisten haben es mit ihrem
"automatischem" Schreiben versucht, sich mit Hilfe von Hypnose oder Drogen in
genau diesen Zustand zu versetzen, da zu schreiben und danach zu gucken was
dabei nun rausgekommen ist.
Markus:
lacht) Ja da kann man ne Menge Sachen ausprobieren.
GW: Nun ja, aber eine Inspirationsquelle auf
dem neuen Album, die sehr deutlich und nachvollziehbar ist, ist ja wohl die
Fernsehserie "Twin Peaks". Was mich übrigens als alten Twin Peaks Fan sehr
mit Freude erfüllt hat. Wie bist du auf "Falling"
gekommen?
Markus: Auf jeden Fall
wollten wir eine eigene Interpretation schaffen, das Stück nicht 1:1
übernehmen, sondern auf unsere Art und Weise interpretieren.
GW: Was in meinen Ohren gelungen ist, weil die
beiden Hauptthemen des Stückes nicht so übernommen worden sind. Die
Stimme von Julie Cruise, klar weil du bist nicht Julie Cruise, aber auch dieses
ganz markante, typische Gitarrenthema nicht so vordergründig ist. Von
daher gelungen.
Markus: Danke.
Tja, der Hintergrund. Die Serie ist ja Anfang der 90er gelaufen, da hab ich
dann vielleicht die erste Staffel gesehen, aber dann war man ja doch nicht
immer da gewesen
und dadurch hatte ich sie aus den Augen verloren. Ja und
vor zwei, drei Jahren lief die dann ja noch mal, da haben wir uns dann auch die
erste Staffel auf DVD gesehen und die letzte irgendwo anders besorgt (da auf
Grund von Rechtsstreitigkeiten ein Erscheinen dieser immer noch in den Sternen
steht. Anm. der Redaktion) und das war dann wie ein Rausch gewesen. Und als wir
mit dem neuen Autumnblaze Album angefangen haben, war halt dieser Twin Peaks
Rausch immer noch da und da war dann klar dass wir dieses Stück auf jeden
Fall interpretieren müssen. Wir habens halt versucht. Ich hab vor allem
auch versucht diese Abgründe von Twin Peaks da mit reinzubringen, in
diesen Song der ja oberflächlich sehr harmonisch in Dur aufgebaut ist.
GW: Ein Kriterium beim
Komponieren des Soundtracks war wohl vor allem dass David Lynch zu Angelo
Badalamenti ständig gesagt habe, er solle langsam spielen. Das könnte
man ja auch schon zu Autumnblaze sagen. Langsamkeit, oder? Also Langsamkeit
nicht im Sinne von Müdigkeit.
Markus:
Ja klar, wir haben eigentlich noch nie so ganz schnelle Lieder
gespielt. Es ist schon auf nem Niveau wo das Tempo nicht allzu hoch gehalten
wird. Dann passt das auch irgendwie zusammen. Die Harmoniegebung von dem Twin
Peaks Soundtrac, oder dem zu "Mullholland Drive". passt auch einfach zu uns.
Das hat schon fast eine Art spirituelle Nähe zu uns. Die spürt man
einfach.
GW: Badalamenti kommt ja
auch aus dem Jazz. So einen gewissen Jazz Touch würde ich ja gerade auch
eurem Akustikalbum zuschreiben.
Markus:
Naja die Sachen bei Twin Peaks sind schon noch jazziger. Die
verwenden da ja so richtigen Jazzbesen und so, und das Schlagzeug ist noch mehr
im Hintergrund. Das war ja auf unserer Akustik CD doch noch viel
vordergründiger. Da hätte es dann noch mehr im Hintergrund sein
müssen.
GW:
Akusitk! Gutes Stichwort! Ihr geht ja im Januar mit CHAMBER auf
Tour, geht ihr da mit dem Akustikprogramm auf Tour?
Markus: Nein, schon das Rockprogramm! Wir
würden zwar gerne irgendwann noch mal eine Akustiktour machen, aber jetzt
soll ja auch erstmal die neue CD promoted werden und es reizt schon dass jetzt
eher elektronisch zu präsentieren. Und auch ein paar ältere Songs zu
spielen. Das wird dann schon
ich kenne jetzt CHAMBER nicht, habe erst ein
oder zwei Sachen gehört
aber die sind doch eher nen bisschen
ruhiger, oder?
GW: Puuuuuh!
Jaein
. (Die Antwort wird aus Befangenheitsgründen rausgeschnitten!)
Markus: Naja ich bin mal
gespannt, wir lassen uns da überraschen.
GW: Hmm. Ich dachte halt, als ich dass das
erste Mal gehört habe dass ihr zusammen auf Tour geht, dass würde mit
dem akustischen Programm von euch ganz gut passen.
Markus: Das ist ja immer sone Sache. Du kriegst
so ne Tour angeboten und für uns ist es in erste Linie wichtig dass das
Album präsentiert wird. Es sind ja auch einige ruhige Songs dabei
ach das wird irgendwie schon hinhauen.
GW:
Muss man sich halt überraschen lassen. Die Entscheidung
fällt dann eh immer das Publikum, ob es jetzt gepasst hat oder nicht.
Markus: Vielleicht ist es von
daher ja auch ganz interessant, wenn die eine Seite dann vielleicht doch nen
bisschen lauter ist als die Andere. Oder einfach nen bisschen anders ist. Damit
auch eine gewisse Dynamik ins Liveprogramm kommt. Nicht immer die gleichen
Bands miteinander spielen.
GW:
Ansonsten von der Tour mal abgesehen, wie gehst mit Autumnblaze
weiter?
Markus: Naja erstmal die
Tour natürlich, wir sind aber auch dran noch andere Termine zu kriegen,
weil wir nächstes Jahr auf jeden Fall viel mehr live spielen wollen. Das
haben wir die letzte Zeit dann doch etwas vernachlässigt. Klar ich hab
auch schon ein paar Ideen, ein paar Fragmente für ein neues Album. Aber
normalerweise mache ich es schon so, dass wenn ein Album beendet ist, man
erstmal eine kreative Ruhepause einlegt. Einfach weil man auch ein bisschen
Abstand kriegen muss, damit man dann auch wieder hingehen und einen neuen Weg
einschlagen kann. Nicht das man irgendwie auf dem alten Album hängen
bleibt. Aber die Idee geht schon dahin dass wir nächstes, spätestens
übernächstes Jahr wieder ein neues Album aufnehmen werden. Und im
Endeffekt bin ich eh ständig an neuen Ideen dran, und schleppe immer
Sachen mit mir rum, aber die müssen auch nicht unbedingt verwirklicht
werden. Sie richtigen Stillstand und Ruhe gibt's eh nicht bei mir.
GW: Dann kann man also weiterhin
gespannt bleiben. Wir wünschen euch auf jeden Fall erstmal viel Spaß
und Erfolg auf der Tour und bedanken uns für das
Interview.
Thomas
Sabottka für GothicWorld
Review:
"Words are not what they
seem"
www.autumnblaze.de |