CD-REVIEWS:

Nigredo    DIARY OF DREAMS "Nigredo"
CD (Accession Records / Indigo)

Diary of Dreams„Nigredo“ markiert einen tiefen Einschnitt in das künstlerische Schaffen des Traumtagesbuches, denn zum ersten Mal in der langjährigen Geschichte von Diary of Dreams ist eine Veröffentlichung viel mehr das Ergebnis intensiver Bandarbeit, denn die Arbeit von Adrian Hates alleine, ohne nun die Leistung der Mitmusiker der Vergangenheit schmälern zu wollen. In Gaun:A hat Adrian Hates endlich einen musikalischen Counterpart gefunden, der, im postiven Sinne, mindestens genauso musikverrückt ist, wie der Diary of Dreams Mastermind selbst, und dass diese Kooperation der letzten beiden Jahre mit „Nigredo“ in einem unvergleichlichen kreativen Höhenflug enden würde, war in dieser Brillianz kaum zu erwarten.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Band haben Diary of Dreams sich hier an ein Konzeptalbum begeben, basierend auf überlieferten Mythologiefragmenten verschiedener Kulturen, doch ist der lyrische und musikalische Teil nur ein Aspekt dieses Konzeptes. Fotos, Texte, Grafiken und das ganze Artwork sind Teil dieses Konzeptes, wobei alleine die, wie Adrian und Gaun:A es selbst bezeichnen, „Kritzelarbeit“, also das Schreiben der Texte für die graphische Gestaltung des in der limitierten Auflage sechzigseitigen Booklets, einige Wochen intensiver Arbeit in Anspruch genommen hat. Um die ganze Dimension dieses Kritzelwahns zu erfassen, schaue man sich alleine den Strichcode auf der Rückseite der Pappbox an. Die musikalische Puzzlearbeit in Bezug auf Sounds, Samples, Rhythmen und Melodien ist in seiner Akribie kaum zu überbieten und erst die intensive Beschäftigung mit den Songs fördert die ganzen kleinen, liebevoll integrierten Puzzlestücke zu einem grossen und unübertrefflichen Ganzen zusammen: die sakralen Elemente, die verstärkt eingesetzten Gitarren, die komplexen Rhythmen, die verwendeten, neuen Keyboardsounds, die zum Teil verzerrten Industrialsounds, aber auch die Melodiebögen, die unter die Haut gehen, die verträumten Klavierpassagen, die in Melancholie schwelgenden Streicher …

„Nigredo“ funktioniert dabei in seiner Gesamtheit, wie auch in den einzelnen Songs, wobei vor allem die ruhigen und gefühlvollen Stücke wie „Portrait Of A Cynic“, übrigens mit Torben Wendt am Klavier, „Cannibals“ und das wahrscheinlich beste Diary-Stück aller Zeiten, „Mask Of Shame“, Gänsehautgaranten allererster Güte sind. Mit „Giftraum“, „Charma Sleeper“, „Psycho-Logic“ oder „The Witching Hour“ finden sich zudem gewohnt tanzbare Stücke auf „Nigredo“, die den ruhigen Stücken in nichts nachstehen.

Diary of Dreams haben mit „Nigredo“ ein in allen Belangen perfektes Album abgeliefert, ein nicht zu übertreffendes Meisterwerk an Ausdruckskraft und Emotionen, an spielerischer Perfektion und innovativer Kreativität: ein Referenzalbum für die Ewigkeit.


Michael Kuhlen (OBLIVEON) für GOTHICWORLD


Tracklist:
01 Dead Letter
02 Giftraum
03 Kindrom
04 Reign of Chaos
05 Charma Sleeper
06 Tales of the silent City
07 Portrait of a Cynic
08 UnMensch
09 The Witching Hour
10 Psycho-Logic
11 krank:Haft
12 Cannibals
13 Mask of Shame

: Diary Of Dreams - Nigredo

Bandhomepage:www.diaryofdreams.de