CD-REVIEWS:
 |
|
ANGEL SELF
DESTRUCT "Luna Reincarnativh" CD (Non-pareil /
Musea)
|
Die Musik von ANGEL SELF DESTRUCT zu
beschreiben stellt den Rezensenten vor eine nicht ganz einfache Aufgabe. Zum
einen da sich die 11 Songs ihres ersten Full-Time Albums recht unterschiedlich
entfalten und sie zum anderen nicht einfach in eine Schublade gesteckt werden
können. Ja, um ehrlich zu sein, versprühen ANGEL SELF DESTRUCT
mit ihrer Musik den frischen Hauch von Innovation und Kreativität, nicht
nur was die einzelnen Stücke angeht, sondern viel mehr was den Gesamtsound
der Franzosen anbelangt.
Aus der Ferne näher kommend eröffnet
ein Schrei das Album und ein dunkler Klangteppich breitet sich aus. Schnell
bekommt er eine gewisse Dynamik und Rhythmik und eine Frauenstimme beginnt zu
singen. Lieblich, zart und dennoch selbstbewußt schwingt die Stimme im
Raum. Als grobe Richtung ist es an dieser Stelle vielleicht nicht verkehrt den
Begriff Heavenly Voices fallen zu lassen, was ich hiermit mal tue, aber nur um
eine grobe Orientierung zu geben. Dezent instrumentiert entfaltet "Magdala"
musikalische und emotionale Wellen, die die volle Aufmerksamkeit des
Hörers auf sich ziehen. Fließend geht es dann über zu "Free as
a bullet". Der Übergang ist so schleichend, daß man plötzlich
erstaunt ist über den etwas härteren Drumsound und der
Männerstimme. So hat sich die Musik eigentlich geändert, aber
eigentlich auch nicht. Beim dritten Song ist dann wieder die Frauenstimme zu
vernehmen. Wind und andere Geräusche bilden eine kalte Kulisse und nur der
sporadisch auftauchende Gesang schafft Melodie und Wärme.
Ergreifend.
Dann ein treibender Beat. Spätestens bei "Kogatsu"
verfestigt sich meine anfängliche Ahnung, daß der Sound einige
Trip-Hop-Anleihen beinhaltet. Nicht aufdringlich, sondern eher eindringlich
finden diese Verwendung. Das ganze Album ist überwiegend elektronisch und
doch klingt es so organisch, daß ich es schlecht als Elektro-Platte
verkaufen könnte. Wenn der Vergleich nicht zu abschreckend ist,
könnte man eventuell Massive Attack nennen, doch eben noch
atmosphärischer und dunkler. Persönlich muß ich noch "After
light" ansprechen, das eines der wenigen Lieder mit männlichem Gesang ist.
Auch von der Instrumentierung fällt es etwas aus dem Rahmen, hört man
doch mehr "richtige" Instrumente. Hinzu kommt ein herrlich monotoner Gesang,
der im Zusammenspiel mit den kunstvoll eingesetzten Tönen eine fast
apokalyptischen Atmosphäre schafft. Insgesamt regen alle Songs den
Hörer dazu an, verschiedene Bilder oder Welten im Kopf entstehen zu
lassen. Für verträumte Seelen die perfekte Musik sich fallen zu
lassen. Und gleichzeitig wippt man mit und ist versucht den ganzen Körper
mit der Musik verschmelzen zu lassen.
Passend dazu das mir vorliegende
Booklet. Es besteht nur aus vier tiefschwarzen Seiten, die lediglich in kleiner
Schrift die Tracklist beinhalten und auf der Vorderseite auch in
Fast-Mikro-Schrift die Worte "Keep it underground". Da habe ich keine Sorge.
Solch emotionale und gute Musik bleibt meistens im "underground". Dafür
ist sie für manche Menschen aber um so intensiver und
bedeutsamer.
Silvio
Wolff für GOTHICWORLD
Tracklist: 01. Magdala
02. Free as a bullet 03. Recycled Eve 04. Cathedrals 05. Ibiza
k.z 06. Kogatsu 07. The global sect 08. After light 09. Some
growing seeds (Voynch) 10. Le diable de Laplace 11. Miss america
http://angelselfdestruct.site.voila.fr |