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Über ein Jahr ist seit der
Veröffentlichung von "Prey", dem
nach wie vor aktuellen Album von TIAMAT, vergangen. In der Zwischenzeit gab es
einige Festival-Gigs, aber erst jetzt eine komplette Tour im Paket mit Theatre
of Tragedy, Pain und Sirenia. Ich hatte Gelegenheit, vor dem Gig in Karlsruhe
mit Anders Iwers und Johan Edlund zu sprechen.
GW: Hallo und zunächst einmal ein gutes
neues Jahr. Ihr habt Silvester in Wien gespielt. Wie war der Gig und warum kann
Euer Gitarrist Thomas bei dieser Tour nicht dabei sein?
Anders: Ja, das Konzert in Wien war ein guter
Abend für uns. Thomas ist gerade zum zweiten Mal Vater geworden und daher
bei dieser Tour nicht mit dabei. Er ist zuhause bei seiner Frau und seinen
Kindern.
GW: Euer
aktuelles Album "Prey" wurde vor mehr als einem Jahr veröffentlicht.
Damals gab es keine Tour. Wieso seid Ihr erst jetzt und ohne neues Album
unterwegs?
Anders: Na, besser
spät als nie
Nein, es hat sich damals keine Gelegenheit ergeben, wir
haben allerdings zwischenzeitlich auf einigen Festivals gespielt. Wir haben
schon nach einer Möglichkeit gesucht, eine Tour zu realisieren und jetzt
haben wir ein wirklich gutes Package zusammen.
GW: Wie kam es zu dieser Konstellation mit
Theatre of Tragedy, Pain und Sirenia? Gibt es da eine Bindung zwischen den
Bands?
Anders: Ja, wir sind gute
Freunde.
Johan: Wir kennen die Leute
von Theatre of Tragedy und Pain schon seit vielen Jahren und auch Morten von
Sirenia schon seit seiner Zeit bei Tristania.
Anders: Es kommen ja einige Musiker aus unserer
Gegend, die sich untereinander auch gut kennen, wie z.B. In Flames, At the
Gates oder Hammerfall. Mit einigen ist man sogar zusammen auf die Schule
gegangen, das ist manchmal wie eine große Familie.
GW: Anders, stimmt es, dass Du vor einigen
Jahren mit den "In Flames" gespielt hast?
Anders: Ich war nie ein festes Mitglied von "In
Flames", aber das sind gute Freunde von mir und ich habe Lead Guitar auf ihrem
ersten Album gespielt. Mein Bruder spielt ja auch Bass bei "In
Flames".
GW:
Wie wichtig ist es, für Tiamat zu touren. Bevorzugt Ihr die
Studioarbeit oder live zu spielen?
Johan:
Das sind für uns absolut unterschiedliche Dinge. Wir mögen
beides, jedes auf seine Art. Touren bringt eine Menge Spass und bei der
Studioarbeit kann man etwas Großartiges schaffen. Für uns ist es
sehr stimulierend, im Studio zu sein. Das ist sehr wichtig für die Band.
Anders: Ich liebe es, auf Tour zu
sein. Am besten ist es, jede Nacht zu spielen, da kommt die Band in eine
Routine, die den Shows einfach gut tut.
Johan:
Ja, den schlechtesten Gig haben wir nach dem einzigen "Day-off"
gespielt
Anders: Die Tour ist
immer zu kurz. Ist es vorüber, vermisst man die anderen Bands, mit denen
man die ganze Zeit zusammen war. Man vermisst die ganze Tour-Routine und am
meisten wohl zu rufen, "Hey, Tour-Manager, besorg mir bitte mal ein
Bier!"
GW: Gab es irgendwelche
besonders schöne oder auch schlechte Erlebnisse während des
Tourens?
Anders: Was "on the
Road" passiert, bleibt auch "on the road"
.. Nein, es gibt die
natürlichen Ups and Downs während einer Tour. Es ist nicht immer
spassig, z.B. wenn du mit einer Erkältung morgens frierend im Bus
aufwachst. Wirklich wichtig dabei ist, jeden Abend einen guten Auftritt
hinzulegen, darum geht es. Dabei möchten wir natürlich auch
möglichst viel Spass haben.
