special:
SIRENIA / PAIN / THEATRE OF TRAGEDY /
TIAMAT 05.01.2005 - Karlsruhe -
Substage
Das Jahr 2005 fing
konzerttechnisch gleich vielversprechend an - mit einem schwedisch-norwegischen
Vierer-Pack, dessen Line-up einiges versprach. So war das Substage in Karlsruhe
in Erwartung des skandinavischen Quartetts auch mit ca. 700 Personen
ausverkauft.
SIRENIA Pünktlich um 19.30 Uhr eröffneten
Sirenia die Show und präsentierten Gothic Metal mit inzwischen
hinlänglich bekannten "Beauty and the Beast" - Prinzip. Der meist leicht
growlende Sänger Morten Veland wurde von Sängerin Henriette Bordvik
unterstützt, die die cleanen Gesangsparts übernahm. Da diese aber
eher spärlich eingesetzt wurden, blieb Henriette vor allem die Rolle als
Tänzerin. Der Sound war eher leise und dezent und neben Bass- und
Keyboardsounds wurden auch die Chöre zugespielt. Somit fehlte Sirenia
etwas die Power, die man von Ihren Studioproduktionen kennt und Ihr Auftritt
wirkte etwas brav. Nach 5 Songs war dann auch schon Schluss - das war ganz
nett, mehr aber auch nicht.
PAIN Peter
Tägtgren kam mit dem aktuellen Live Line-up, bestehend aus Gitarristin
Andrea Odendahl, Bassistin Alla Fedynitch und Drummer David Wallin auf die
Bühne, alle Keyboards und Electronics wurden auch hier zugespielt.
Der Sound war auch bei Pain etwas verhalten und die Band konnte
nicht wirklich überzeugen. Rhythmisch blieben die Songs meist zwischen
gleichförmig und nervend, ohne Dynamik, und auch Herr Tägtgren
bewegte sich auffallend oft am stimmlichen Limit. Lediglich "Nothing" war
abwechslungsreicher arrangiert und das Beatles-Cover "Eleanor Rigby" sorgte
für etwas Auflockerung. Interessanterweise hatten Pain ihre stärksten
Momente, wenn es mal etwas ruhiger und melodiöser zuging. Bei den letzten
beiden Songs, der ansprechenden neuen Single "Same old Song", sowie dem
rockenden "On and On", wurde es dann doch noch interessanter und druckvoller.
Obwohl Peter Tägtgren mit Pain und auch Hypocrisy bewiesen hat,
dass er packende Songs schreiben kann, war am heutigen Abend davon leider nicht
allzu viel zu spüren. Insgesamt enttäuschend.
THEATRE OF TRAGEDY Da war man doch sehr gespannt auf das
Comeback nach dem Split von Sängerin Liv Kristine. Mit der neuen
Sängerin Nell präsentierten die Norweger einen Querschnitt durch das
bisherige Schaffen der Band und das gelang gut.
Songs von "Hamlet for a
slothful vassal" aus dem Debut-Album bis hin zu Titeln aus den letzten Alben
kamen facettenreich, gekonnt und insgesamt erfreulich unprätentiös.
Dabei ergänzt sich Nell gut mit Sänger Raymond, ohne die Kontraste
zwischen den Stimmen überzustrapazieren. Lediglich etwas mehr Fülle
würde Nell's Stimme gut tun. Sehr gelungen war der neue Song, eine
klavierbetonte Ballade, der von Nell alleine gesungen wurde.
Auch wenn
auf manch vertrauteren Titel wie "Tanz der Schatten" verzichtet wurde, fand ich
die Songauswahl sehr gelungen. Comeback geglückt - mit einem mehr als
soliden Gig. Als genreprägende Band, wie das vor einigen Jahren der Fall
war, kann man Theatre of Tragedy momentan nicht einordnen, aber dieser Auftritt
hat zumindest Neugier auf das neue Album gemacht.
TIAMAT Dachte man beim Studieren des Line-ups doch, es
gibt an diesem Abend vier wirkliche starke Bands zu hören, bewiesen TIAMAT
vom ersten Ton an, wer der verdiente und wahre Headliner dieses Abends ist.
"Vote for Love" war der Opener für einen absolut überzeugenden Gig.
Im folgenden spannte TIAMAT den Bogen von ihren frühen, Death
Metal geprägten Titeln bis hin zu den aktuellen und fragileren Songs ihres
letzten Albums "prey". Das gesamte Set wirkte dabei aus einem Guss, auch die
ruhigeren Songs hatten Druck und Energie.
Johan Edlund und seine
Mitstreiter zeigten sich als absolut homogene Einheit, die bei "Brighter than
the Sun" von Nell als Gastsängerin noch einmal gekonnt unterstützt
wurde. Beeindruckend war die immer gelungene Balance zwischen
atmosphärischen Elementen und schwer rockenden Songs. Beispiel dafür
waren z.B. das einfach nur schöne "To have and have not" und
metal-lastiges wie "In a Dream" vom "Clouds" Album.
TIAMAT verzichteten auf überladene Arrangements, fette
Light-Show und jegliche Effekthascherei. Dafür gab es Musik, die zu jeder
Zeit auf den Punkt kam und die beeindruckende Persönlichkeit und Stimme
von Johan Edlund. "We are a Band with a lot of fantasy, so we play another
song about the devil" war die Ankündigung für "Clovenhoof", mit dem
die Schweden noch einmal ihr sicheres Gespür für hervorragende
Melodien unter Beweis stellten. Wirklich jeder Song an diesem Abend wurde
treffend interpretiert und mit einem kraftvollen "As long as you are mine"
verabschiedete sich die Band zunächst.
Als Zugabe gab es mit "The sleeping Beauty" noch einmal einen Song
aus den früheren Tagen, zu dem auch Peter Tägtgren noch einmal auf
die Bühne kam und hier sehr überzeugend agierte. Mit einem
mitreissendem "Gaia" fand das Konzert dann seinen würdigen, wenn auch viel
zu frühen, Abschluss. Die Gabe, eine Live-Show auf das Wesentliche zu
konzentrieren, dieses dann aber absolut gekonnt und mitreißend
darzubieten, haben nicht allzu viele Bands. TIAMAT hat diese Qualität.
Musikalisch gehörte dieser Gig zweifellos zum Besten, was ich in letzter
Zeit live erlebt habe. Souverän!
Bericht:
Dirk Kania (DJD) für
GOTHICWORLD
Fotos: Alexandra Weichhaus, Dagmar
Geiger
Playlist TIAMAT: 1 Vote for Love 2
Children of the Underworld 3 Cain 4 Brighter than the Sun 5 To have
and have not 6 Whatever that hurts 7 In Love with myself 8 In a
Dream 9 Wings of Heaven 10 Cold Seed 11 Clovenhoof 12 As long
as you are mine
13 The sleeping beauty 14 Gaia
TIAMAT -
Interview vor dem Konzert
www.sirenia.no www.pain.cd www.theatreoftragedy.com www.churchoftiamat.com |