CD-REVIEWS:

Nymphetamine    CRADLE OF FILTH "Nymphetamine"
CD (Roadrunner Records / Universal)

Cradle of FilthDas Experiment der Zusammenarbeit zwischen Sony Music und CRADLE OF FILTH ist nach nur einem Album, "Damnation and a Day", beendet. Nun gehen die 6 Briten mit dem "Metal-Erfahrenen" Label Roadrunner Records daran, die etwas zerfahrene Karriere wieder ins Lot zu bringen. "Damnation and a Day" war beileibe kein schlechtes Album, aber das Urextrakt CoF´s, das schwarze Herz, schien schon seit "Midian" Aussetzer zu haben. Stellenweise verzettelte man sich in immer vertraktere Songs oder man versuchte sich in hardcorelastigen Midtempobereichen. Dadurch schoss die Band zwar in den USA durch die Decke, aber die Wurzeln verkümmerten zusehends. Diese basieren auf 2 frühen Alben, "The Principle of evil made flesh" und "Dusk...and her Embrace". Pure Raserei und klassische gotische Anmut. Beides litt unter dem Auseinanderfallen der Band 1999/2000. Anno 2004 holen die Briten genau diese Wurzeln wieder hervor, Vorhang auf!

Das obligatorische Orchester-Intro "Satyriasis" ist überraschend kurz ausgefallen, um dem extrem wütend-stampfig klingenden in bester Death/Thrash Manier Opener "Gilded Cunt" genügend Platz zu machen. Bereits nach ein paar Takten klappt einem gewohnt die Kinnlade herunter, wie ein so kleiner Mensch wie der mittlerweile komplett Dreadlocks tragende Dani ein derartiges Kreisch-Organ haben kann. Ob fieses Kreischen, monströse Growls oder seine Geheimwaffe, die charismatischen, tiefen cleanen Vocals, alles ist vertreten. "Nemesis" erinnert in seiner romantischen Schlichtheit, und dies ist in Bezug von CoF nun wirklich kein Schimpfwort, deutlich an "Dusk…." Zeiten. Verträumte Gitarrenläufe, eher im Hintergrund, mit den arg vermissten und etwas an Kirchenorgeln erinnernden Keyboardklängen. Mit "Absinthe With Faust"(Kult!) schütteln CoF einen echten Klassiker aus dem Ärmel, der das schwarze Herz lachen lässt. Im steten Zweikampf zwischen wirklich wunderschönen Gänsehaut- Gitarrenläufen und bombastischen Keyboardklängen zeigen CoF Ihr ganzes Potenzial. Und erneut, "Dusk…." hätte es nicht besser machen können.

"Coffin Fodder" und "Mother of Abominations" sind bestes Futter für die Nackenbrecherfraktion. Im Dauerfeuer schrubbeln James und Paul durch den Song das es eine wahre Freude ist. Der Titeltrack "Nymphetamine" hat es als Video bereits bei MTVIVA zur besten Tageszeit gebracht und dürfte in seiner Qualität unbestritten sein. Besonders interessant ist natürlich die Mitarbeit von Liv Kristine. Obwohl es nur wenige Zeilen sind wertet Frau Krull mit Ihrer Zuckerstimme den Song deutlich auf. Ihre Ex-Kollegen dürften sich noch so manches male in den Allerwertesten beißen.

Sympathischerweise gibt es den Song in 2 Versionen auf dem Album. Als normale Videoversion und als überlanges, knapp 10 Minuten langes Epos, das die ersten 5 Minuten allein Danis Gekreische gehört und schließlich in die Videoversion übergeht. Lecker! Ohne zu übertreiben ist "Nymphetamine" auf einer Stufe mit "Dusk…and her Embrace" zu stellen gehört zu den bisher besten Alben der Briten.


Alexander Treder für GOTHICWORLD


Tracklist:
01. Satyriasis
02. Gilded Cunt
03. Nemesis
04. Gabrielle
05. Absinthe With Faust
06. Nymphetamine (Overdose)
07. Painting Flowers White Never Suited My Palette (Instrumental)
08. Medusa And Hemlock
09. Coffin Fodder
10. English Fire
11. Filthy Little Secret
12. Swansong For A Raven
13. Mother Of Abominations
14. Nymphetamine Fix

www.cradleoffilth.com