GW:
Ihr habt auch bei dieser Tour schon in verschiedenen Ländern
gespielt. In wie fern sind die Reaktionen der Zuschauer da unterschiedlich?
Johan: So viel Unterschiede
gibt es da gar nicht. Klar, generell sind Skandinavier etwas reservierter,
während der Empfang in Südeuropa etwas offener und wärmer
ausfällt. Aber es ist überall gut auf die jeweilige Art.
GW: Ändert Ihr die
Songs, oder habt Ihr jeden Abend eine feste Playlist?
Johan: Wir spielen meist dieselben Songs,
ändern aber die Reihenfolge jeden Abend.
GW: Jetzt muss ich doch mal fragen, ob es auch
"To have and have not" zu hören gibt, das mag ich persönlich sehr
gerne?
Johan: Ja, wir werden es
spielen. "To have and have not" ist mein Lieblingslied bei Tiamat. Es ist das
allererste Mal, dass wir es auf einer Tour live spielen. Ich weiss gar nicht,
wieso wir das bisher noch nicht getan haben, da hatten wir bisher
ähnlichen Stücken den Vorzug gegeben. Aber es funktioniert live
wirklich gut.
GW: Im Line-up von
Tiamat gab es besonders in den Anfangsjahren viele Änderungen. Jetzt
spielt Ihr im Kern seit vielen Jahren zusammen. Hat sich damit die Besetzung
gefunden, mit der die Band auf lange Sicht funktioniert?
Johan:
Richtig, der Kern der Band ist jetzt seit 1997 derselbe geblieben.
Wir hatten einige verschiedene Keyboarder und auch Lead-Gitarristen in dieser
Zeit, aber das ist für unsere Band keine ungewöhnliche Situation. Man
gewöhnt sich daran.
GW:
Johan, Du lebst noch immer in Deutschland. Der Rest der Band lebt
nach wie vor in Schweden. Wie funktioniert das in Bezug auf Songwriting, proben
und Arbeit mit der Band?
Johan:
Ja, ich lebe jetzt wieder in Dortmund.
Anders: Johan war ja einige Zeit in Hamburg. Ich
lebe noch in Göteborg und da war es mit Hamburg auch nicht anders, als
würde Johan z.B. in Stockholm leben, kein Problem.
Johan: Das beeinflusst uns nicht. Ich denke, wir
würden genauso arbeiten, wenn wir alle in derselben Stadt wohnen
würden. Man würde sich bestimmt öfter mal treffen, aber auch
nicht anders arbeiten.
Anders: Wir
kennen uns jetzt schon lange, da brauchen wir auch nicht drei Mal pro Woche zu
proben. Die beste Art für uns zu arbeiten, ist die Songs zu schreiben, sie
sich zuzuschicken und dann treffen wir uns ein paar Wochen vor den eigentlichen
Aufnahmen, um daran zu arbeiten.
GW:
Wie läuft der Prozess des Songwritings bei Tiamat
ab?
Anders: Das meiste wird von
Johan geschrieben, die Arrangements und Sounds werden allerdings immer durch
die Band beeinflusst. Ein paar Songs wurden auch gemeinsam erarbeitet, indem
man sich einfach mit zwei Akustikgitarren zusammensetzt. Aber das ist eher
selten der Fall. Wir kennen uns ziemlich gut und Johan weiß sehr genau,
wie die Songs von der Band umgesetzt werden können. Auch Lars und ich
haben ja schon einige Songs geschrieben. Mit irgendeiner Art von Diktatur hat
das jedenfalls überhaupt nichts zu tun.
GW: Johan, wie sind Deine Erfahrungen, in
einem für Dich fremden Land zu leben? Wird Deine Arbeit dadurch
beeinflusst?
