special:
ASP / Advocatus Diaboli 15.04.05 Das Rind, Rüsselsheim
Immer wieder unterwegs, lassen sie einen nie allein. Keine
großen Touren, aber immer wieder gerne und oft, für ein, zwei Wochen
in den kleineren Clubs dieses Landes, manchmal auch schon ins benachbarte
Ausland.
Der Weg an die Spitze ist dornig und steil und ASP können
davon mehr als nur ein Lied singen, aber was tun wenn der "Hunger" nach
Applaus, nach Bestätigung, nach dem fast orgiastischen Gefühl auf der
Bühne zu stehen, fast schon zur Sucht wird? Einfach mal ne limitierte EP
ins Gepäck nehmen, auch wenn diese eigentlich nur ein neues Stück
beinhaltet, den Booker auf seine vertraglichen Pflichten hinweisen und ne
Minitour veranstalten.
Auftakt und Heimspiel zugleich, am 15.04.05 im RIND im dem
Frankfurter Flughafen vorgelagerten Opelstädtchen Rüsselsheim. Fakt
ist, damit besteht das Publikum zur Hälfte mindestens aus Familie und
Freunde und eigentlich kann nichts schief gehen.
Schon auf der "Du
bist nie allein Tour" im letzten Jahr, mussten die Mannen um den Schwarzen
Schmetterling ohne ihre Chorknaben auskommen, und auch da trug der Meister
selbst schon weißes Hemd und schwarzen Anzug. Keine Frage, Matze, Himmi
und Tosser haben sich nie durch marketingförderndes Bühnenoutfit
hervorgetan, sie werden es auch nie tun, und besser ist das sowieso.
Musikalisch, handwerkliches Können stand und steht hier im Vordergrund,
dass ich mich in Himmis Drehungen des Sticks zwischen zwei Fingern (wie man
dass auch immer im Fachjargon nennen mag) verlieben könnte, weiß er
selber. Interessant für mich, der die Jungs im letzten Jahr auf der Tour
doch "allein gelassen hat", die Variante eben ohne Chor. Und was soll, was muss
ich sagen? Natürlich haben Matze und Tosser nicht die Stimm- und
Optikpräsenz von Max und Holger, natürlich war der Dreiergesang immer
einer der besonderen Punkte an ASP (als Band) aber vermisst hab ich es
komischerweise überhaupt nicht. Dies kann also durchaus als Kompliment
betrachtet werden.
Und sonst? Wie gewohnt und fast
schon garantiert, schweißtreibende Show in der sich der Sänger
sichtbar körperlich und seelisch verausgabt, die Band eine Menge
Spaß hat und mehr als einmal grinst. (Alleine das verhindert
natürlich den kommerziellen Erfolg in der Gothicszene. Jungs, Lachen, das
geht nicht!) Knüppeldicke volles Haus im Rind, so dass die Luft zum
Schneiden war, Mitsingen und Tanzen inklusive, Zugabe heißt bei
ASP immer noch "Ich will brennen" und alles war somit perfekt.
Fünf neue Songs hatten sie versprochen. Richtig.
Es ist immer
schwer auf einer Tour, neue Songs uraufzuführen, oft sind die Leute
überfordert, verwirrt, wenn man Glück hat tolerant. Gut
"Tiefenrausch" und "Werbung" waren vielleicht so Songs, die auf
Grund des fehlenden Bekanntheitsgrades, für etwas mehr Ruhe im Publikum
sorgten. Aber "Hunger" und "Schwarzes Blut" erwiesen sich auf
Anhieb als offensichtliche Kracher, die auch ohne Textkenntnisse den Saal zum
Kochen brachten. Ja ich gebe es zu, der fünfte Song fällt mir nicht
mehr ein, ich klaue auch keine Setlisten von den Monitoren, sondern nur das
Bier aus'm Backstagebereich. (Jeder ist sich eben selbst der Nächste!)
Zusammenfassend also ein Familienfest erster Güte, lauter nette
Leute, nen Haufen Alkohol, Freunde treffen und so ganz nebenbei spielen die
Kumpels mit ihrer Band auch noch ne verdammt gute Mucke auf der Bühne. Gut
dass war jetzt etwas übertrieben, aber so ist die Atmosphäre auf nem
ASP Konzert nun mal. Und fachsimpelnde Gespräche mit den Artworkern
Hammann und Römling sind genauso schön wie, albernes Dazwischengerufe
mit Hr. Riegert von JANUS (jajaja Musiker unter sich) oder sich von
CHAMBER-Tina am Tresen ein Bier reichen zu lassen. Da ist es schon schwer sich
noch auf die Musik zu konzentrieren.
Ach ja, bevor sich der geneigte
Leser anfängt zu wundern, warum ich kein Wort zum Support fallen
lasse
Advocatus Diaboli, nur in Rüsselsheim dabei,
wahrscheinlich Lokalquotenbonus oder so was in der Art, denn auf dem Rest der
Tour die Schweizer NUUK, die sicherlich auch besser sind. Denn die
zweitausendste Sisters Of Mercy Kopie (und verdammt schlechte noch dazu), die
gesanglich schon Qualitäten (Achtung Zynismus!) von Sanguis Et Cinis hat
und sich in den zwei, starr einstudierten Gothic-Bühnen-Gesten
ergeht
brauch ich nicht mehr. Sorry dafür, aber ich konnt' nicht mal
mehr drüber lachen und meine Toleranz hat auch Grenzen.
Bericht: Thomas Sabottka
für GOTHICWORLD Fotos: Ivo Klassmann
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