CD-REVIEWS:

Cured    WISSMUT "Cured"
CD (Brachialpop/T.O.D.)

Eigentlich wäre über die Vorgeschichte, die Historie, die Wurzeln der Band WISSMUT mehr zu schreiben als über ihre 4-Song-EP "Cured". Da hier aber das aktuelle Werk im Mittelpunkt steht, der momentane Stand künstlerischen Schaffens, nur soviel zum Vorher: WISSMUT sind der Quasi-Nachfolger von DIE ART, jener legendären ostdeutschen Band, die das Herz der Dunkelfreunde zwischen Elbe und Oder damals zum Beben brachte. Ihre Hymnen "Marian (I love you)" oder "My colour is black" sind bis heute gern gehörte Evergreens der melancholischen Art. DIE ART existierten von 1986 bis 2001. Bei WISSMUT bilden Makarios (Gesang) und Thomas Gumprecht (Gitarre, Bass, Keyboards) als altes ART-Urgestein das Grundgerüst.

Mit "Sonne und Mond" legten WISSMUT 2003 eine 8-Titel-LP vor und bieten jetzt mit "Cured" - na, auf was lässt der Name schließen? Röchtöch!!! - eine Cure-Cover-CD an. Die Auswahl der Stücke besticht durch eine gelungene Mischung aus mehreren Cure-Epochen und dem Wechselspiel von tiefer Düsternis und melancholischer Leichtigkeit.

Zunächst "Primary" vom 1981er Cure-Album "Faith". Dort ein tanzbarer, dunkler Song, büßt er in der Bearbeitung durch WISSMUT nichts davon ein, gewinnt sogar an Druck durch die doppelte Bassbenutzung. Der markante, dunkle Gesang von Makarios orientiert sich dicht am Original, was er nicht bei jedem der ausgewählten Titel tut. "The Figurehead" aus dem "Pornography"-Album von 1982 ist beinah ohne Abstriche kopiert. Die extrem deutliche und sauber artikulierte Aussprache von Makarios betont jedoch zusätzlich die Schärfe dieses Songs. Wenig Spielraum für Neuinterpretationen bietet ebenfalls der dritte gecoverte Cure-Song. Wegen der fast kindlich-einfachen Songstruktur des "Lovesongs" (Disintegration, 1989) beschränken sich WISSMUT hier auf gutes Nachspielen und einfühlsames, schönes Nachsingen.

Das Beste zum Schluss: Eines der schönsten Cure-Lieder vom Album "Kiss me, Kiss me, Kiss me" (1987), nämlich "A thousand hours", wird unter der zärtlichen Bearbeitung von WISSMUT zu einer wahren Perle. Die Gitarren flirren, das Keyboard träumt und das sparsame Schlagzeug unterstützt treffsicher die Emotionen. Makarios ist meiner seiner Stimme so dicht am typischen Gesang von DIE ART. Hier fließt wahrlich Großartiges zusammen. Durch die andere Art der Textbetonung entsteht hier eine der eigenständigsten Coverversionen.

Und dann ist Ende im Gelände - leider. Was bleibt ist die Lust und vor allem Hoffnung auf ein recht baldiges Erscheinen eines vollständig eignen Longplayers, um den guten Eindruck an der eigenen Schaffenskraft zu bestätigen.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:
01. Primary
02. The Figurehead
03. Lovesong
04. A Thousand Hours

www.wissmut.de