Johan: Kann ich
eigentlich gar nicht so beantworten. Bevor ich nach Deutschland gezogen bin,
habe ich auch schon viel Zeit hier verbracht. Auch haben wir immer viel getourt
und ich bin die meiste Zeit im Jahr unterwegs. Ich kenne das also gar nicht
anders und ich fühle mich auch nicht in irgendeiner bestimmten Stadt
zuhause. Ich glaube, ich bin so etwas wie ein Nomade und meine Arbeit gibt mir
auch das Gefühl, wie ein Nomade zu sein - ich bin glücklich da, wo
mein Koffer ist und meine wichtigsten persönlichen Dinge
sind.
GW: Ein wesentliches
Merkmal bei Tiamat ist, das sich die einzelnen Alben doch sehr voneinander
unterscheiden. Zwar ist der Stil von Tiamat unverkennbar, aber es gibt doch
immer gewisse, deutliche Unterschiede von Album zu Album. Sind diese von Euch
geplant bzw. beabsichtigt, oder passiert das einfach während des
Songwritings oder der Aufnahmen?
Johan:
Das passiert einfach. Wir machen das, wo nach wir uns in dem
jeweiligen Moment fühlen. Für uns ist es nicht wichtig, irgendeine
Entscheidung bezüglich unseres Stils zu treffen. Wir spielen die Musik, an
der wir selbst Freude haben.
Anders:
Wir denken nicht darüber nach, ob und was wir ändern
sollten. Wir hoffen, dass wir uns weiter entwickeln können, bessere Songs
schreiben und besser spielen. Das bringt uns dann zu einem anderen Ergebnis,
als auf dem jeweils vorhergehenden Album. Letztlich bestimmt immer der Song
selbst, wie wir ihn spielen.
GW:
Ihr seid es wahrscheinlich schon oft gefragt worden, aber bei
vielen Tiamat-Songs hört man Einflüsse von Pink Floyd. Wir wichtig
ist dieser Einfluss für Euch?
Johan:
Diesen Einfluss gab es, ja. Ich denke, wir verdanken Ihnen auch
einiges. Vielleicht macht man sich das selbst auch gar nicht so bewusst, aber
das ist schon eine gute Band.
Anders:
Daneben gibt es aber auch noch andere Einflüsse. Für mich
ist es wichtig, dass manche Bands auf einem anderen Weg Einfluss auf mich
haben, nicht unbedingt nur musikalisch.
GW:
Zum Beispiel?
Anders:
The Clash - wegen Ihrer Einstellung. Nicht, dass wir wie sie klingen
wollen, aber ich sehe auch bei uns eine starke "Punk-Attitude"
GW: Nun zu den Plänen
für die nächste Zeit. Ihr werdet jetzt Aufnahmen für eine DVD in
Krakau machen. Warum habt Ihr gerade Krakau gewählt und was können
wir für die DVD-Produktion erwarten?
Johan: Wir haben uns für Krakau entschieden,
weil wir eine lange Geschichte und ein starke Fan-Base in Polen haben. Die
allererste Show, die wir außerhalb von Schweden gemacht haben, war in
Polen. Es ist schon eine sehr spezielle Sache für uns, dort zu
spielen.
Anders: Wir haben da auch
ein voll ausgestattetes TV-Studio zur Verfügung, so dass wir für die
Aufzeichnung kein Equipment heran schaffen müssen.
GW: Ihr zeichnet also in einem TV-Studio mit
Publikum auf?
Anders: Ja, genau.
Die DVD wird hauptsächlich die Live-Aufzeichnung beinhalten. Daneben
sammeln wir noch einiges an Clips, Backstage-Szenen, "Bootleg"-Material und was
immer wir noch finden können.
GW:
Ist denn für dieses Jahr auch mit einem neuen Album zu
rechnen?
Anders:
Vielleicht
, vielleicht auch nicht. Das ist schwer zu sagen.
Wenn wir eine Deadline bekommen, können wir sogar sehr fix arbeiten, aber
wir brauchen auch diesen Druck der Terminvorgabe.
Johan: Ich denke, wir werden definitiv mit den
Aufnahmen für ein neues Album beginnen, aber es ist eher unwahrscheinlich,
dass es auch dieses Jahr noch veröffentlicht wird.
