CD-REVIEWS:
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SOL
INVICTUS "The Devil´s Steed" CD (Tursa / Dark
Vinyl)
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Es sollte eine ganz normale Review zum neuen Album
von SOL INVICTUS werden aber unter dem Eindruck abgesagter Konzerte
("Antifa"-Proteste gegen SOL INVICTUS wegen angeblich
rechtsextremistischer Einstellung von Tony Wakeford) kommt eben eine Menge
Frust hoch. Daher werde ich der Review eine Erklärung von Tony Wakeford
und SOL INVICTUS anhängen (siehe unten).
Ja, Neo-Folk oder
Dark-Folk sind kritisch zu begleiten und Faschismus ist keine Meinung sondern
ein Verbrechen. Aber als linker, politisch wacher und aufgeklärter
Musikhörer möchte ich nicht auf meine Lieblingsmusik verzichten
müssen, weil übereifrige Weltverbesserer mit 20 Jahre alten Zitaten
und Informationen aus dritter Hand an einem Konstrukt stricken, welches dem
Musiker Wakeford und seiner Band SOL INVICTUS nicht oder nicht mehr
gerecht wird. Anti-Modernismus und eine elitäre Kulturkritik machen noch
lange keinen Nazi.
Zur Musik: Die Hoffnung, die ich nach dem
Anhören der Raritätensammlung "The Angel" hegte, dass SOL
INVICTUS nach den letzten mittelmäßigen Alben wieder zum
Ursprung zurückgefunden haben, hat sich erfüllt. "The
Devil´s Steed" ist ein wundervolles Album voller Schwermut,
Düsternis, Sehnsucht und Kraft. Der Opener "We are the dead men"
bietet die raue Akustikgitarre, etwas Flöte und Streicher gepaart mit der
kräftigen Stimme Wakefords. Obwohl eine Eigenkomposition, fügt sich
dieser Titel nahtlos ein in ein Werk, das aus auffällig vielen
Traditionals besteht. Das ur-folkige Element wird wieder stärker als bei
anderen Platten von SOL INVICTUS betont. An Melancholie nur schwer zu
überbieten ist "Old London weeps", von Streichern getragen, am
Klavier unterstützt. Die Reibeisenstimme von Tony Wakeford unterstreicht
den bedrückenden Charakter des Liedes perfekt. Auf einem Gedicht von
Philip Larkin basiert "The north ship", die Violine kratzt und
sägt, Blasinstrumente drücken noch einmal enorm die Stimmung. Der
Titel ist träge und schleift sich ins Gemüt. So richtig rocken
ließen es SOL INVICTUS ja noch nie, aber diese Müdigkeit
überrascht dann doch ein wenig - allerdings positiv.
Hervorzuheben
ist unbedingt "There did three knights come from the west", dessen
Chorus: "
with the high and the lily oh!" einem seltsam bekannt vorkommt
und sich gut zum mitsingen eignet. Die Musik nimmt sich hier fast ganz
zurück ist sehr sparsam arrangiert und überlässt der wuchtigen
Stimme ganz das Feld. Der schnellste Titel mit hohem "Schunkelpotential" ist
"Twa Corbies", Blasinstrumente verleihen diesem Song etwas
hymnisch-heroisches. Der am wenigsten gute Titel ist "Semaphore
Seasons", zu gleichförmig und ohne wirklichen Wiedererkennungswert.
Das Instrumentalstück "O Death come close my eyes" hat Wakeford
gemeinsam mit seiner Ehefrau Renée Rosen eingespielt, eine etwas
verquere Nummer mit eigentümlichen Charme. Der Song, der dem Album seinen
Namen gab, ist wuchtig und etwas aufgeblasen. "The Devil´s Steed"
setzt auf die dumpfen Trommeln des Dark-Folk-Genres, und die verzerrten
Streicher machen einen klassischen SOL INVICTUS-Titel daraus.
Minimalistisches Klanggerüst, minimalistischer Gesang. Das gilt auch
für die folgenden restlichen Titel des aktuellen Albums. Allein "A
window to the sun" weicht vom starren Korsett dark-folkloristischer
Songstruktur etwas ab. Es ist sicher das melodischste Lied auf dem Album und
Wakeford müht sich, dem Song entsprechend, sanft zu klingen, die Melodie
mit seiner Stimme aufzunehmen. Als hätten SOL INVICTUS um den
Trubel, den ihre Tour verursacht geahnt, endet die CD dann noch mit einer
deutlichen Botschaft. "The silver swan" endet mit den Worten: "More
geese than swans now live, more fools than wise!"
Mit "The
Devil´s Steed" legen SOL INVICTUS ein wirklich gelungenes
Album vor, das sich an Bewährtem aus ihrem jahrelangen Schaffen
orientiert, ohne Neuerungen gänzlich außen vor zu lassen. Es ist ein
wunderschönes, sehr düsteres Album und ich freue mich darauf, es live
präsentiert zu bekommen
sollte es irgendwie möglich sein.
Daniel "Bela" Bartsch
für GOTHICWORLD
Tracklist: 01. We are the
dead Men 02. Old London Weeps 03. The North Sheep 04. A Steed for
the Devil 05. There did Three Knights come from the West 06. Twa
Corbies 07. Semaphore Seasons 08. O Death come close my Eyes 09.
The Devil's Steed 10. The Edge beckons 11. Where Stone Lions prowl
13. Come Winter rain 14. A Window to the Sun 15. The silver
Swan
www.tursa.com
Erklärung von Tony
Wakeford und Mitgliedern von SOL INVICTUS:
"I have been asked if I
would make a statement regarding some accusations that have been made. In the
past I have always refused, as I knew that anyone who works with or knows me
would be aware of how untrue these accusations are. Also, I have always refused
to involve my family life and friends in the refuting of such accusations.
However, I have been told that it would help if I did made things clear. I and
Sol Invictus have no interest in or connection to any totalitarian ideology and
that includes Nazism." Tony Wakeford
"If Tony were a Nazi, I
wouldn't be in his band, not to mention have been married to him for almost six
years. He wouldn't be a very good Nazi to have married a Jewish girl in the
first place. " Renée Rosen
"There seem to be rumours
circulating about Sol Invictus claiming that Tony Wakeford and the rest of the
members are Nazis. This is NOT true! How can they be? Tony's wife is Jewish
who, is also one of the violinists in Sol and I am the other. I am a Socialist,
whose politics are LEFT-wing not right. We do not support any Nazi beliefs
whatsoever. " Maria Vellanz |