DVD-REVIEWS:

Lichtbilder    FAUN "Lichtbilder"
DVD (Curzweyhl)

Zurück zur Natur…

FaunWikipedia zu Faun: "Der Faun ist ein altitalienischer Gott der Tierwelt, besonders der Viehzucht. Später wird er ein lüsterner Waldgott, ein dem Satyr ähnliches Fabelwesen aus der römischen Mythologie; ein Schalmei oder Flöte spielender, gehörnter Waldgeist, ein Mischwesen halb Mensch, halb Ziege, meist dargestellt mit menschlichem Oberkörper und Bocksfüßen und Schwanz. Faune sollen über Getreidefelder wachen und deren Wachstum begünstigen. Der Faun entspricht, trotz seiner Ähnlichkeit mit dem Satyr, dem Pan der griechischen Mythologie."

So, hätten wir das vorweg gleich geklärt - man hat ja schließlich einen Bildungsauftrag. Fünf dieser angenehmen Gesellen - wenn auch mit durchweg menschlichem Antlitz und ebensolcher Gestalt - machen seit 2002 zusammen Musik und haben sich in kurzer Zeit in die erste Liga der Mittelaltermusikanten gespielt. Dies nicht zuletzt durch die enorme Bandbreite ihrer musikalischen Darbietungen von altjüdischen Weisen aus Spanien bis hin zu Vertonungen aus der germanischen Mythensammlung Edda. Nach den beiden Veröffentlichungen "Zaubersprüche" und "Licht", mehr als 160 Liveauftritten und jeder Menge Mundpropaganda erscheint nun eine DVD von FAUN mit dem Titel "Lichtbilder".

Der Anspruch der FAUNe war, nicht alles anders, aber vieles besser zu machen. Sprich: man wollte eine DVD, die dem Zuschauer etwas bietet und doch tiefer in Musik und Band eindringt, als es bei den üblichen Konzertabfilmen-Nummern so Usus ist.

Nach dem Einlegen der DVD kommt auch schon das erste Aha-Erlebnis. Das Menü ist sehr übersichtlich und bietet optisch schon einiges. Die Orientierung ist gegeben und bereitet Vorfreude auf kommende Vergnügungen. Zur Auswahl stehen Livemitschnitte, eigene Videos, Videobearbeitungen von FAUN-Titeln, eine Unplugged-Session, Bandportrait, Interviews sowie Bildergalerien mit mehr als 100 Bildern. An dieser Stelle ist der Auftrag halb erfüllt: Man bietet dem Zuschauer eine breite Mischung des FAUNschen Schaffens.

FaunDie Frage, die sich bei dieser Fülle stellt, ist die, ob man bei dieser Breite des Angebots auch den Wunsch nach Tiefe erfüllen kann. Ich wage zu behaupten, man kann - besser, die FAUNe können. Jede der genannten Rubriken empfängt den "Fernsehkieker" mit einem stimmungsvollen weiteren Menü mit wunderschön gestalteten Hintergründen, ohne dass der Eindruck der Verwirrung entsteht. Obligatorisch ist, dass sich die Titel einzeln oder im Block betrachten lassen. Bei den Konzertmitschnitten ist das "Feuertanz-Festival" eine Open-Air-Veranstaltung aus dem Jahr 2004, der Mitschnitt vom "Winterzauber" ist von 2003. Bei beiden Aufnahmen gefällt die sehr gute Qualität der Bilder, die Auswahl der Titel ebenso wie der gute Ton. Die Songs liegen im 5.1-Dolby-Surround-Format vor und lassen die Stimmung fühlbar werden. Ansprechend und lobenswert ist die gezeigte Bühnenperformance: kein stupides Runterspielen, sondern, Erklärungen zu Herkunft und Inhalt der Titel.

Die Videoclips bestechen durch traumhafte Landschaftsaufnahmen, nicht der Mensch, die Natur steht im Mittelpunkt. Musik und Bilder stehen in einem selten gesehenen Einklang. Das optisch leicht verwaschen wirkende "Egil Saga" ist so wunderschön gelungen. Ebenfalls dem Werk von FAUN gerecht werden die Video-Remixe, die nicht aus der Hand der FAUNe sind.

Die Unplugged-Session aus dem vergangenen Winter fängt die Atmosphäre um die Band gut ein und gibt ein Bild vom Zusammenhalt der Formation. Das Agieren der Musiker ist hochprofessionell und die offensichtliche Freundschaft untereinander eben ein Garant für begeisternde, qualitativ hochwertige Musik.

In den Interviews geht man der Frage nach, wer oder was ein FAUN ist und kreist im Wesentlichen um obige Definition. Dieser Part hätte sicherlich gekürzt werden können, zumal die Antworten ähnlich sind ebenso wie die Antworten auf die Frage, was FAUN den Musikern bedeutet. Dass die Mittelaltermusik in der Form, wie sie von FAUN dargeboten wird, ihr Ein und Alles ist, sieht und hört man auch so. Unfreiwillig (oder gar freiwillig??) komisch ist die Antwort, dass ein Faun einem auch schon mal einen Parkplatz freihält. Also zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß.

FaunDie Bildergalerien hab ich mir nicht extra angesehen, um dem möglichen Flair von "Diavortrag nach dem Urlaub" zu entgehen. Vielleicht hab ich ja etwas verpasst, was zu ertragen wäre, aber da die ansonsten angebotenen Ausschnitte aus dem Schaffen und Leben von FAUN bunt und beeindruckend genug sind…

Insgesamt ist die DVD ein wirklich gelungenes Projekt mit einer stimmigen Balance zwischen den einzelnen Kategorien. FAUN verstehen auch hier zu gefallen und dürften mit ihrer Veröffentlichung "Lichtbilder" vielen Mittelalterfans eine Freude bereiten.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Inhalt:
Feuertanz-Festival 2004:
Wind & Geige
Andro
Egil Saga

Winterzauber Bad Kissingen 2003:
Intro
Deva
Avrix Mi Galanica
Burcansko
Fort

Musikvideos:
Egil Saga
Isis
Deva/Punagra (remix)
Von den Elben (remix)

Faun Unplugged:
Pastime With Good Company
Cuncti Simus Concanentes
Quant Je Suis Mis Au Retour
Das Schloss am Meer
The Nightingale
Ne Aludj El
Avrix Mi Galanica

Interviews
Bildergalerie

www.faune.de