GW: Ein Thema, das alle betrifft sind die
Probleme in der Musikindustrie der letzten Jahre, wie Downloads und Kopieren
der Musik. Beeinflusst dies Eure Plattenverkäufe und wie seht Ihr dieses
Problem?
Johan: Klar, das
beeinflusst unsere Albumverkäufe, wie die aller anderen auch. Aber ich hab
da gar nicht so eine fest gefügte Meinung zu, außer es irgendwie als
Fakt zu akzeptieren. Es ist, wie es ist und eine Erscheinung der momentanen
Zeit. Das ist aber kein Punkt, über den ich verbittert bin.
Anders: Mann kann nicht viel dagegen machen, also
muss man damit leben. Was ich nur gar nicht leiden kann ist, wenn man ein neues
Album macht und Vorabkopien an Medien und Journalisten gibt und dann zwei
Monate vor dem Release-Datum das Album schon im Internet kursiert.
GW: Wie haben sich Eure Plattenverkäufe
im Laufe der Zeit entwickelt?
Anders:
Nun, "Wildhoney" ist nach wie vor das am besten verkaufte Album.
Tiamat ist nun schon so lange dabei und hat einen gewissen Kultstatus, da ist
der Name inzwischen wohl bekannter, als das die tatsächlichen
Verkäufe belegen. Unsere Alben werden auch nicht schnell und in
großen Massen abgesetzt. Es ist eher so, dass sich die Platten
kontinuierlich über einen längerfristigen Zeitraum verkaufen und auch
heute noch die älteren Sachen gekauft werden.
GW: Gibt es eigentlich
irgendein Album oder Interpreten, von dem Ihr persönlich im letzten Jahr
beeindruckt wart?
Johan: Um
ehrlich zu sein, höre ich kaum Musik. Zuhause hab ich keinen Fernseher,
ich besitze zwar eine Stereoanlage, aber seit ich wieder in Dortmund bin, habe
ich die noch nicht einmal angeschlossen. Das ist für mich auch nicht so
wichtig. Ich sitze lieber vor dem Computer oder spiel auf meiner
Akustik-Gitarre, um neue Songideen zu entwickeln. Es ist wirklich schon eine
ganze Zeit her, dass mich eine neue Band wirklich umgehauen hat. Es ist nicht
mein Hauptinteresse, und es ist auch nichts, was mir hilft neue Songs zu
schreiben. Es wäre ziemlich langweilig, mich nach meinen
Lieblingskünstlern zu fragen. Die Antwort wäre dieselbe, wie vor
fünf Jahren oder so und ich bin auch nicht daran interessiert,
irgendwelche neue Trends herauszufinden.
Anders: Ich höre ständig Musik, wobei
das selten neue Musik ist. Gerade, was Metal angeht. Da finde ich vielleicht
alle fünf Jahre mal etwas, was ich wirklich mag. Ich versuche eher neue
Formen von Musik zu entdecken, die mich bisher nicht berührt haben. Das
kann Reggae, Country oder was auch immer sein. Ich versuche herauszufinden, was
mir an bestimmten Musikstilen gefällt.
Johan: Ich möchte noch ergänzen, dass
ich sehr auf Theatre of Tragedy stehe. Ich habe sogar Ihre Platten zuhause, die
mir Ihre Plattenfirma gegeben hat. Leider bin ich noch gar nicht dazu gekommen,
sie intensiv zu hören. Aber nach der Tour werde ich das ganz sicher
machen. Von dem, was ich gehört habe, gefallen mir am besten die Songs von
den letzten beiden Alben.
GW:
Gibt es noch etwas, dass Ihr gerne unseren Lesern mitteilen
möchtet?
Anders: Ja, eines
meiner liebsten Zitate : "I'm glad I'm not sober, I often think to
myself".
GW: Dann möchte ich
mich noch herzlich für das Interview und die Zeit, die Ihr Euch genommen
habt, bedanken und wünsche eine gute Show heute Abend.
Dirk Kania (DJD) für
GothicWorld
CD-Review:
"Prey" Live-Review:
05.01.2005 - Karlsruhe - Substage
www.churchoftiamat.com www.centurymedia.de
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