CD-REVIEWS:

Velvet Hours - Stolen Moments    BRANDED WOMEN
"Velvet Hours - Stolen Moments"
CD (Ranch Records)

Branded Woman"Fickmusik für Faultiere" - so der Kommentar des Quasi-Kollegen Memme von "Metal-inside" zum Erstlingswerk der finnischen Fast-Mädchenband BRANDED WOMEN. Ohne auf eigne Vorlieben, Leistungsvermögen und Ausdauer näher einzugehen, drehe ich diese Wertung ins Positive und bekenne: Ja, "Velvet Hours - Stolen Moments" ist zum ficken schön.

Die Geschichte dieser faszinierenden Band beginnt 1999 als sich die Überreste einer Country- und Westernband und weitere Musikerinnen um die Ausnahmestimme von Sängerin Katja scharen, beschließen sich nach einem 60er-Jahre-Gangsterfilm zu benennen und ihre musikalischen Vorlieben zu mixen, bis der betörende Sound von BRANDED WOMEN entstand. Vier Jahre und den Tausch Mann gegen Frau am Schlagzeug später stehen das Line-up und ein Plattenvertrag.

Tja - und nun sitzt man da und möchte am liebsten den Strick auf Ziel kaufen, so traurig, melancholisch, dunkel-melodisch, manchmal kraftvoll, immer haarscharf am Depressiven entlangschrammend ist diese Musik. Eine selten gehörte Mischung aus Countrygitarre, Sixties-Style, psychedelischem Pop und Landstraßenromantik. Da flirren die Saiten und perlt die Orgel wie sonst nur beim Soundtrack zu Quentin Tarantinos Filmen. Dazu eine Stimme, die mehr Sex hat, als eine PRIVAT-Jubiläumsedition.

"Still in me" erinnert verdammt an Chris Isaack und schlägt einen so fest in den Bann, dass es einen bis zum Ende nicht mehr los lässt. In "Something to hold on" klöppelt verstohlen ein dumpfes Schlagzeug, ein Tambourin beschwört eine bedrückende Leichtigkeit. "More" ist basslastig, zieht das Tempo etwas an und Katjas Stimme schlägt ins Dreckige um. Auch gut, aber für den Rest des Albums zu verzerrt, zu rockig ist "Worth living". "Sunbather" ist wie das Dahindämmern bei knalliger Sonne hinter heruntergelassenen Jalousien mit einem eiskalten Drink in der Hand (gerührt und nicht geschüttelt) - so träge und matt. "Explanation" wird getragen von einer gewissen Abgeklärtheit. Wirklich perfekt ist "Perfect" - ein sterbender Cowboy (oder finnischer Elchhüter) zupft die Gitarre, so schleichend die Riffs, so einsam und spärlich die Instrumente und über allem liegt wie Balsam die ruhige volle Stimme von Katja. "Runner" ist nicht mehr wie Sterben, dieser Song ist wie tot inklusive wütender, immer schneller werdender Auferstehung. Das Werk endet mit "Feel", ein nur gehauchter Abgesang, sphärische, vereinzelte Gitarrenklänge verlieren sich im monotonen Schlagzeug, der Bass huscht noch mal um alles drum herum und Katja klingt, als würde sie gleich den Hocker unter sich wegstoßen…

Ich habe in diesem Jahr wahrlich eine ganze Latte Verrisse produziert, spärlich gelobt und selten euphorisch gejubelt - aber "Velvet Hours - Stolen Moments" ist für mich wirklich eine der schönsten Platten des Jahres. Das ich das noch erleben darf, grins. Jetzt hängt sich das Faultier wieder in den Baum: Selig, glücklich und zufrieden.
Noch Fragen?


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:
01.Still in me
02.Something to hold on
03.More
04.You know me
05.Worth living
06.Sunbather
07.Explanations
08.Perfect
09.Runner
10.Feel

www.brandedwomen.net