CD-REVIEWS:

The Angel    SOL INVICTUS
"The Angel"
CD (Tursa)

"A collection of rarities, remixes, and unreleased tracks" oder auf gut deutsch: Ich kann das Katzenfutter nicht mehr bezahlen, mal den Schrank mit den Demo-Tapes ausmisten, wird sich doch was draus machen lassen, wofür meine Fans zahlen. So oder ähnlich mag Tony Wakeford, raumgreifender Gründer der apokalyptischen Neo-Folkkapelle SOL INVICTUS und Ex-Death in June-Mitglied, gedacht haben. Dafür spricht auch die dünne schmale Papphülle in der die CD daherkommt.

Und was soll ich sagen: Ist mir piepegal, schnurz, wurscht… Die Remixes und die Demos tragen eine Kraft in sich, wie ich sie seit geraumer Zeit beim Herrn Wakeford vermisst habe. Die beiden einzig wirklich neuen Werke ("The Angel" und "In the wake of the wolf") sind allein das Geld wert, so wundervoll sind sie musiziert. Zudem ist die Covergestaltung aus dem Pinsel von Tor Lundvall ein künstlerischer Traum.

Den Reigen eröffnet "The Angel", namensgebender Titel der CD, mit seinen leicht verzerrten Streichern, dem müden Sound und der irgendwie tot klingenden Frauenstimme. In der Stimmung ist es ein bedrohlicher, sehr düsterer Einstieg. Darauf folgen eine Reihe von Mixen und akustischen Versionen, die hauptsächlich in der "Hill of Crosses"-Zeit (2000) entstanden sind. Ich hielt dieses Album für eines der schwächeren von SOL INVICTUS, wenn man nun die neu arrangierten, neu gemixten Versionen hört, möchte man glauben Tony Wakeford ging es genauso. "Eve" wirkt fester, geschlossener und dadurch um vieles energischer. "Chimes" wird im Concert-Single-Mix von der extrem wuchtigen Stimme Wakefords dominiert und erschlägt einen fast mit seiner Präsenz.

"German Requiem" im Akustik-Mix wertet den für mich schönsten Titel der "Hill of Crosses" nochmals um einiges auf. "Eve", zum zweiten Mal vertreten in der Instrumental-Version, hätte er sich knicken können. Instrumentiert wie vorher nur fehlt die charismatische Stimme. "Hill of Crosses" in einer sehr frühen Version beginnt leise, wird lauter - vollzieht musikalisch den Aufstieg nach. Wakeford klingt müde, erschöpft und dennoch, fast acht Minuten lang, zum Ziel getrieben: "March through death to where love is, when you climb the Hill of Crosses". Und am Ziel dann auch nur Kreuze. Das ist düsterster Pessimismus. Leider bricht diese Version noch vor dem Ende ab - Schade. "Did you see?" und "The widow" sind zwei durchschnittliche SOL INVICTUS-Titel, die sich vormals schon mal auf Samplern befunden haben.

Der Kreis schließt sich mit dem zweiten unveröffentlichten Stück der CD: "In the wake of the wolf" - eine Zusammenarbeit von Tony Wakeford und Joe Budenholzer (Backworld). Kämpferisch, treibend, kraftvoll, dominant - das sind Attribute, die durch den Sinn gehen. Ein fast klassischer Neofolksong mit geschlagener Gitarre und dumpfen Trommeln. Wakeford und Budenholzer singen den Chorus im Duett, ergänzen sich sauber. Zugunsten solcher Titel hätte man sich den Verzicht auf Variationen älterer Songs gewünscht. Andererseits: Vielleicht ist es der Hinweis auf eine engere Zusammenarbeit der beiden und dann kann das neue SOL INVICTUS-Album "The Devil´s Steed" (Januar 2005) nur genial werden.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:
01. The Angel
02. Eve (acoustic mix)
03. Chimes (concert single mix)
04. German Requiem
05. Eve (instrumental remix)
06. Street of many Murders
07. It´s a beautiful Day
08. Hill of Crosses
09. God told me to
10. Chimes (intro mix)
11. Did you see?
12. The Widow
13. In the Wake of the Wolf

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