CD-REVIEWS:

Lullebies for Debauchery    SLEEPING CHILDREN
"Lullebies for Debauchery"
CD (Strobelight Records / Indigo)

Wenn man sich manchmal fragt, was man selbst noch mit den hochglanzpolierten sogenannten Gothic-Acts zu tun hat, lohnt sich ein Blick zur Seite. In den dunklen Katakomben tut sich nämlich einiges! Von dort scheinen auch die SLEEPING CHILDREN aufzusteigen. Ob man das nun noch Batcave nennen will, sei mal dahin gestellt. Eigentlich klingen die schlafenden Kinder dafür zu frisch und innovativ.

Ich würde es mal als straighten Ass-Kicking-Death-Rock bezeichnen. Schräge und dunkle Kompositionen treffen auf Murmurs Stimme, die an manchen Stellen etwas verrückt und durchgeknallt klingt, um sich dann wieder gefühlvoll tief ins Mark des Hörers zu schleichen. Ein wenig erinnert sie mich ja an den Sänger Sebastian von der französischen Kultformation Corpus Delicti. Übrigens auch die Musik. Doch eben nur in Ansätzen, denn insgesamt setzen sie im Gegensatz zu Corpus Delicti auf einen Drumcomputer, was nicht immer nur schlecht sein muss. Hinzu kommt generell der Einsatz von Keyboardsounds, die Atmosphäre schaffen und gut eingebaut sind. Teilweise erinnern die schlafenden Kinder dann auch wieder an die schnellere Phase von Cinema Strange, was sicherlich in den besonders abgedrehten Parts deutlich wird. Am Ende sind es aber einfach SLEEPING CHILDREN, die ein Debüt vorgelegt haben, welches auf jeden Fall Beachtung finden sollte und wird.

Einen kleinen Wehrmutstropfen habe ich leider noch. Denn als DJ ist mir aufgefallen, daß irgendwie ein Song fehlt, der richtig catchy ist, prägnant und tanzbar. Alle 10 Songs gefallen mir zwar ausnahmslos sehr gut und gehen richtig ab - bis auf das letzte -, doch für die Tanzfläche wird es schwierig. Aber mal sehen, vielleicht unterschätzt man manchmal die Gäste solcher Tanzveranstaltungen. Direkt ansprechend wäre eventuell "Murderers Dance", sehr eingängig mit einem relativ klarem Gesang, der stellenweise im Hintergrund durch eine zweite, leise kreischende Stimme unterstützt wird. Hört ihn Euch an, seid begeistert und wünscht Euch den Song in Eurer Stammdisko. Könnte funktionieren. Aber vielleicht sind es auch "Poppies Screen the Light" oder das zum Springen verleitende "Between Your Legs". Entscheidet selbst, aber auf jeden Fall wird es kein Liebhaber dieser Musikrichtung bereuen, diese Platte gekauft zu haben.


Silvio Wolff für GOTHICWORLD


Tracklist:
01. No Love for the Dead
02. Love sucks
03. Murderer's Dance
04. Dusty Shades of Red
05. Poppies Screen the Light
06. Life of Vice
07. Couve Bien Les Cris Pres Du Coeur
08. Lili's Dead
09. Between your Legs
10. Lullabies for Debauchery


www.sleepingchildren.com