CD-REVIEWS:

Black Eyed Angel    SECOND SKIN "Black Eyed Angel"
CD (Palace of Worms Records)

Second SkinAufgefallen sind mir SECOND SKIN durch ihren außergewöhnlichen Beitrag auf dem The Cure-Tribute Album "Our Voices". Ihre Version von "Pictures of You" war neben IKON mit "Strange Day" der unschlagbare Höhepunkt. Nach Erscheinen der Review schrieb mir Arron (Gesang, Bass, Schlagzeug) von SECOND SKIN eine kurze Dankesmail aus der sich ein netter Schriftwechsel entwickelte, inklusive der Zusendung ihres aktuellen Albums "Black Eyed Angel". Das ist zwar schon 2003 in ihrer Heimat USA erschienen, aber erst seit November 2004 auch in Deutschland zu haben. Warum man uns diese Perle des Gothrocks so lange vorenthielt ist, mir nicht verständlich.

Zitat Arron: " Wir wollten immer ein Album machen, dass der "DawnRazor", der "Pornography" oder der "First and Last and Always" ähnlich ist. Nicht vom Sound her oder gar als Kopie. Eher in dem Sinne, dass man alle diese Platten hören kann und dabei jedes einzelne Lied liebt!" Daraus folgte bei mir natürlich eine gewisse Erwartungshaltung, aber dieser sind SECOND SKIN vollkommen gerecht geworden.

Das Intro "Stalker" stimmt mit Keyboardklängen und drohendem Flüstern gut auf die folgende musikalische Reise ein. "Body" hängt als erster richtiger Song die Latte hoch: ein treibender, wilder Song, aggressiv und tanzbar mit herrlichen Gitarrenläufen und stampfendem Schlagwerk. Arrons Stimme liegt auf hohem Niveau, sie ist kräftig, rau und doch eigenwillig. Backgroundsängerin Lizz fügt dem Gesang eine interessante Note hinzu, verstärkt an den passen Stellen. Bei "Beautiful" erliegt man sofort den geilen Gitarrenläufen und spürt mit jeder Note das Urgestein des Gothrocks. Das hohe Tempo nimmt der Düsternis nichts und geht extrem ins Tanzbein.

Bei den aufeinanderfolgenden Titeln "Liberta Me", "Voodoo Doll" und "Sweet Nothing" raubt es einem schlicht den Atem. Mal ein dumpfes Glockenspiel, mal hysterische Übersteigerung, mal ekstatische Verzweiflung, dann wuchtig brummende Bässe - drei geniale Hammersongs. Wahrlich groß.

An musikalischen Vorbildern hört man in diesem Dreigestirn besonders deutlich die Sisters of Mercy heraus - und eine geradezu nostalgische Liebe erblüht. Dagegen erinnert "I the East" am Anfang sehr an "The Mission" um schnell in Fahrwasser rasenden Gothrocks zurück zu wechseln. Dieser Spur bleiben SECOND SKIN bis zum Ende treu. Obwohl sich am Tempo in der ganzen Zeit wenig ändert, kann man dennoch jedes Lied klar von anderen abtrennen und jedes hat einen speziellen Wiedererkennungseffekt.

Künstlerisches Können und Mut zu eigenwilligen Kompositionen beweist auch "Club Sexxx". Bei "Demonica" wird wiederholt den Sisters gehuldigt und das Gewaltige dieser Musik wird mit aller Wucht deutlich. Mit "Scream yourself to Sleep" endet die geile Scheibe, düsteres Schlagzeug und drängende Gitarren wirken einen schönen Mid-Tempo-Titel, der die Vorzüge von Arrons Gesang, Mark Candys Gitarren- und Bassspiel sowie Lizz´ stimmliche Unterstützung noch mal deutlich macht.

Kurz: Ich liebe dieses Album. SECOND SKIN sind völlig zu Unrecht hierzulande weitgehend unbekannt. Sie stehen anderen, bekannteren us-amerikanischen Gothic-Acts in nichts nach. Sollten sie einen Promoter in Deutschland finden, wird sie ihre Europatour auch hierher führen. Ich drücke die Daumen und freu mich auf eine ähnlich furiose Livedarbietung.


Daniel "Bela" Bartsch für GOTHICWORLD


Tracklist:
01.Stalker
02.Beautiful
03.Still my love
04.Liberata Me
05.Voo Doo Doll
06.Sweet Nothing
07.Girl Divided
08.I the East
09.Kara
10.Club Sexxx ( II )
11.Liberata Tu Tu Me
12.Demonica
13.Scream Yourself to Sleep


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