CD-REVIEWS:

Aire    SAVA "Aire"
CD (Curzweyhl)

Manchmal wünscht man sich, kluge Außerirdische hätten die Menschheit entweder im Entstehen ausgelöscht oder ihnen gleich das 20. Jahrhundert geschenkt - die Pest, das Mittelalter und dessen musikalische Nachwehen in der Neuzeit wären uns erspart geblieben. Manchmal wünscht man sich die klampfenden und dudelnden Barden ins echte Mittelalter zurück, wo ihnen unversehens der Nachttopf über dem Haupt entleert werden würde oder man zwanglos an den Straßenrand schiss. Manchmal wünscht man sich, die Minne im Lande würde genauso geächtet wie die Landmiene.

Manchmal aber lehnt man sich auch einfach nur zurück und genießt intelligent gemachte, wunderschöne und durchaus eigenständige Medivalfolklore. Um sich bei der gegenwärtigen Inflation an musikalisch-historischen Flatulenzen noch hervorzuheben muss es schon etwas ganz Besonderes sein. Zum Beispiel: SAVA mit "Aire".
Das Gemeinschaftsprojekt von Birgit Muggenthaler (SCHANDMAUL) und Oliver Sa Tyr (FAUN) vereint jede Menge Vorzüge und bietet mittelalterlichen Musikgenuss aus allerreinster Quelle.

Der Name SAVA ist inspiriert von einer altirischen Sage, die die enge Verbindung von Mensch und Natur thematisiert. Damit ist der Rahmen geschaffen, in dem sich Gründer, weitere Musiker mit perfektionistischer Instrumentenbeherrschung und die zauberhafte Stimme von Jule Bauer ("Yo m'enamori") bewegen. Vom ersten Ton an ist man als Zuhörer mittendrin in einem musikalischen Reich aus Mythen, Geschichten und Träumen. Man sollte sich wirklich Zeit nehmen und das Werk genießen. Bei oberflächlichem Nebenbei-Hören geht viel zuviel Stimmung verloren.

Schlichtweg ergreifend ist, schon erwähntes, "Yo m'enamori", das vom Gesang über die Instrumentierung durchaus an gelungenere Stücke von Dead Can Dance erinnert. Die Klarheit der Musik kommt am besten bei "Aire" zu tragen, die Flöte sorgt dafür, dass bei aller Freude am Sein die Besinnlichkeit nicht zu kurz kommt - eine schwungvolle Huldigung Irlands. "Wylde Hunt", der germanischen Mythologie entlehnt, ist die perfekte Symbiose von Dudelsack, Flöte und Drehleier - eine intensive Wirkung ohne übertriebene Effekthascherei. Klarheit im Ausdruck bestimmt auch "Harpen", ein Stück in dem verschiedene Harfen, Geigen, die Flöte und der ebenfalls ausgezeichnete Gesang von Birgit Muggenthaler ein melancholisches Klangbild malen, das unglaublich schön ist.

Es fällt auf, dass SAVA nicht den historischen Musikschatz ausbeuten sondern hauptsächlich auf eigene Melodien setzen. Zwar bedienen sie sich oft alter Sagen und Texten - wie bei "Vadin at Vilja", einem Stück aus der Edda - ihre Eigenkompositionen sind jedoch immer sehr sorgfältig und sensibel dem Thema angepasst. Mit dem, fast reinen, Flötenstück "Abschied" endet eine CD, die sich gekonnt über das Einerlei der Mittelaltermusikflut erhebt, zu Herzen geht und einfach wunderschöne Musik bietet.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:
01.Cernunnos
02.Yo m'enamori
03.Eire
04.Polska
05.Wylde hunt
06.Harpen
07.Andro
08.Vadin at vilja
09.Lunaja karalewa
10.Sofi
11.Abschied

www.sava-music.com